{"id":12252,"date":"2022-09-09T16:07:58","date_gmt":"2022-09-09T14:07:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=12252"},"modified":"2022-09-09T16:08:25","modified_gmt":"2022-09-09T14:08:25","slug":"union-investment-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/union-investment-italien\/","title":{"rendered":"Union Investment: Italien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Italien: Ausgabenpolitik der neuen Regierung wird Lackmustest<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Marco Weber, Senior Economist, Union Investment<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Italien w\u00e4hlt am 25. September 2022 eine neue Regierung. Ein Sieg des rechten Parteienb\u00fcndnisses erscheint so gut wie sicher. F\u00fcr den Kapitalmarkt ist mit moderaten Risiken rund um den Wahltermin zu rechnen. Allerdings sehen die Fiskalpl\u00e4ne des Rechtsb\u00fcndnisses hohe Ausgaben vor, was k\u00fcnftig zu Spannungen zwischen Rom und Br\u00fcssel f\u00fchren d\u00fcrfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 25. September 2022 w\u00e4hlt Italien eine neue Regierung \u2013 es wird die 132. in 162 Jahren werden. Ein Sieg des rechten Parteienb\u00fcndnisses unter F\u00fchrung von Giorgia Meloni ist so gut wie sicher. Meloni ist Vorsitzende der postfaschistischen Partei Fratelli d\u2019Italia (Br\u00fcder Italiens, FdI). Hinzu k\u00e4men Matteo Salvinis nationalpopulistische Lega und Forza Italia, die Partei des ehemaligen italienischen Ministerpr\u00e4sidenten Silvio Berlusconi. Die guten Chancen des rechten Parteienb\u00fcndnisses basieren zum einen auf den Umfragen: Mit einem Stimmenanteil von gut 40 Prozent k\u00f6nnen die drei Parteien einen Grossteil der W\u00e4hlerschaft auf sich vereinen. Zum anderen spielt Meloni das Wahlsystem in die Karten: Eine Mischung aus Verh\u00e4ltnis- und Mehrheitswahl bevorzugt B\u00fcndnisse gegen\u00fcber einzeln antretenden Parteien. Und mit Ausnahme der rechten Parteien war keine Partei in der Lage, ein schlagkr\u00e4ftiges B\u00fcndnis zu bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Politische Risiken begrenzt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz des voraussichtlichen Siegs des rechten Parteienb\u00fcndnisses sind die politischen Risiken unmittelbar nach der Wahl begrenzt. Anders als bei den Parlamentswahlen im M\u00e4rz 2018 f\u00fchrt die italienische Rechte keinen explizit anti-europ\u00e4ischen Wahlkampf. Vielmehr ist im Wahlmanifest das Bekenntnis zu lesen, dass Italien Teil der Europ\u00e4ischen Union (EU) und der transatlantischen Allianz sei. Ebenso betonen die Parteien ihre Solidarit\u00e4t mit der Ukraine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit politischen Wirrungen ist vor allem in der mittleren Frist zu rechnen, da das rechte Parteienb\u00fcndnis mit teuren Wahlversprechen antritt. Dazu geh\u00f6ren das Bekenntnis zu niedrigeren Steuern, zu einem niedrigeren Renteneintrittsalter oder zu h\u00f6heren Pensionen. Die Verwirklichung dieser Wahlkampfversprechen w\u00fcrde zu einer Erh\u00f6hung der bereits hohen italienischen Staatsschulden \u2013 die Schuldenquote liegt derzeit bei rund 150 Prozent \u2013 f\u00fchren. Sp\u00e4testens, wenn im Fr\u00fchjahr des kommenden Jahres die dreij\u00e4hrigen Haushaltspl\u00e4ne bei der Europ\u00e4ischen Kommission eingereicht werden m\u00fcssen und ab dem Jahr 2024 der Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt wieder Geltung entfaltet, ist mit zunehmenden Spannungen zwischen Rom und Br\u00fcssel zu rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anleger sind deshalb hinsichtlich der Entwicklung des Staatshaushalts und der Auswirkungen auf die Schuldentragf\u00e4higkeit Italiens besorgt. Dies nicht nur wegen m\u00f6glicherweise steigenden Ausgaben einer neuen Regierung, sondern auch vor dem Hintergrund einer strafferen Geldpolitik \u2013 die \u00d6konomen von Union Investment gehen von einem Zinsschritt von 75 Basispunkten (BP) auf der kommenden EZB-Sitzung am 8. September aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Moderater Aufw\u00e4rtsdruck bei Risikoaufschl\u00e4gen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Auseinanderbrechen der italienischen Regierungskoalition unter Ministerpr\u00e4sident Mario Draghi Mitte Juli haben sich die Risikoaufschl\u00e4ge (Spreads) von italienischen Staatsanleihen gegen\u00fcber deutschen Bundesanleihen zeitweise deutlich ausgeweitet. Im zehnj\u00e4hrigen Laufzeitenbereich betrug der Aufschlag per 5. September 2022 rund 240 Basispunkte. Im Jahr 2021 hatte der Spread zeitweise unter 100 BP gelegen, auf dem H\u00f6hepunkt der Euro-Schuldenkrise allerdings auch schon \u00fcber 500 BP.