{"id":10700,"date":"2022-03-31T11:13:14","date_gmt":"2022-03-31T09:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=10700"},"modified":"2022-03-31T11:14:48","modified_gmt":"2022-03-31T09:14:48","slug":"union-investment-ukraine-krieg-droht-deutschland-eine-stagflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/union-investment-ukraine-krieg-droht-deutschland-eine-stagflation\/","title":{"rendered":"Union Investment: Ukraine-Krieg &#8211; droht Deutschland eine Stagflation?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Union Investment: Der 24. Februar 2022 hat die Welt ver\u00e4ndert. Es herrscht Krieg in Europa.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Dr. J\u00f6rg Zeuner, Chef\u00f6konom, Union Investment<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Politisch und wirtschaftlich stellt die westliche Welt die Weichen neu \u2013 vor allem Europa. Das erkl\u00e4rte Ziel: dauerhaft die Abh\u00e4ngigkeit von Russland zu reduzieren. Die Sanktionen sind wohldosiert und unter den Staaten abgestimmt. Das gilt f\u00fcr das Einfrieren der russischen W\u00e4hrungsreserven ebenso wie f\u00fcr den Versuch, den Energiesektor zu isolieren. Der Westen ist auf dem richtigen Weg. Doch welche Auswirkungen wird dieser Kurs auf Konjunktur, Inflation und Zinsen haben? Ein Ausblick.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Private Haushalte tragen die Hauptlast der wirtschaftlichen Konsequenzen<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der weitgehende Ausschluss Russlands \u2013 und auch der Ukraine \u2013 aus dem weltweiten Wirtschafts- und Geldkreislauf f\u00fchrte innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu massiven Bewegungen an den Kapitalm\u00e4rkten. Doch die Hauptlast der wirtschaftlichen Konsequenzen dieses Krieges tragen die privaten Haushalte \u00fcber gestiegene Energie- und Verbraucherpreise. Staatliche Hilfsprogramme, \u00e4hnlich wie in der Corona-Krise, sollen die Auswirkungen abmildern. So wird etwa die deutsche Regierung die Bev\u00f6lkerung mit rund 15 Milliarden Euro unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d6konomisch ist das richtig. Aufgrund der h\u00f6heren Energiepreise wird Deutschland in diesem Jahr deutlich mehr f\u00fcr Energieimporte zahlen als die sonst \u00fcblichen zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auf den Konsum wirkt das wie eine Steuererh\u00f6hung. Wenn finanzielle Hilfspakete diese \u201eSteuererh\u00f6hung\u201c in die Zukunft schieben, mildert das den Bremseffekt auf die Konjunktur ab. Gehen die Staaten mit solchen Fiskalhilfen nicht zu weit, ist das zus\u00e4tzliche Inflationsrisiko begrenzt. Gefahr droht hier vielmehr von den Zweitrundeneffekten, weil die h\u00f6heren Energiekosten von Unternehmen an ihre Kunden weitergegeben werden und die L\u00f6hne perspektivisch schneller steigen d\u00fcrften. F\u00fcr die Notenbanken keine leichte Aufgabe, zwischen all diesen Effekten den richtigen Zinspfad zu finden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Steigende Energiepreise belasten vor\u00fcbergehend das Wirtschaftswachstum<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir gehen jedoch davon aus, dass die wirtschaftlichen Effekte des Krieges und der daraus folgenden Ma\u00dfnahmen kurzfristiger Natur sind und vor allem das laufende und das n\u00e4chste Jahr betreffen. Einerseits ist nicht mit einem kompletten Energieembargo zu rechnen. Die USA und Gro\u00dfbritannien stoppen \u00d6limporte aus Russland. Die Europ\u00e4ische Union plant ihrerseits, die Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie bis Ende des Jahres um zwei Drittel zu reduzieren. So d\u00fcrfte Russland die Eurozone vorerst weiter mit \u00d6l und vor allem Gas beliefern, wenn auch in reduziertem Umfang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits zeigen die Verhandlungen mit Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass auch Deutschland neue Wege geht, um die Energieversorgung zu sichern. Mit Norwegen soll ebenfalls die Zusammenarbeit im Energiesektor ausgebaut werden. All das braucht Investitionen. Die Aussicht auf entsprechende Auftr\u00e4ge und Gewinne stabilisiert die Kapitalm\u00e4rkte bereits heute trotz steigender Leitzinsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentlicher Faktor ist auch, dass es kaum Lieferketten in den USA und Europa gibt, die langfristig auf russische Vorprodukte angewiesen sind. Unternehmen finden schnell neue Einkaufs- und Absatzm\u00e4rkte, etwa in S\u00fcdamerika. Daher d\u00fcrfte die Konjunktur insgesamt robuster sein, als viele das im ersten Moment vermuten w\u00fcrden. Es bleiben die schmerzhaften Preisanstiege, die zun\u00e4chst anhalten und den Konsum deutlich einschr\u00e4nken werden. Der Aufschwung nach dem Corona-Lockdown wird dadurch zwar kr\u00e4ftig ausgebremst, aber mit einer Rezession ist in diesem Jahr derzeit nicht zu rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erwarten, dass die Inflation im Euroraum im Jahresdurchschnitt bei 6,4 Prozent liegen wird, bisher sind wir von 5,1 Prozent ausgegangen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) d\u00fcrfte gegen\u00fcber unserer bisherigen Prognose um rund einen Prozentpunkt auf etwa 2,8 Prozent absinken. De facto wird die europ\u00e4ische Wirtschaft in den verbleibenden Quartalen dieses Jahres nur noch geringf\u00fcgig wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den USA ergibt sich ein \u00e4hnliches Bild. