{"id":11689,"date":"2022-07-14T15:50:28","date_gmt":"2022-07-14T13:50:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=11689"},"modified":"2022-07-14T15:55:26","modified_gmt":"2022-07-14T13:55:26","slug":"union-investment-zu-staatsanleihen-droht-dem-euroraum-erneut-eine-schuldenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/union-investment-zu-staatsanleihen-droht-dem-euroraum-erneut-eine-schuldenkrise\/","title":{"rendered":"Union Investment zu Staatsanleihen: Droht dem Euroraum erneut eine Schuldenkrise?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Union Investment: Sind die Sorgen um die Tragf\u00e4higkeit der Staatsverschuldung berechtigt? Droht im Euroraum eine Wiederholung der Staatsschuldenkrise von 2011?<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Christian Kopf, Leiter Anleihenfondsmanagement und Mitglied des Union Investment Committee<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit zweieinhalb Jahren belasten unerwartete Ereignisse wie die Coronakrise oder der Krieg in der Ukraine zahlreiche Staatshaushalte. Zuletzt f\u00fchrte der geldpolitische Schwenk der Notenbanken zu Turbulenzen am Anleihenmarkt. Viele Marktteilnehmer bef\u00fcrchten nun, dass die Staatsverschuldung Italiens bei h\u00f6heren EZB-Leitzinsen ausser Kontrolle geraten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Inflationsschock und Zentralbanken sorgen f\u00fcr Turbulenzen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Umfeld ist schwierig. Zun\u00e4chst f\u00fchrte die Corona-Pandemie zu einem Einbruch des Steueraufkommens. Nur das beherzte Eingreifen der Fiskalpolitik konnte die Krise abmildern. Danach kam es zu Verwerfungen aufgrund des sprunghaften Anstiegs der Inflation, teilweise infolge eben dieser beherzten Fiskalpolitik. Der Krieg in der Ukraine hat die Sicherheitspolitik vieler Staaten ver\u00e4ndert und zieht eine betr\u00e4chtliche Erh\u00f6hung der Staatsausgaben nach sich. Zudem steht die geldpolitische Wende ins Haus: Die Zentralbanken planen, die Finanzierungbedingungen erheblich zu straffen. So haben die Notenbanken des Euroraums bereits die Zuk\u00e4ufe von Staatsanleihen vollst\u00e4ndig eingestellt. Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) bereitet das Ende der Negativzinsen vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den Kapitalm\u00e4rkten f\u00fchrte dieser geldpolitische Schwenk zu deutlich h\u00f6heren Renditen. Zum sprunghaften Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen kam es, nachdem EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde am 9. Juni 2022 \u00fcberraschend eine Verdoppelung des Tempos der Leitzinserh\u00f6hungen ab September in Aussicht gestellt hatte. Viele Marktteilnehmer bef\u00fcrchten, dass die Staatsverschuldung Italiens bei h\u00f6heren EZB-Leitzinsen ausser Kontrolle ger\u00e4t. Diese Sorge wegen m\u00f6glicher Marktverwerfungen wird offenbar geteilt: Wenige Tage nach den Ank\u00fcndigungen von Lagarde kam der EZB-Rat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Ein neuer Marktinterventionsmechanismus soll erarbeitet werden, um den Anstieg der Renditeaufschl\u00e4ge von Staatstiteln im Zaum zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kosten f\u00fcr Schulden r\u00fccken in den Fokus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den ersten Blick erscheinen die Sorgen um die Solidit\u00e4t der Staatsfinanzen gerechtfertigt. Die Salden der Staatshaushalte im Euroraum sind klar ins Minus ger\u00fcckt: Zu Beginn der Pandemie erzielten die Mitgliedsstaaten im Durchschnitt noch einen Haushalts\u00fcberschuss vor Zinszahlungen von einem knappen Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Mittlerweile ist dieser sogenannte \u201ePrim\u00e4rsaldo\u201c, der f\u00fcr die Schuldentragf\u00e4higkeit von entscheidender Bedeutung ist, auf ein Defizit von durchschnittlich drei Prozent des BIP gefallen. Mit durchschnittlich 95 Prozent des BIP liegt die Schuldenquote des Euroraums knapp zw\u00f6lf Prozentpunkte \u00fcber dem Wert von 2019. In Italien k\u00f6nnte die Staatsverschuldung dieses Jahr sogar 151 Prozent des BIP erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-1-Union-Investment.