<br \/>\nDie Experten von Union Investment halten kurzfristig weiter steigende Renditen italienischer Staatsanleihen und damit auch leicht steigende Risikoaufschl\u00e4gen gegen\u00fcber deutschen Bundesanleihen f\u00fcr m\u00f6glich. Aufgrund der \u00fcberschaubaren politischen Risiken rund um den Wahltag selbst ist aber eher mit moderatem Aufw\u00e4rtsdruck zu rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt, dass die Tragf\u00e4higkeit der italienischen Staatsverschuldung aktuell nicht gef\u00e4hrdet ist: Der Schuldendienst Roms ist trotz steigender Schuldenquote auf ein historisch niedriges Niveau gefallen und wird dort auch bei steigenden Renditen am Prim\u00e4rmarkt erst einmal bleiben, weil jedes Jahr nur ein Achtel der umlaufenden Staatsanleihen ersetzt werden m\u00fcssen. Durch die h\u00f6here Inflation wird der Schuldenstand Roms relativ zum Bruttoinlandsprodukt wahrscheinlich auch bei h\u00f6heren Marktrenditen und schwachem Realwachstum im n\u00e4chsten Jahr stagnieren oder wom\u00f6glich sogar fallen. Auch wenn die Zeit des billigen Geldes nun vorbei ist, wird Italien mittelfristig nur einen geringen Prim\u00e4r\u00fcberschuss im Haushalt (Haushalts\u00fcberschuss vor Zinszahlungen) brauchen, um die Staatsverschuldung im Zaum zu halten. Dieser ist allerdings notwendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcberschaubarer Anpassungsbedarf<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Anpassungsbedarf der Staatsfinanzen ist jedoch \u00fcberschaubar, selbst wenn die Finanzierungskosten des Staates weiter steigen. Portugals Regierung hat gezeigt, wie eine solche Haushaltsanpassung m\u00f6glich ist. Der portugiesische Staat, die Unternehmen und Haushalte profitieren nun von niedrigeren und stabileren Finanzierungskosten. Dieser Weg steht auch Italien offen. Zentral wird die Frage sein, welche Ausgabenpolitik die neugew\u00e4hlte Regierung konkret verfolgen wird. Mangels Zeit wird der Haushalt 2023 \u00fcberwiegend noch die Handschrift des Mitte Juli zur\u00fcckgetretenen Ministerpr\u00e4sidenten Mario Draghis tragen. Und auch die im Dezember anstehende dritte Tranche in H\u00f6he von 19 Mrd. Euro aus dem Wiederaufbauplan (Next Generation EU) wird wohl an Italien ausgezahlt werden, auch wenn das Reform-Momentum in den letzten Monaten an Fahrt verloren hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch hier gilt, dass die wesentlichen Risiken nach dem Jahresende 2022 lauern: So fordert das rechte Parteienb\u00fcndnis, den mit der EU verhandelten nationalen Aufbau- und Resilienzplan neu zu verhandeln und an die neuen Begebenheiten nach Ausbruch des Ukraine-Krieges anzupassen. Die EU-Kommission steht einer solchen Pr\u00fcfung zwar grunds\u00e4tzlich offen gegen\u00fcber, jedoch ist der Ausgang dieses Prozesses v\u00f6llig offen. Hinzu kommt, dass sich vor allem Salvinis Lega bei bestimmten Reformmassnahmen querstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zumindest mittelfristig steht Italien damit vor einer Phase der Unsicherheit. Daher ist Union Investment bei italienischen Staatspapieren in den Multi-Asset-Allokation untergewichtet. Aktienseitig hat die Wahl in Italien nur indirekt m\u00f6gliche Auswirkungen, etwa \u00fcber die italienischen Banken, sowie den W\u00e4hrungskanal (schw\u00e4cherer Euro). Grosse Ansteckungsgefahr von Italien sehen die Experten von Union Investment jedoch nicht. Es handelt sich nicht um eine Krise der europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion, sondern allenfalls um ein Problem in Italien \u2013 und das ist hausgemacht. In der Summe sind die Staatsfinanzen im Euroraum deutlich robuster als noch vor zehn Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EZB wird sich daher durch die italienische Staatsverschuldung nicht von weiteren Leitzinsanpassungen abbringen lassen. Sie kann auch die F\u00e4lligkeiten aus dem Pandemie-Notfallprogramm PEPP flexibel anlegen und damit italienische Anleihen etwas bevorzugen. Dar\u00fcber hinaus besteht die M\u00f6glichkeit, dass die Notenbank ihr neu aufgelegtes Antifragmentierungsinstrument (Transmission Protection Instrument, TPI) zum Einsatz bringen und so die negativen, aus der italienischen Politik herr\u00fchrenden Kapitalmarkteffekte begrenzen k\u00f6nnte. Ein etwaiges Eingreifen ist aber an Bedingungen (\u201eKonditionalit\u00e4t\u201c) gekn\u00fcpft, wie etwa das Einhalten der unter Next Generation EU zugesicherten Verpflichtungen \u2013 und zwar unabh\u00e4ngig davon, wer in Rom k\u00fcnftig regiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Italien: Ausgabenpolitik der neuen Regierung wird Lackmustest<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":12254,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[128],"tags":[127],"class_list":["post-12252","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-makroanalyse","tag-union-investment"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12252"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12256,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12252\/revisions\/12256"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}