{"id":11807,"date":"2022-07-26T19:52:05","date_gmt":"2022-07-26T17:52:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=11807"},"modified":"2022-07-26T19:53:41","modified_gmt":"2022-07-26T17:53:41","slug":"wermuth-am-der-euro-eine-weichwaehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wermuth-am-der-euro-eine-weichwaehrung\/","title":{"rendered":"Wermuth AM : Der Euro \u2013 eine Weichw\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">Wermuth AM : Vor zehn Jahren betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt Eurolands pro Kopf 29.230 Euro, das der USA 40.190 Euro.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Dieter Wermuth, Economist und Partner bei Wermuth Asset Management<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zurzeit sind es in der W\u00e4hrungsunion 37.160 Euro, in Amerika 71.840 Euro. Zwar hat sich das europ\u00e4ische pro-Kopf-BIP in diesem Zeitraum um 27 Prozent erh\u00f6ht, das amerikanische dagegen, in Euro, um 79 Prozent. Relativ gesehen ist Europa \u00e4rmer geworden, kann sich f\u00fcr seine W\u00e4hrung weniger kaufen. F\u00fcr viele, vor allem hochqualifizierte und talentierte Europ\u00e4er ist der Anreiz inzwischen sehr stark, in die USA auszuwandern (oder in die Schweiz), es kommt zu einem sogenannten Brain Drain, der die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit unseres Kontinents beeintr\u00e4chtigt. Importe haben sich deutlich mehr verteuert als Exporte. Der Hauptgrund f\u00fcr beides: der schwache Euro.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/26-07-22-Wermuth-AM.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11810 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/26-07-22-Wermuth-AM.png\" alt=\"26-07-22 Wermuth AM\" width=\"590\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/26-07-22-Wermuth-AM.png 590w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/26-07-22-Wermuth-AM-300x168.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wie konnte es dazu kommen? <\/strong>In der Vergangenheit wertete eine W\u00e4hrung tendenziell auf, wenn die Leistungsbilanz einen \u00dcberschuss aufwies, denn das bedeutete, dass die Nachfrage nach der W\u00e4hrung aus dieser Quelle gr\u00f6\u00dfer war als das Angebot. Das Argument mag auch heute noch gelten, hat aber offenbar an Kraft verloren: Euroland hat seit langer Zeit einen \u00dcberschuss, die USA dagegen seit gef\u00fchlt ewigen Zeiten ein Defizit. Die Leistungsbilanzsalden spielen keine Rolle mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dito die Situation bei den Staatsfinanzen. Je gr\u00f6\u00dfer das Defizit, je h\u00f6her die staatlichen Schulden, desto weniger solide die Finanzpolitik. Wenn ein Land es mit dem Schuldenmachen nicht so genau nimmt, folgern die Teilnehmer an den Devisenm\u00e4rkten, dass es \u00fcber kurz oder lang versuchen wird, sie durch Monetisierung zu entwerten, also zu Lasten derer, die Verm\u00f6gen in dieser W\u00e4hrung halten. Dadurch entsteht ein Verkaufsdruck, der zu einer Abwertung f\u00fchrt. Stimmt auch nicht mehr: Im Durchschnitt betrug das aggregierte staatliche Haushaltsdefizit Eurolands seit Beginn der Coronakrise 5,2% des BIP, in den USA 10,6% (jeweils einschlie\u00dflich eines Sch\u00e4tzwerts f\u00fcr 2022). Nach Rechnungen des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) waren \u2013 und sind \u2013 auch die gesamtstaatlichen Schulden in Relation zum BIP in den USA deutlich h\u00f6her als im Euroland: aktuell 126% zu 95%. Trotzdem beeindruckt auch das die Devisenm\u00e4rkte nicht. Unsolide Staatsfinanzen werden trotz dieser Zahlen eher den L\u00e4ndern des Euroraums unterstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem ist nat\u00fcrlich, dass die USA ein Staat sind, mit einheitlicher Fiskalpolitik und einem gewaltigen milit\u00e4rischen Apparat, w\u00e4hrend die W\u00e4hrungsunion nur ein Verbund von &#8211; in Kernkompetenzen autonomer &#8211; Staaten ist. Dass sie stets zusammenhalten, durch Dick und D\u00fcnn, ist keineswegs ausgemacht, wie sich gerade wieder im neuen italienischen Wahlkampf zeigt, und auch vor Kurzem im franz\u00f6sischen, oder bei den Alleing\u00e4ngen und Erpressungsversuchen von Ungarn und