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11690 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-1-Union-Investment.png\" alt=\"14-07-22 1 Union Investment\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-1-Union-Investment.png 650w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-1-Union-Investment-300x168.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Anstieg der Staatsschuldenquote f\u00e4llt im Euroraum niedriger aus als in den USA, deren Schuldenquote seit 2019 laut Sch\u00e4tzungen des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) von 109 auf 126 Prozent des BIP gewachsen ist. Die Verschuldung des Euroraums ist zudem deutlich geringer als in Japan, wo die staatliche Schuldenquote dieses Jahr etwa 263 Prozent erreichen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist auch die Tragf\u00e4higkeit der Staatsverschuldung im Euroraum geringer, da sich die einzelnen Mitgliedsstaaten in einer W\u00e4hrung verschulden, die sie nicht kontrollieren. Die Zentralbanken im Euroraum werden Staatsanleihen nicht in unbeschr\u00e4nktem Ausmass erwerben, wie dies in den USA und Japan der Fall ist. Und Anleger am Kapitalmarkt k\u00f6nnen die Finanzierung einzelner Mitgliedsstaaten aussetzen, ohne ihr Kapital aus dem W\u00e4hrungsraum abziehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einer langsamen R\u00fcckf\u00fchrung der Haushaltsdefizite im Euroraum f\u00fchrt also kein Weg vorbei. Doch wird der Kapitalmarkt den Staaten f\u00fcr eine graduelle Haushaltskonsolidierung ausreichend Zeit einr\u00e4umen? Vieles spricht daf\u00fcr, wie ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt \u2013 denn die Bedingungen f\u00fcr einen nachhaltigen Anstieg der Schuldenquoten sind derzeit nicht gegeben. Das heisst auch: Staatsanleihen bieten im Vergleich zu anderen Anlageklassen immer noch eine hohe Sicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar sind im Vergleich zu der Zeit vor der Coronakrise die Schuldenquoten und Haushaltsdefizite angestiegen, was die Tragf\u00e4higkeit der Staatsverschuldung belastet. Allerdings haben sich andere Faktoren verbessert. Nach Jahren \u00e4usserst niedriger Marktrenditen, in denen sich die Staaten g\u00fcnstig verschulden konnten, ist der Durchschnittszins der umlaufenden Staatsanleihen deutlich gesunken \u2013 in Deutschland auf etwa 0,6 Prozent und in Italien auf etwa 2,0 Prozent. Dadurch hat der staatliche Schuldendienst in den entwickelten Volkswirtschaften historisch niedrige Niveaus erreicht. F\u00fcr Italien etwa machten die Zinsausgaben vor zwanzig Jahren noch 13 Prozent der Staatsausgaben aus. Dieses Jahr sind es trotz des deutlichen Anstiegs der Schuldenquote gerade einmal sechs Prozent.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-2-Union-Investment.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11691 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-2-Union-Investment.png\" alt=\"14-07-22 2 Union Investment\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-2-Union-Investment.png 650w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/14-07-22-2-Union-Investment-300x168.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Durchschnittszins der Staatsanleihen liegt mittlerweile in allen Industriel\u00e4ndern niedriger als das erwartete nominale Trendwachstum der Volkswirtschaften. F\u00fcr Italien erwartet der IWF etwa in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren aufgrund der hohen Inflation ein durchschnittliches nominales BIP-Wachstum von 3,5 Prozent. Wenn der Z\u00e4hler in der Schuldenquote (die Staatsverschuldung) nur um den Zinssatz von zwei Prozent ansteigt, der Nenner, also das nominale Bruttoinlandsprodukt, in den n\u00e4chsten Jahren aber um 3,5 Prozent w\u00e4chst, dann muss die Schuldenquote