Die Anleiherenditen haben ihren tiefsten Stand möglicherweise noch nicht erreicht, und negative Renditen sind für bestimmte Anleger nicht unbedingt schlecht, meint Lukas Daalder, der bei Robeco den Bereich Multi-Asset Investments leitet.……
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Lukas Daalder
In aller Kürze:
Die Anleiherenditen haben ihre Talfahrt bei null Prozent noch nicht beendet.
Das Quantitative-Easing-Programm der Europäischen Zentralbank bedeutet, dass es einen neuen Käufer am Markt gibt.
Negative Renditen sind nicht zwangsläufig ein schlechtes Investment.
Die Anleger stehen vor der Notwendigkeit, sich auf der Risikokurve weiter nach oben zu bewegen.
Immer wenn die Anleger denken, dass die Renditen unmöglich noch weiter fallen können, wird ein weiterer Negativrekord aufgestellt. Normalerweise wäre der Auslöser hierfür ein bedeutendes Ereignis wie z. B. Unsicherheit über den Wahlausgang in Griechenland. Diesmal ist es aber anders, sagt Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco
Investment Solutions.
Und auch wenn es wenig sinnvoll erscheinen mag, in einem Umfeld mit negativen Renditen zu investieren, weil man sich damit im Grunde genommen aktiv darum bemüht, einen Verlust zu machen, gibt es viele Gründe, warum wir uns in dieser Situation befinden.
„Wenn es den Kunden nicht mehr in erster Linie darum zu gehen scheint, wie viel Luft die Aktienmärkte nach unten haben oder ob es abwärts gehen wird, sondern wie weit die Rendite auf 10-jährige Staatsanleihen noch fallen kann, weiß man, dass Ungewöhnliches im Gange ist”, sagt Daalder.
Neuland
„Die Erwartung, dass der Trend zu immer niedrigeren Renditen 2014 zu Ende gehen würde, ist einmal mehr enttäuscht worden. Unbeeindruckt davon, dass die Fed ihr Anleihekaufprogramm zurückgefahren hat, sind die Anleiherenditen weiter gefallen, wobei vor allem europäische Anleihen ‚Neuland’ betreten haben.”
„Und das war kein rein europäisches Phänomen; denn mit den Renditen ging es weltweit bergab. Ende letzten Jahres fielen sogar in Japan die Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen auf den nie da gewesenen Tiefstand von 0,3%. Die alle bewegende Frage lautet deshalb, wie weit die Anleiherenditen – insbesondere im 10-jährigen Bereich – noch in den Keller gehen können.
Für Daalder hängt die Antwort von der zukünftigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ab, wobei durch den negativen Einlagenzins von -0,2% eine Untergrenze vorgegeben ist. Die umfangreichen Quantitative Easing-Programme der EZB und anderer Notenbanken – vor allem der japanischen – werden seiner Ansicht nach die Abwärtsdynamik noch eine ganze Weile aufrechterhalten. Die EZB hat ein QE-Programm im Volumen von über 1 Billion Euro, und Japans neue Wirtschaftspolitik Abenomics ist praktisch endlos.
„Die von der japanischen Notenbank Ende Oktober angekündigten unbegrenzten QE-Maßnahmen sorgten in den Monaten danach für einen allmählichen Rückgang der Renditen auf japanische Anleihen, die Mitte Januar mit 0,2% einen neuen Tiefstand erreichten”, sagt Daalder.
„Europäische Anleihen betreten Neuland”
Schlimmer als ein „Worst-Case”-Szenario
„In Europa haben die Renditen auf Bundesanleihen in Erwartung der QE-Maßnahmen der EZB auf dem angenommenen „Worst-Case”-Niveau von 0,5% noch nicht einmal eine Pause eingelegt, und die Renditen auf 10-jährige Papiere sind auf 0,3% gefallen. Für einen richtig großen Schock hat aber der Schweizer Rentenmarkt gesorgt. Nach der Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Mindestkurs des Franken zum Euro aufzuheben, rutschten dort die Renditen im gesamten Laufzeitenbereich bis 12 Jahre in negatives Territorium.