Polen. Wenn es ernst wird, m\u00fcssen die USA zu Hilfe kommen. Kaum ein Anleger scheint zu erwarten, dass Westeuropa einem russischen Angriff auf die baltischen Staaten standhalten kann. Sie werden daher ihr Geld lieber in Dollar als in Euro halten, obwohl die Inflationsaussichten von der Lohnentwicklung her in den USA deutlich schlechter sind als im Euroland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt, dass die amerikanische Zentralbank viel entschlossener gegen die Inflation vorgeht als die EZB, also die Zinsen fr\u00fcher und st\u00e4rker angehoben hat. Das mag in einer Rezession enden, aber da es am Arbeitsmarkt weiterhin hervorragend l\u00e4uft, l\u00e4sst sich die Fed nur wenig von dieser Aussicht schrecken. Die US-Leitzinsen d\u00fcrften noch in diesem Jahr auf etwa 3% steigen und damit das europ\u00e4ische Niveau weiterhin \u2013 und um immer mehr \u2013 \u00fcbertreffen. Am amerikanischen Geldmarkt l\u00e4sst sich mehr Geld verdienen, vor allem in nominaler, weniger in realer Rechnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem ist die Reputation der EZB nicht sonderlich gut: Sie verh\u00e4lt sich nicht, wie man es erwarten sollte, marktneutral, sondern betreibt nebenbei Strukturpolitik, die eigentlich in das Ressort anderer staatlichen Institutionen geh\u00f6rt, indem sie beispielsweise \u201egr\u00fcne\u201c Wertpapiere beim \u201equantitative easing\u201c gegen\u00fcber anderen bevorzugt, neuerdings direkt Einfluss nimmt auf die Renditespreads von Anleihen unterschiedlicher Provenienz (L\u00e4nder), oder Banken daf\u00fcr belohnt, wenn sie ihre Kreditvergabe \u00fcber gewisse Mindestwerte hinaus erh\u00f6hen. Dass sie viele Monate lang verk\u00fcndet, sie werde die Leitzinsen in diesem Juli um 25 Basispunkte erh\u00f6hen, sie aber stattdessen um 50 anhebt, hat ihren Ruf nicht gerade verbessert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcssen wir uns ernsthaft Sorgen um den schwachen Euro machen? Grunds\u00e4tzlich ist eine starke W\u00e4hrung etwas W\u00fcnschenswertes, weil sie die Kaufkraft verbessert und die Wirtschaftsstruktur in Richtung solcher Produkte und Dienstleistungen ver\u00e4ndert, die sich trotz hoher Kosten und Preise verkaufen lassen, was wiederum hohe Einkommen garantiert. Auf Dauer lohnt es nicht, ein Billiganbieter zu sein. Nach Rezessionen oder in der Fr\u00fchphase der wirtschaftlichen Entwicklung n\u00fctzen unterbewertete W\u00e4hrungen, wie zum Beispiel in Deutschland nach dem Krieg. Aber wenn bereits ein gro\u00dfer Kapitalstock vorhanden ist und die Erwerbsbev\u00f6lkerung gut ausgebildet und motiviert ist \u2013 und de facto Vollbesch\u00e4ftigung herrscht -, macht es keinen Sinn, seine Produkte und Dienstleistungen gewisserma\u00dfen zu verschleudern. Ein fester Wechselkurs bedeutet, sein Angebot st\u00e4ndig verbessern zu m\u00fcssen. Ein solches Angebot schafft seine eigene Nachfrage \u2013 es etabliert Trends und l\u00e4uft dem Markt voraus, statt ihm mit Billigprodukten hinterher zu hecheln. Mit anderen Worten: Auf Dauer bringt ein schwacher Euro nichts. Dies ist, wie der Leser und die Leserin gemerkt haben wird, ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr rascher steigende europ\u00e4ische Leitzinsen und eine Aufwertung des Euro.<\/p>\n<div class=\"title is-4 is-\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"title is-0 \">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Quelle: BondWorld<\/span><\/p>\n<article class=\"article\"><\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wermuth AM : Vor zehn Jahren betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt Eurolands pro Kopf 29.230 Euro, das der USA 40.190 Euro.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":10340,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[128],"tags":[214,213],"class_list":["post-11807","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-makroanalyse","tag-wermuth-am","tag-wermuth-asset-management"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11807"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11811,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11807\/revisions\/11811"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}