{"id":12460,"date":"2022-09-26T11:29:18","date_gmt":"2022-09-26T09:29:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=12460"},"modified":"2022-09-26T11:31:46","modified_gmt":"2022-09-26T09:31:46","slug":"union-investment-investitionsboom-treibt-us-wirtschaft-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/union-investment-investitionsboom-treibt-us-wirtschaft-an\/","title":{"rendered":"Union Investment : Investitionsboom treibt US-Wirtschaft an"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Nach kurzfristigen Rezessionstendenzen: Der Investitionsboom hebt US-Wirtschaft auf neuen Wachstumspfad. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Sandra Ebner, Senior Economist, Union Investment<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die US-Fiskalprogramme haben eine klare Lenkungswirkung, um strategisch wichtige Lieferketten ins Land zu holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeiten schwachen Wachstums sind vorbei: Diese These hatten wir bereits vor rund einem Jahr im Rahmen unseres White Paper Risikomanagement 2021 aufgestellt1. Die Ratio damals: Die Pandemie markiert den \u00dcbergang in ein neues Makroregime. Die Great Moderation \u2013 seit 1985 vorherrschend und gepr\u00e4gt durch geringe Wachstums- und Inflationsraten \u2013 ist Geschichte. Das neue, von uns Great Transformation getaufte, Regime wird unter anderem mehr Inflation, aber eben auch ein h\u00f6heres reales Wachstum mitbringen \u2013 insbesondere in den USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Krieg in der Ukraine sorgt zwar kurzfristig f\u00fcr Rezessionstendenzen \u2013 verantwortlich sind die Preisspr\u00fcnge, vor allem bei Energie. Grunds\u00e4tzlich zementiert er aber die Blockbildung in der Welt. Dies verst\u00e4rkt wiederum den wichtigsten Treiber f\u00fcr das von uns erwartete, h\u00f6here Wachstum: ein langfristiger Investitionsboom, der von den Vereinigten Staaten ausgeht. In diesem Papier liefern wir Argumente f\u00fcr unsere Erwartungen und unterziehen unsere These einem Realit\u00e4tscheck. Gibt es bereits Anzeichen f\u00fcr steigende Investitionen von US-Unternehmen? Welche Rolle spielt der Staat mit seinen vielf\u00e4ltigen Investitionsanreizen? Und: Sehen wir diesen Investitionsboom auch in Europa?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Boom<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir st\u00fctzen unsere These auf zwei Annahmen: Wir erwarten zum einen eine Restrukturierung globaler Lieferketten und zum anderen eine beschleunigte gr\u00fcne und digitale Transformation der Wirtschaft. Getrieben werden diese Ver\u00e4nderungen vor allem durch eine aktivere Rolle des Staats und die Neuordnung der globalen Wirtschaftsbeziehungen: Globalisierung und Just in time werden endg\u00fcltig durch Grossmacht-Wettbewerb und Just in case ersetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade bei strategisch wichtigen Lieferketten wie Halbleitern, Speichertechnologien und kritischen Mineralien greifen beide Entwicklungen zudem stark ineinander. Die Blockbildung und die Transformation werden mit gezielten Investitionen und Industriepolitik von staatlicher Seite vorangetrieben. F\u00fcr China gilt dies schon lange, inzwischen aber in erheblichem Ausmass auch f\u00fcr die USA. Das hat Folgen: Ein schier unersch\u00f6pflicher Pool an Arbeitskr\u00e4ften (Stichwort: Globalisierung) wird durch einen deutlich kleineren, lokalen ersetzt. Den dadurch steigenden Kosten wird mit Automatisierung begegnet. Das d\u00e4mpft nicht nur die Arbeitskr\u00e4fteknappheit, sondern hilft auch, mittelfristig die Preise im Zaum zu halten. Beide Entwicklungen \u2013 der Aufbau strategisch wichtiger Lieferketten im eigenen Land und der (forcierte) Ausbau von Automatisierungstechnologien \u2013 werden unserer Meinung nach die Haupttreiber des Investitionsbooms in den USA sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Staat legt den Grundstein<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch gibt es bereits Anzeichen f\u00fcr anziehende Investitionen? Die US-Regierung hat in dieser Hinsicht in jedem Fall ihre \u201eHausaufgaben\u201c gemacht. In den vergangenen zw\u00f6lf Monaten verabschiedete der Kongress drei umfangreiche Investitionspakete mit einem Gesamtvolumen von fast 1300 Milliarden US-Dollar. Die Ziele sind bekannt: die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der USA im Grossmacht-Wettbewerb mit China st\u00e4rken und den (gr\u00fcnen) Wandel beschleunigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zuletzt verabschiedete Inflation Reduction Act (Volumen: 433 Milliarden US-Dollar) soll Investitionen in Energiesicherheit und Massnahmen gegen den Klimawandel ankurbeln. Mit dem Chips and Science Act (Volumen: 280 Milliarden US-Dollar) wiederum soll die Produktion von Hightech-Chips im eigenen Land ausgebaut und die Forschung und Entwicklung von Zukunftstechnologien gest\u00e4rkt werden. Schliesslich fokussiert der Infrastructure Investment and Jobs Act (Volumen: 550 Milliarden US-Dollar) auf klassische Infrastrukturinvestitionen, wie etwa Strassen, Br\u00fccken und Schienen, aber auch die Ladeinfrastruktur von Elektroautos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Programmen handelt sich um eine Kombination aus Investitionsanreizen und klassischer Industriepolitik. Letztere war in den stark auf die Marktkr\u00e4fte vertrauenden USA lange Zeit verp\u00f6nt. Im Grossmacht-Wettbewerb wird sie aber zum legitimen Mittel. Durch finanzielle Anreize wird nun die Ansiedelung strategisch wichtiger Lieferketten im eigenen Land gef\u00f6rdert. Gleichzeitig sorgen Investitionsauflagen daf\u00fcr, dass dem Rivalen China der Zugang zu strategisch wichtigen Technologien und Komponenten verwehrt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dies in der Praxis funktionieren soll, zeigt das Beispiel Elektroauto: Der Inflation Reduction Act sieht grossz\u00fcgige F\u00f6rderungen f\u00fcr den Verkauf von E-Autos vor. Diese sind allerdings an Auflagen gekn\u00fcpft, die eine klare Lenkungswirkung entfalten sollen. Durch Preisgrenzen f\u00fcr die gef\u00f6rderten Fahrzeuge und Einkommensobergrenzen f\u00fcr die K\u00e4ufer werden gezielt Anreize f\u00fcr die Produktion g\u00fcnstigerer Modelle gesetzt. F\u00fcr die Hersteller ist dies ein klarer Auftrag, durch Forschung und Entwicklung sowie Skalierung die Preise f\u00fcr die Einstiegsmodelle g\u00fcnstiger zu gestalten, damit eine breitere Durchdringung auch mittlerer Einkommensschichten m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem wird der Kauf nur dann vom Staat gef\u00f6rdert, wenn die Fahrzeuge in Nordamerika gefertigt werden. Die Regierung verfolgt damit das Ziel, noch mehr Produktion im eigenen Land oder in der unmittelbaren N\u00e4he anzusiedeln (re- und friendshoring) und damit Abh\u00e4ngigkeiten vom Ausland zu verringern. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Batterie der E-Autos: Der Anteil dieses zentralen Bauteils, das in Nordamerika produziert werden muss, steigt von heute 50 Prozent sukzessive auf 100 Prozent im Jahr 2028. Dass die Anreize funktionieren zeigt sich etwa beim US-Autobauer Tesla. Nach aktuellen Medienberichten \u00fcberlegt das Unternehmen, ob es seine Batterieproduktion nun doch nicht nahe Berlin, sondern lieber in den USA aufbauen sollte. Neben den Subventionen spr\u00e4chen auch die niedrigeren Energiekosten f\u00fcr das Heimatland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Investitionst\u00e4tigkeit im Bereich strategisch wichtiger Lieferketten deutlich erh\u00f6ht<\/strong> Auftragseing\u00e4nge<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-1-Union-Investment.