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Union Investment : Sichere Häfen gibt‘s nicht mehr zum Nulltarif

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Union Investment: Der Kursrutsch am Obligationenmarkt hat auch ein Gutes: Endlich gibt es wieder nennenswerte Zinsen für Anleger, die der Bundesrepublik Geld leihen.

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Von Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Anleihen, Union Investment


Bis sich das im Depot richtig auszahlt, braucht es aber Geduld – und das Umfeld bleibt schwankungsanfällig.

Endlich wieder positive Renditen: Das ist die erfreuliche Seite des Kursrutschs, der seit Anfang dieses Jahres durch die internationalen Anleihenmärkte gefegt ist und allerorts zu tiefroten Zahlen geführt hat. Nachdem die Zinsen lange Jahre auf der Nulllinie oder sogar darunter festzementiert zu sein schienen, ist diese Verfestigung nun aufgebrochen. Grund ist die hohe Inflation als Folge der stark gestiegenen wirtschaftliche Nachfrage nach der Corona-Pandemie, aber auch als Folge des Ukraine-Kriegs. Was schmerzlich für die Anleger ist, hat nun auch spürbare Folgen für die Bundesrepublik Deutschland: Ab Laufzeiten von etwa zwei Jahren muss der deutsche Staat wieder etwas bezahlen, wenn er möchte, dass ihm die Anleger frisches Geld zur Verfügung stellen.

Zinswende ist wichtig

Und dafür gibt es gerade viel Bedarf: Der Ukraine-Krieg treibt die Ausgaben nach oben – nun muss auch ein Sonderhaushalt über 100 Milliarden Euro für Verteidigung finanziert werden. Das alles kommt nicht mehr zum Nulltarif. Zum Beispiel muss die Bundesrepublik dafür, dass Anleger ihr für zehn Jahre Geld zur Verfügung stellen, Mitte Juni 2022 wieder etwa 1,5 Prozent an Zinsen zahlen. Noch bis Mai 2022 konnte die Bundesrepublik in diesem Jahr Anleihen im Volumen von über 60 Milliarden Euro mit einer negativen Rendite begeben – diese Zeit ist nun erstmal vorbei.

Die Zinswende ist auch für Anleger in der Schweiz wichtig: Denn im Euroraum will die Europäische Zentralbank am 21. Juli 2022 das erste Mal seit elf Jahren wieder ihren Leitzins erhöhen. Das bedeutet aber: Im sicheren Hafen des Euroraums ist wieder eine Rendite für Investoren erzielbar. Bis diese aber tatsächlich als realer Ertrag im Depot hängenbleibt, braucht es noch Zeit. Denn die Inflation ist derzeit noch viel zu hoch und der Kaufkraftverlust kann noch nicht von den Kupons, die auf sicheren Staatsanleihen stehen, ausgeglichen werden. Doch der Aufwärtsdruck auf die Teuerung wird über die Zeit wieder geringer werden und sich im nächsten Jahr abschwächen.

Kreditrisiko wird wieder wichtiger

Die Aussichten sehen für Anleihenanleger heute damit deutlich besser aus als noch vor wenigen Monaten. Der Markt – und damit die aktuellen Renditen – preist bereits mehrere Zinserhöhungen ein. Damit ist das Risiko, dass die Kurse der Staatsanleihen nach dem grössten Kursrutsch seit Jahrzehnten in vergleichbarem Tempo weiter fallen, eher gering. Die Wirtschaft in Europa leidet ja auch unter der Inflation und das Wachstum schwächt sich gerade deutlich ab, auch wegen der anhaltend hohen Energiepreise als Folge des Ukraine-Kriegs. Das bedeutet: Perspektivisch dürfte auch der Druck auf die EZB abnehmen, die Zinsen weiter anzuheben. Nicht nur das konjunkturelle Umfeld und das Bedürfnis nach einer sicheren Anlage dürfte dann dazu führen, dass die Anleger wieder beherzter bei Staatsanleihen zugreifen und die Kurse nicht ins Bodenlose fallen. Auch die höheren Kupons locken Investoren zurück in den Markt, was die Kurse stützen sollte – obwohl die EZB ihre Staatsanleihekäufe einstellt.

Perspektivisch haben damit sichere Häfen an den Anleihemärkten nach einer schwierigen und entbehrungsreichen Übergangszeit wieder bessere Aussichten. Noch höhere Renditen finden sich in der europäischen Peripherie – dort sind aber auch die Risiken höher. Anleger sollten nicht vergessen, dass eine höhere Rendite im Euroraum eben nicht zum Nulltarif gibt. Die Kehrseite der Medaille von steigenden Renditen sind steigende Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen. Das Kreditrisiko wird also als Entscheidungsgrösse bei Anlagen wieder wichtiger.

Renditen von über drei Prozent

Gerade in einem Umfeld schwacher Wirtschaftsleistung werden die Anleger kritischer hinschauen, wer seine Kreditzinsen besser und wer sie schlechter bedienen kann. Hier steht Deutschland nach wie vor in einer vergleichsweise soliden Verfassung da. Auch wird die Europäische Union für eine grössere strategische Unabhängigkeit in der Energieversorgung und den grünen Umbau der Wirtschaft gar nicht umhin kommen, mehr Schulden aufzunehmen. Deutschland ist so gesehen in guter Gesellschaft. Aber für Länder mit einer höheren Schuldenquote wie etwa Italien könnten die Zeiten bald wieder rauer werden. Diese sind nach dem plangemässen Wegfall der EZB-Anleihekäufe am Markt auf sich selbst gestellt – hier können noch grössere Kursschwankungen folgen. Anleger, die also höhere Renditen in Staatsanleihen suchen, werden deshalb auch US-Treasuries in Betracht ziehen, wo zehnjährige Staatspapiere wieder über drei Prozent Rendite abwerfen.

Quelle: BondWorld


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