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges sind dort allerdings geringer. Wir rechnen nun mit einem Plus beim BIP von 3,1 Prozent f\u00fcr 2022 und einer Inflation von etwa 7,3 Prozent im Jahresdurchschnitt. F\u00fcr 2023 sollte die Eurozone einen BIP-Anstieg von 2,5 Prozent und eine Inflationsrate von 2,4 Prozent vorweisen k\u00f6nnen. Das entspr\u00e4che einem deutlich ges\u00fcnderen Wachstums-Inflationsmix. Voraussetzung ist, dass der Krieg regional begrenzt bleibt und es zu keinem vollst\u00e4ndigen Gasembargo kommt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Notenbanken bleiben auf Normalisierungskurs<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum erwarten wir nur eine tempor\u00e4r hohe Inflation? Dazu ist ein Blick auf die Ursachen der aktuellen Preissteigerung n\u00f6tig. Sie speist sich aus zwei Quellen: Zum einen aus den Angebotsproblemen infolge der Corona-Krise sowie tats\u00e4chlichen und bef\u00fcrchteten Versorgungsengp\u00e4ssen durch den Krieg und den damit verbundenen Sanktionen. Zum anderen ist die volkswirtschaftliche Nachfrage infolge der Corona-Hilfen gerade in den USA sehr hoch. In Summe wirken beide Faktoren preistreibend. Gegen die zweite Ursache werden die Notenbanken aber vorgehen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat Mitte M\u00e4rz erstmals seit Jahren den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Wir rechnen f\u00fcr 2022 mit insgesamt sechs Zinsanhebungen und f\u00fcr 2023 mit zwei weiteren. Zudem wird die Fed sp\u00e4testens ab Juni 2022 ihre Bilanzsumme schrittweise verringern \u2013 die Geldpolitik wird also straffer und bremst die Nachfrage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Euroraum rechnen wir mit einem Ende der Anleiheank\u00e4ufe der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) sp\u00e4testens im September 2022. Damit w\u00e4re der Weg frei f\u00fcr die erste Leitzinsanhebung seit elfeinhalb Jahren, die wir f\u00fcr Dezember erwarten. Im Folgejahr d\u00fcrften drei weitere Zinsschritte folgen. Die Politik der Zentralbanken sollte jedoch wachstumsunterst\u00fctzend bleiben, weshalb sie ihre Ma\u00dfnahmen jederzeit anpassen d\u00fcrfte, sollte das notwendig werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund bef\u00fcrchten manche eine Stagflation, also ein sich abschw\u00e4chendes Wirtschaftswachstum oder eine Rezession, gepaart mit einer hohen Inflation. Dieses Szenario halten wir f\u00fcr unrealistisch. Die Situation ist eine andere als in den 1970er Jahren. Wir haben vor allem einen ganz anderen Arbeitsmarkt mit deutlich weniger tarifgebundenen Vertr\u00e4gen. Daher stehen in den n\u00e4chsten Jahren wohl eher Verteilungsfragen im Vordergrund, weil die Lohnentwicklung eben gerade nicht einen vollen Inflationsausgleich sicherstellt. Zudem d\u00fcrfte sich der von der Angebotsseite ausgehende Preisauftrieb mit der Normalisierung der Corona-Pandemie entspannen. Auch die knappen Energierohstoffe k\u00f6nnten schneller wieder zur Verf\u00fcgung stehen, als viele erwarten. Sei es durch zus\u00e4tzliches Schiefer\u00f6l aus den USA oder durch die Anstrengungen der westlichen Regierungen, neue Lieferpartner zu finden. Im Jahresverlauf sollten sich die Energiepreise daher nach und nach normalisieren. Und das wird sich dann auch in den volkswirtschaftlichen Daten zeigen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Fazit<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzfristig wirkt sich der Krieg in der Ukraine negativ auf Wachstum und Preisstabilit\u00e4t aus. Doch die Anpassungsbewegungen laufen bereits auf staatlicher Ebene. Die Unternehmen, allen voran der flexible deutsche Mittelstand, d\u00fcrften zeitnah nachziehen. Deshalb f\u00e4llt zwar der vor Kriegsbeginn erwartete deutliche Konjunkturaufschwung aus, mit einer Rezession oder einer anhaltenden Stagflation ist jedoch nicht zu rechnen. Das setzt allerdings voraus, dass es nicht zu einem vollst\u00e4ndigen \u00d6l- und vor allem Gasembargo kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Union Investment: Der 24. Februar 2022 hat die Welt ver\u00e4ndert. 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