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12465\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-1-Union-Investment.png\" alt=\"26-09-22 1 Union Investment\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-1-Union-Investment.png 650w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-1-Union-Investment-300x168.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\">Quelle: U.S. Census Bureau, Macrobond, Union Investment; Stand: 30. Juni 2022. * saisonbereinigt<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vergleichbare Quotenanforderungen wie bei der Zellfertigung gibt es f\u00fcr die verwendeten kritischen Mineralien. Fahrzeuge, deren Batterien kritische Mineralien oder Batteriekomponenten von sogenannten foreign entities of concern (neben China unter anderem Russland und der Iran) enthalten, sind von den F\u00f6rderungen ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des Chips and Science Act soll mit staatlichen Subventionen die Ansiedlung von Chip-Fabriken angekurbelt werden. Diese strategisch wichtigen Komponenten sind nicht nur \u2013 aber auch \u2013 f\u00fcr E-Autos relevant. Hier sorgen ebenfalls Auflagen f\u00fcr eine entsprechende Lenkungswirkung: Unternehmen, die die F\u00f6rderung in Anspruch nehmen, verpflichten sich, in den n\u00e4chsten zehn Jahren keine Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr Hochleistungschips in China aufzubauen. So soll der Technologietransfer ins Reich der Mitte unterbunden werden. Gleichzeitig sorgen staatliche Zusch\u00fcsse daf\u00fcr, dass die Forschung und Entwicklung bei weiteren, strategisch wichtigen Zukunftstechnologien (K\u00fcnstliche Intelligenz, Speichertechnologien, Robotik, Quantum Computing) intensiviert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schliesslich soll als Teil des Infrastructure and Jobs Act die Ladeinfrastruktur f\u00fcr Elektroautos signifikant ausgeweitet werden, um die Akzeptanz und Verbreitung der E-Autos weiter zu beschleunigen. So hat am 14. September US-Pr\u00e4sident Joe Biden die Bereitstellung der ersten 900 Millionen US-Dollar an Finanzmitteln f\u00fcr den Bau von Ladestationen in 35 Bundesstaaten angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was machen die Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Staat bereitet also den Boden, doch \u00fcbersetzen sich die Anreize auch bereits in handfeste Investitionsvorhaben der Unternehmen? Klar ist: Mit Ausbruch der Pandemie ist die Nennung von zentralen Schlagworten wie onshoring, reshoring und nearshoring in Unternehmenspr\u00e4sentationen sprunghaft angestiegen. Und mit dem Ukraine-Krieg und den j\u00fcngsten Spannungen zwischen China auf der einen und Taiwan und den USA auf der anderen Seite, d\u00fcrfte das Thema weiter an Relevanz gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es zeigt sich, dass Unternehmen nicht nur reden, sondern auch konkret in die Umsetzung gehen \u2013 insbesondere in jenen Bereichen, die weithin als strategisch relevant eingestuft werden. Die Lobby-Organisation Reshoring Initiative versucht bereits seit 2010 Ank\u00fcndigungen von Produktionsr\u00fcckholungen und Direktinvestitionen in den USA im verarbeitenden Gewerbe systematisch nachzuverfolgen. Gemessen wird nicht die H\u00f6he der Investitionsvolumina, sondern die Zahl der dadurch geschaffenen Arbeitspl\u00e4tze. Im laufenden Jahr rechnet die Initiative mit einem Rekordwert von rund 350.000 Arbeitspl\u00e4tzen. Fast 40 Prozent davon entfallen auf jenen Sektor, der vor allem Batterien f\u00fcr Elektroautos umfasst. Vor der Pandemie waren es lediglich drei Prozent. Weitere knapp 25 Prozent entfallen auf die Bereiche Transportation Equipment (u.a. Elektroautos) und Computer &amp; Electronic Products (Halbleiter).