Wermuth Dieter Wermuth Asset Management

Wermuth AM : Teure Energie – gut für das Klima, katastrophal für die Armen

  • Home
  • Marktanalyse
  • Wermuth AM : Teure Energie – gut für das Klima, katastrophal für die Armen
Wermuth AM : Im Vergleich zum Vorjahr waren die Preise für Haushaltsstrom zuletzt etwa 15% höher, die für Heizung waren um 35% gestiegen, und die für Benzin und Diesel um 30%.

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


Von Dieter Wermuth, Economist und Partner bei Wermuth Asset Management


Im Vergleich zum Vorjahr waren die Preise für Haushaltsstrom zuletzt etwa 15% höher, die für Heizung waren um 35% gestiegen, und die für Benzin und Diesel um 30%. Das sollte 2022 zu einem scharfen Rückgang der CO2-Emissionen führen. Wer das Klima retten will, muss Erdölprodukte, Gas und Kohle stark verteuern, denn nichts ist so wirksam wie hohe Preise. Was wir gerade bei den Energiepreisen erleben, ist daher genau das was wir brauchen, wenn wir das Pariser 1,5 Grad-Ziel erreichen wollen. Wir haben es bekanntlich nur noch mit einem sehr kleinen Restbudget an künftigen CO2-Emissionen zu tun: Um damit auszukommen, müssen wir den Verbrauch an fossilen Energien ab sofort drastisch einschränken.

Der Krieg in der Ukraine hat zu deutlichen Steigerungen bei den Energiepreisen geführt. Der Effekt auf das Klima ist ähnlich positiv wie ein politisch gewollter deutlicher Anstieg der Preise für Emissionsrechte, verbunden mit einer raschen Abschaffung der frei zugeteilten Zertifikate für energieintensive Unternehmen und Zöllen auf Produkte aus Ländern mit einer laxeren Umweltpolitik. Ein solch radikales Vorgehen hat aber den Nachteil, dass das nach den verteuerten Energieausgaben verbleibende Einkommen von immer mehr einkommensschwache Haushalten unter die Armutsschwelle sinkt. Ohne finanzielle Ausgleichsmaßnahmen wird es nicht gehen. Wer das Klima retten und Wahlen gewinnen will, muss dafür sorgen, dass es dabei gerecht zugeht.

21-03-22 Wermuth AM

Die Tabelle zeigt, dass die Menschen im unteren Zehntel der deutschen Einkommenspyramide im Jahr 2014 18,6% ihres Nettoeinkommens (von durchschnittlich €681 pro Monat) für Strom, Heizung und Benzin ausgaben. Erhöhen sich deren Preise um, sagen wir, 50%, steigt ihr Anteil auf 27,9%. Hatten sie vorher für andere Güter und Dienstleistungen €554 pro Monat zur Verfügung, sind es nach dem Preisanstieg für Energie nur noch €491. Das entspricht einem Rückgang ihres verfügbaren Einkommens um 11,4%, eine Katastrophe und ein Rezept für eine tiefe Rezession.

Die oberen 10% der Einkommensbezieher können den Preisanstieg, wie nicht anders zu erwarten, viel leichter wegstecken, da die Ausgaben für Energie nur einen Anteil von 4,9% an ihrem Nettoeinkommen haben. Die hier verwendeten Zahlen beziehen sich zwar auf das Jahr 2014 – neuere gibt es nicht –, aber an den Einkommensunterschieden zwischen Arm und Reich dürfte sich, relativ gesehen, in der Zwischenzeit kaum etwas geändert haben. Die Strukturen einer Volkswirtschaft sind erfahrungsgemäß sehr stabil. Allerdings dürften die Einkommen, in Euro gerechnet, heute knapp 20% höher sein als damals. Auch die Armutsschwelle dürfte um etwa so viel gestiegen sein.

Über das richtige Vorgehen bei der Lösung der sozialen Frage, die mit der starken Verteuerung der Energie einhergeht, wird zurzeit heftig gestritten. Ich plädiere dafür, dass der Staat für jede Art von CO2-Emission einen hohen Eurobetrag kassiert und diese Einnahmen auf pro-Kopf-Basis rückverteilt, über die Finanzämter, die Sozialversicherungen oder vielleicht sogar über Konten, die alle Bürger bei der Bundesbank unterhalten sollten.

Quelle: BondWorld


Newsletter
Ich habe gelesen
Privacy & Cookies Policy
und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.
ETFWorld

Newsletter investmentworld.ch

Ich habe gelesen
Privacy & Cookies Policy
und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.