als Konsequenz fallen \u2013 solange der Staat keine hohen zus\u00e4tzlichen Schulden macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine h\u00f6here nominale BIP-Wachstumsrate sorgt zwar nicht f\u00fcr mehr Wohlstand, hilft aber den Staaten, ihre Schuldenquoten zu senken. Die Chancen daf\u00fcr stehen gut, denn die h\u00f6heren Marktrenditen werden sich erst sehr langsam in steigenden Durchschnittszinsen niederschlagen. In Italien liegt etwa die durchschnittliche Restlaufzeit der Staatsanleihen bei knapp acht Jahren. Es wird also jedes Jahr nur ein Achtel der umlaufenden Anleihen ersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die gute Seite der Inflation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In vielen L\u00e4ndern sollten die Schuldenquoten in den n\u00e4chsten Jahren schneller als erwartet fallen. Der Grund: Das nominale Trendwachstum der Wirtschaft ist aufgrund h\u00f6herer Inflationsraten schneller gestiegen als die durchschnittliche Verzinsung der Staatsschulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies setzt voraus, dass die Regierungen tats\u00e4chlich ihre Haushaltsdefizite moderat zur\u00fcckf\u00fchren. Ein Beispiel ist Portugal: Das Land hat das Ziel eines soliden Staatshaushaltes bereits vor der Pandemie verfolgt. Im Jahr 2012 lag die Staatschuldenquote mit 129 Prozent des BIP h\u00f6her als in Italien. Zehn Jahre sp\u00e4ter liegt sie trotz Pandemiefolgen bei 121 Prozent, und der Pfad zeigt st\u00e4rker nach unten als in vielen anderen L\u00e4ndern (auch Deutschland). Portugal profitiert von dieser Disziplin. Der Risikoaufschlag portugiesischer Staatspapiere liegt seit 2018 deutlich unter dem italienischer Titel. Auch dank dieser g\u00fcnstigen Finanzierungsbedingungen hat die Haushaltsdisziplin Portugals dem realen Wirtschaftswachstum nicht geschadet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Deutlich robustere Staatsfinanzen als vor zehn Jahren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt deutet wenig auf eine Wiederholung der Eurozonenkrise von 2011 hin, auch wenn die EZB den Kurs der geldpolitischen Normalisierung weiterverfolgt. Der Schuldendienst der Mitgliedsstaaten des Euroraums hat trotz steigender Schuldenquoten ein historisch niedriges Niveau erreicht. Die Zinskosten d\u00fcrften in Zukunft h\u00f6her ausfallen. Doch der Schuldendienst wird durch die langen Restlaufzeiten der umlaufenden Anleihen nur sehr langsam steigen. Wegen des hohen nominalen Wachstums der Volkswirtschaften sollten die Schuldenquoten in den n\u00e4chsten Jahren eher fallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings bestehen politische Risiken. Dazu z\u00e4hlt in Italien die m\u00f6gliche Abl\u00f6sung der am Kapitalmarkt gesch\u00e4tzten Regierung Draghi bei den n\u00e4chsten Parlamentswahlen. Ebenso z\u00e4hlt auch ein fehlender sozialer Konsens dazu, der die m\u00f6gliche Konsolidierung der Staatsfinanzen verz\u00f6gert. Und sicher auch ein flatterhafter und manchmal zu wenig liquider Kapitalmarkt im Euroraum. Doch in der Summe sind die Staatsfinanzen im Euroraum deutlich robuster als noch vor zehn Jahren. Mit dem Europ\u00e4ischen Stabilisierungsmechanismus (ESM) verf\u00fcgt der Euroraum \u00fcber ein glaubw\u00fcrdiges Verfahren, das im Fall der F\u00e4lle einem selbstverst\u00e4rkenden Anstieg der Risikopr\u00e4mien entgegenwirken kann. Hinzu kommen Wachstumsimpulse aus dem Wiederaufbaufonds (NGEU). Festhalten l\u00e4sst sich: Die Zeit des billigen Geldes geht wohl vorbei, und Italien wird nach aktuellem Stand einen leichten Prim\u00e4r\u00fcberschuss im Staatshaushalt erreichen und beibehalten m\u00fcssen, um das Vertrauen der Anleger zu stabilisieren. Das Beispiel Portugals zeigt aber, dass dies m\u00f6glich ist und zum wirtschaftlichen Erfolg beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Union Investment: Sind die Sorgen um die Tragf\u00e4higkeit der Staatsverschuldung berechtigt? 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