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Best\u00e4tigungen f\u00fcr unsere These finden sich auch bei einem genauen Blick auf die gesamtwirtschaftliche Investitionst\u00e4tigkeit. Die Nettoinvestitionen in physisches Kapital haben sich nach dem Ausbruch der Pandemie nicht nur deutlich schneller erholt als nach anderen Krisen. Noch wichtiger: Unternehmen investieren auch einen h\u00f6heren Anteil ihrer operativen (Rekord-)Gewinne als in der gesamten Periode seit der Finanzkrise 2008\/2009.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geht man eine Stufe tiefer und fokussiert auf jene strategisch wichtigen Bereiche, in denen wir das Gros der Investitionst\u00e4tigkeit erwarten, finden sich weitere Belege. Bei den industriellen Ausr\u00fcstungsinvestitionen zeigt sich ein deutlich steilerer Trend als vor der Pandemie. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Auftragseing\u00e4nge von Industriemaschinen. Auch hier ist ein nachhaltiger Ausbruch aus der schwachen Entwicklung nach der Finanzkrise zu verzeichnen. Ein weiteres Indiz f\u00fcr die deutlich gestiegene physische Investitionst\u00e4tigkeit liefert der Blick auf die Entwicklung der Investitionen in den Bau von Industrieanlagen. Der deutliche Anstieg ist hier vor allem auf den Bereich Computer \/ Electronic &amp; Electrical zur\u00fcckzuf\u00fchren. Also genau jener Sektor, in dem ein Groddteil der strategisch wichtigen Produkte subsumiert wird. Werden diese Komponenten nun im Inland produziert, verk\u00fcrzt das die Lieferketten und macht sie insgesamt weniger anf\u00e4llig f\u00fcr externe Schocks. Der Ausblick bleibt angesichts der zahlreichen, bereits angek\u00fcndigten aber noch nicht begonnen, Investitionsprojekte stark.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Investitionst\u00e4tigkeit im Bereich strategisch wichtiger Lieferketten deutlich erh\u00f6ht Investitionen in Anlagenbau<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-2-Union-Investment.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12466\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-2-Union-Investment.png\" alt=\"26-09-22 2 Union Investment\" width=\"650\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-2-Union-Investment.png 650w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/26-09-22-2-Union-Investment-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\">Quelle: U.S. Census Bureau, Macrobond, Union Investment; Stand: 30. Juni 2022. ** saisonbereinigte Jahresrate<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schliesslich zeigt sich die Nachfrage nach Automatisierungstechnologien ebenfalls sehr robust. Ein Zustand, auf den auch die Fed regelm\u00e4ssig in ihrem Beige Book verweist. Die momentane zyklische Abschw\u00e4chung scheint der Investitionst\u00e4tigkeit in diesem Bereich keinen Abbruch zu tun. Bergr\u00fcndet wird die Entwicklung mit der kr\u00e4ftigen Lohnentwicklung und der generellen Enge am Arbeitsmarkt. Da wir auch in Zukunft von einem strukturell knapperen Arbeitsangebot ausgehen, rechnen wir hier ebenfalls mit einer nachhaltig dynamischeren Investitionst\u00e4tigkeit als in den vergangenen zwanzig Jahren. Hier bauen wir auf historische Zusammenh\u00e4nge, die erwarten lassen, dass h\u00f6here Lohnkosten \u00fcber die Zeit auch zu mehr Investitionen und h\u00f6herem Produktivit\u00e4tswachstum f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in allem sehen wir uns durch die Entwicklungen in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten in unserer These best\u00e4rkt, dass sich die USA am Beginn eines langfristigen Investitionsbooms befinden. Dieser sollte in den Vereinigten Staaten \u2013 nach der aktuellen Schw\u00e4chephase \u2013 auch wieder zu h\u00f6heren Wachstumsraten als in der Zeit nach der Finanzkriese f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andere Vorzeichen in Europa<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vergangenen Jahr hatten wir f\u00fcr Europa eine \u00e4hnliche Entwicklung vorhergesehen, wenngleich in deutlich abgeschw\u00e4chter