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UBP rechnet mit deutlicher Konjunktureintrübung im 2. Halbjahr

UBP rechnet für das zweite Halbjahr 2023 mit moderatem globalem Wachstum,  welches vor allem in den Industrieländern fragil bleibt.

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Von Patrice Gautry, Chefvolkswirt der UBP


Bis ins erste Quartal des kommenden Jahres gebe es noch große Unsicherheiten für die Konjunktur in den Industrieländern, eine tiefe Rezession dürfte jedoch ausbleiben. Das Wachstum in China dürfte sich mit geringerem Tempo fortsetzen, der Wachstumstrend für Asien dürfte nachhaltig bleiben.

Auf dem Weg in ein neues Gleichgewicht

Von der zunehmenden Straffung der Geldpolitik und der schwachen Industrie sei Gegenwind zu erwarten. Zudem dürfte die Fiskalpolitik 2024 restriktiver werden, nachdem einige Sektoren noch bis ins zweite Halbjahr 2023 Unterstützung erhalten. Demgegenüber sorgten der solide Arbeitsmarkt, der starke Dienstleistungssektor und die Rückkehr des Verbrauchervertrauens für Rückenwind. „Der Motor des Wachstums dürfte sich verlagern“, führt Patrice Gautry, Chefvolkswirt der UBP, aus. „Aus unserer Sicht müsste sich die Dynamik von Verbrauchern und Dienstleistungen auf Investitionen und verarbeitendes Gewerbe verlagern. Ebenso sollte es eine neue Balance von Schwellenländern zu Industrieländern geben, damit ein neuer Konjunkturzyklus auf Basis gesünderer und nicht-inflationärer Fundamentaldaten beginnen kann.“

Grüner Zyklus voraus

Die umfangreiche Unterstützung der USA, Europas und Chinas für Maßnahmen gegen den Klimawandel, grüne Energie und neue Technologien dürfte mittelfristig einen neuen Produktivitätszyklus begünstigen und das Potenzialwachstum ankurbeln, insbesondere in den G4-Ländern Brasilien, Deutschland, Indien und Japan. „Die Zentralbanken in diesen Ländern üben weiterhin Druck auf die Wirtschaftstätigkeit aus, um die Wiederherstellung des Wachstumsgleichgewichts zu beschleunigen und die Inflation wieder vollständig unter Kontrolle zu bringen“, schreibt Gautry. „In den nächsten Quartalen und 2024 dürften Aspekte des Risikomanagements für die Entscheidungen in den G4-Zentralbanken zunehmend vor die Inflationsbekämpfung treten.“ Der Dienstleistungssektor reagiere weniger empfindlich auf die Zinssätze und benötige ein längerfristiges wirtschaftspolitisches Handeln. Der Chefvolkswirt geht davon aus, dass die Zentralbanken in den Schwellenländern noch vor der Fed mit einer Lockerung der Geldpolitik beginnen.

Inflation hat Höhepunkt überschritten

Die Inflation dürfte zum Jahresende in den USA bei über 3 % und in der Eurozone bei rund 4,5 % liegen. Für 2024 erwartet die UBP, dass die Inflation in den USA und in der Eurozone sich auf Niveau zwischen 2,5 % und 3 % reduziert. Die Lohninflation halte im Dienstleistungssektor an. „Der Arbeitsmarkt dürfte sich allmählich normalisieren, aber eine langsamere Nachfrage nach Dienstleistungen ist notwendig, um den aktuellen Trend abzukühlen“, so Gautry. Die Inflation habe auch in den Schwellenländern ihren Höhepunkt erreicht.

Geldpolitik – Ende der Straffung oder Beginn der Lockerung?

Die Zentralbanken der G4-Staaten stehen Gautry zufolge kurz vor dem Ende ihres Straffungszyklus, aber die Sorge über einen zu langsamen Disinflationsprozess bleibt bestehen. In diesem Jahr seien keine Zinssenkungen – außer im Fall einer Bankenkrise oder einer tiefen Rezession – zu erwarten. Die Fed dürfte nach der letzten Zinserhöhung im Juli eine Pause einlegen, wohingegen die europäischen Zentralbanken ihre Straffung fortsetzen dürften und dabei ein Überschießen riskieren. Die Notenbanken der Schwellenländer stehen kurz vor dem Ende ihres Straffungszyklus und dürften im dritten Quartal eine Zinspause einlegen. Gautry: „Der Markt erwartet starke Zinssenkungen ab dem ersten Quartal 2024, aber die Zentralbanken könnten sich mit dem Umschwenken auf eine Lockerung mehr Zeit lassen. Wir rechnen bei den Industrieländern nicht mit einer Lockerung vor dem zweiten Quartal 2024.“

Source: BONDWorld.ch


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