Es könnte also noch schlimmer kommen. „Das neue ‚Worst-Case’-Szenario wären negative Renditen – und auch das wäre kein Novum bei Anleihen mit kürzerer Laufzeit”, merkt Daalder an. „Auf dem Höhepunkt der Eurokrise im Jahr 2011 gingen die Renditen auf einjährige Bundesanleihen kurzzeitig auf unter null zurück, da sich die Anleger fluchtartig aus den Rentenmärkten der Euro-Peripherieländer zurückzogen. Eine leicht negative Rendite zu zahlen, schien eine wesentlich bessere Option zu sein als das Risiko einzugehen, bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone alles zu verlieren.”
Daalder sagt, dass nach Berechnungen von JP Morgan von Ende Januar auf Staatsanleihen im Gesamtbetrag von 3,6 Mrd. US-Dollar (16% des Gesamtvolumens) negative Renditen gezahlt wurden. Warum aber sollten Anleger Geld in Papiere investieren, bei denen ein Verlust garantiert ist?
Die Anleger sind dennoch interessiert
„Es ist zwar richtig, dass das Geld unter der Matratze besser aufgehoben wäre, weil es dafür eine höhere Rendite gibt, nämlich null Prozent. Diese Option steht Finanzinstituten allerdings nicht offen”, so Daalder. „Aus mehreren Gründen kann es sogar sinnvoll sein, in einem Umfeld mit negativen Renditen zu investieren. Teilweise sind diese Gründe spekulativer Natur, teilweise sind sie aber auch logisch, wenn man sich die derzeit herrschenden wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ansieht.”
Daalder nennt fünf Hauptgründe, warum selbst negative Renditen für Anleger interessant sein könnten:
Quantitative Easing durch die Notenbanken: Anleihekurse sind schlicht und einfach das Ergebnis von Angebot und Nachfrage, und die massiven Anleihekaufprogramme der Notenbanken werden für eine weiter steigende Nachfrage sorgen.
Deflation: In Anleihen mit negativen Renditen zu investieren, ist durchaus sinnvoll, wenn man mit weiter sinkenden Anleihekursen rechnet. Vielleicht verliert man bei nominaler Betrachtung Geld, erzielt aber real immer noch ein gutes Ergebnis.
Zu erwartende Kursgewinne: Selbst bei einer negativen Zinsstrukturkurve kann man Gewinne erzielen, auch wenn die Anleiherenditen dafür noch weiter fallen müssen. Am einfachsten geht das, indem man sich die niedrigeren (d. h. negativeren) Renditen auf kürzer laufende Anleihen zunutze macht.
Erwartungen zur Wechselkursentwicklung: Eine positive Wechselkursveränderung kann einen Gewinn einbringen. Z. B. haben Anleger, die Schweizer Anleihen mit negativen Renditen gekauft hatten, erheblich von der Aufwertung des Schweizer Franken profitiert.
Negativer Einlagenzins: Wegen der Entscheidung der EZB, ihren Einlagenzins auf -0,2% zu senken, kann eine Anleihe mit negativer Rendite für eine Bank mit überschüssiger Liquidität eine bessere Option sein, als ihr Geld bei der EZB zu parken.
„Nimmt man alle genannten Argumente zusammen und schließt man spekulative Situationen aus, dann hängt die Antwort auf die Frage, wie weit die Anleiherenditen tatsächlich noch fallen können, sehr von der Politik der Notenbanken ab”, glaubt Daalder.
„Bislang war die EZB in ihren Äußerungen recht deutlich, dass sie den aktuellen Zinssatz von -0,2% als Untergrenze ansieht. D. h., bis auf Weiteres scheint dies das ‚Worst-Case’-Resultat zu sein.”
„Da die Geldmarktzinsen aber im negativen Bereich verharren, ist die erste logische Schlussfolgerung die, dass die Suche nach positiven Renditen weitergehen wird. Anders ausgedrückt: Uns gehen die Optionen in Bezug auf Anleihen allmählich aus.”
„Es ist richtig, dass das Geld unter der Matratze besser aufgehoben wäre, weil es dafür eine höhere Rendite gibt”
Quelle: BONDWorld.ch
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