Form. Der Krieg in der Ukraine und die dramatische Energiekrise, die dadurch hervorgerufen wurde, lassen uns jedoch f\u00fcr den Investitionsstandort Europa weniger optimistisch in die Zukunft blicken. Zwar werden umfangreiche Investitionen in den Ausbau der Energiesicherheit nun forciert. Das betrifft auch, aber nicht nur die Erneuerbaren Energien. Zu bef\u00fcrchten ist jedoch, dass durch die grossen Herausforderungen, die im Energiebereich zu bew\u00e4ltigen sind, andere Investitionen vor allem in den digitalen Wandel zur\u00fcckgestellt werden. W\u00e4hrend die USA also auf Wachstumsinvestitionen setzt, t\u00e4tigt Europa (notgedrungen) Ersatzinvestitionen \u2013 dadurch bleiben positive Zweitrundeneffekte gr\u00f6sstenteils aus, die von einer gesteigerten Produktivit\u00e4t ausgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Attraktivit\u00e4t Europas im Standortwettbewerb hat in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten gelitten. Zwar ist man integraler Bestandteil der US-Einflusssph\u00e4re und sollte folglich auch von Friendshoring-Investitionen profitieren. Es zeigt sich aber auch, dass die USA augenscheinlich mehr Interesse daran haben, in der Region Asien-Pazifik \u201eFreunde zu gewinnen\u201c. So erf\u00fcllen beispielsweise kritische Mineralien aus Australien die Auflagen des Inflation Reduction Acts, da zwischen beiden L\u00e4ndern ein bilaterales Handelsabkommen besteht. Und bei der sogenannten Chip 4 Alliance wollen die Vereinigten Staaten beim Thema Halbleiter noch enger mit Japan, Taiwan und S\u00fcdkorea zusammenarbeiten. Der geographische Fokus verwundert kaum: Zum einen sprechen die technologischen F\u00e4higkeiten sowie geringere Energie- und Lohnkosten f\u00fcr die Region. Zum anderen macht die Nachbarschaft zum strategischen Rivalen China \u2013 und damit das Herausl\u00f6sen der L\u00e4nder aus dessen Einflusssph\u00e4re \u2013 eine weitere Ann\u00e4herung an diese Staaten attraktiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So k\u00f6nnten europ\u00e4ische Unternehmen zwar durchaus am von uns erwarteten \u2013 in den USA ausgel\u00f6sten \u2013 Investitionsboom teilhaben. N\u00e4mlich dann, wenn sie von den beschriebenen Anreizen in den USA oder anderen befreundeten L\u00e4ndern profitieren. Zu nennen sind etwa deutsche Autohersteller und Maschinenbauer mit Produktion in oder nahe der USA. F\u00fcr den Investitionsstandort Europa sind wir allerdings weniger optimistisch. Auch hier werden die fiskalpolitischen Stimuli zwar zunehmen. Allerdings stehen dabei zun\u00e4chst klar die akute Krisenbek\u00e4mpfung und weniger strategische \u00dcberlegungen und das mittelfristige Wachstumspotenzial im Vordergrund. Europa adressiert grunds\u00e4tzlich \u00e4hnliche Themen wie die USA, aber ohne die dazugeh\u00f6rigen staatlichen Investitionsvolumina. So setzt man hierzulande eher darauf, Kapital aus der Privatwirtschaft zu mobilisieren, w\u00e4hrend die US-Regierung eigenes Geld in die Hand nimmt \u2013 mit entsprechend deutlich direkterer Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">1White Paper Risikomanagement 2021: Investmentwelt post Corona: Ein neues Drehbuch f\u00fcr Portfolios?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach kurzfristigen Rezessionstendenzen: Der Investitionsboom hebt US-Wirtschaft auf neuen Wachstumspfad.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":12462,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[128],"tags":[237,127],"class_list":["post-12460","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-makroanalyse","tag-sandra-ebner","tag-union-investment"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12460"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12467,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12460\/revisions\/12467"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}