{"id":11091,"date":"2022-05-17T11:45:21","date_gmt":"2022-05-17T09:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=11091"},"modified":"2022-05-17T11:47:21","modified_gmt":"2022-05-17T09:47:21","slug":"wermuth-am-der-krieg-ist-der-vater-aller-dinge-vieler-nicht-aller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wermuth-am-der-krieg-ist-der-vater-aller-dinge-vieler-nicht-aller\/","title":{"rendered":"Wermuth AM : Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Vieler! Nicht aller!"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">Wermuth AM : Herodots Behauptung trifft nur manchmal zu. Auch im Frieden ver\u00e4ndern sich die Dinge, wie zuletzt im Verlauf der Tech-Revolution, wegen des geringeren Handlungsdrucks nur meist nicht so schnell.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Dieter Wermuth, Economist und Partner bei Wermuth Asset Management<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Corona und vor allem durch den Krieg in der Ukraine hat der Strukturwandel jetzt erneut einen Zahn zugelegt. Fossile Brennstoffe haben sich stark verteuert, Importe aus Russland sollen durch alternative Energien \u201emade in the EU\u201c ersetzt und innerhalb k\u00fcrzester Zeit auf Null zur\u00fcckgefahren werden. Die Kriegsgefahr hat die Aufr\u00fcstung auf einmal zu einem Hauptthema gemacht, haushaltspolitische Bedenken sind \u00fcber Bord gegangen, der Wunsch nach Sicherheit schl\u00e4gt sparsames Haushalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die deutsche Wirtschaft ist der explosionsartige Anstieg der Einfuhrpreise das wichtigste Signal daf\u00fcr, wohin die Reise geht. Im Jahr von M\u00e4rz 2021 bis M\u00e4rz 2022 erh\u00f6hten sie sich um noch nie dagewesene 31%, seit dem Tief im April 2020 um nicht weniger als 43%. Etwa vierzig Jahre lang hatten sich die Importe zuvor per Saldo weder verteuert noch verbilligt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/17-05-22-Wermuth-Asset-Management.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11092 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/17-05-22-Wermuth-Asset-Management.png\" alt=\"17-05-22 Wermuth Asset Management\" width=\"650\" height=\"418\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/17-05-22-Wermuth-Asset-Management.png 650w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/17-05-22-Wermuth-Asset-Management-300x193.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich waren auch die Preise der deutschen Exporte in den vergangenen zwei Jahren kr\u00e4ftig gestiegen. Der Energiepreisschock hatte alle wichtigen Partnerl\u00e4nder getroffen (Ausnahmen: Japan, China und die Schweiz). Leider konnten die Ausfuhrpreise in diesen beiden Perioden im Durchschnitt \u201enur\u201c um 16% beziehungsweise 19% angehoben werden. Grunds\u00e4tzlich ist es lohnend, die Verkaufspreise (Exportpreise) m\u00f6glichst stark zu erh\u00f6hen, vor allem um mehr als die Einkaufspreise (Importpreise) gestiegen sind \u2013 solange es keine Probleme auf dem Arbeitsmarkt gibt. Das verbessert die Margen und damit die Gewinne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Relation zwischen den Indices f\u00fcr die Exportpreise und den Importpreisen sind die sogenannten Terms of Trade, also das Austauschverh\u00e4ltnis. Sinkt dieses, muss Deutschland mehr exportieren, um eine bestimmte Menge an Importen kaufen zu k\u00f6nnen \u2013 und vermindert damit das Realeinkommen im Inland. So w\u00fcnschenswert ein Anstieg der Terms of Trade ist, so gef\u00e4hrlich ist es f\u00fcr die eigene Konjunktur. Ein Anstieg der Terms of Trade verschlechtert die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Landes, ein R\u00fcckgang macht das Land wettbewerbsf\u00e4higer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt also, bis zum M\u00e4rz 2022, haben wir es im Vorjahresvergleich mit einem Einbruch der deutschen Terms of Trade um 11,5% zu tun \u2013 gesamtwirtschaftlich f\u00fchrt dies zu einem R\u00fcckgang der j\u00e4hrlichen deutschen Realeinkommen um etwa \u20ac30 Mrd., oder 0,82% des realen Bruttoinlandsprodukts. Deutsche Produkte haben sich an den Weltm\u00e4rkten relativ gesehen verbilligt, daf\u00fcr l\u00e4uft es aber nach wie vor am Arbeitsmarkt. Durch einen Krieg und die expansive Finanzpolitik, die meist damit einhergeht, steigt stets die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften. Zuletzt \u00fcbertraf die Anzahl der Besch\u00e4ftigten ihren Vorjahreswert hierzulande um 1,6% und erreichte den neuen Rekordwert von 45,5 Mio.: die Einkommen steigen langsamer, aber es gibt gen\u00fcgend Jobs. Nach den Zahlen der Genfer International Labor Organization (ILO) liegt die deutsche Arbeitslosenquote bei nur 3,1% (N\u00fcrnberg meldet 5,0%).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer, meist \u00fcbersehener Effekt der Inflation bei den fossilen Brennstoffen betrifft die Umwelt. Zum einen nimmt zurzeit die Nachfrage nach Gas und Erd\u00f6l zugunsten der erneuerbaren Energien ab, so dass weniger CO2 freigesetzt wird, zum anderen werden Investitionen in die Erneuerbaren immer attraktiver \u2013 durch Economies of Scale und technischen Fortschritt sinken die Produktionskosten von Strom, w\u00e4hrend gleichzeitig die Marktpreise f\u00fcr Strom deutlich steigen. Es ist, als ob eine sehr hohe CO2-Steuer eingef\u00fchrt worden sei. Wenn jetzt auch noch durch eine fl\u00e4chendeckende Installation von bi-direktionalen Ladestationen (auf der Basis der deutschen PKW-Flotte von mehr als 40 Mio.) das Speicherproblem gel\u00f6st w\u00fcrde, k\u00f6nnte die Energiewende fr\u00fcher gelingen als bisher erwartet. Aus \u201eFlatterstrom\u201c w\u00fcrde eine stetige und damit zuverl\u00e4ssige Einspeisung ins Netz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beschleunigte Energiewende ist offensichtlich gut f\u00fcr das Klima in Deutschland und in der EU, aber ist sie schlecht f\u00fcr Russland? Stimmt so nicht. Russland ist immer noch ein ziemlich armes Land, dessen Einkommen vorwiegend durch den Verkauf von Rohstoffen generiert wird. Die Folge dieser Abh\u00e4ngigkeit sind wilde Konjunkturzyklen und eine ungerechte Einkommensverteilung. Das nennt sich \u201ecommodity curse\u201c. Wenn Russland wegen des kommenden R\u00fcckgangs der Produktion und der Preise von fossilen Brennstoffen gezwungen w\u00fcrde, seine Wirtschaft auf eine breitere Basis zu stellen, w\u00fcrden sich diese Probleme fast von selbst l\u00f6sen \u2013 h\u00e4tte sich Russland nicht durch den Krieg gegen die Ukraine international vollkommen isoliert.<\/p>\n<div class=\"title is-4 is-\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"title is-0 \">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Quelle: BondWorld<\/span><\/p>\n<article class=\"article\"><\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wermuth AM : Herodots Behauptung trifft nur manchmal zu. 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