{"id":13347,"date":"2022-11-29T12:02:57","date_gmt":"2022-11-29T11:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=13347"},"modified":"2022-11-29T12:04:16","modified_gmt":"2022-11-29T11:04:16","slug":"wermuth-am-das-ende-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wermuth-am-das-ende-des-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Wermuth AM : Das Ende des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">Wermuth AM : Vor 50 Jahren erschien das Buch \u201eLimits to Growth\u201c (Grenzen des Wachstums), geschrieben von vier Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology (MIT), in dem sie zeigten, dass die Ressourcen unseres Planeten auf unverantwortliche Weise gepl\u00fcndert w\u00fcrden.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Dieter Wermuth, Economist und Partner bei Wermuth Asset Management<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die physischen Grenzen r\u00fcckten n\u00e4her und es drohe eine Katastrophe (\u201eovershoot and collapse\u201c), wenn es nicht gel\u00e4nge, den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck der Menschen zu reduzieren, also schonender mit den Ressourcen umzugehen. Das Buch war ein internationaler Bestseller, erlebte viele Neuauflagen und Aktualisierungen und kann f\u00fcr sich beanspruchen, das Bewusstsein f\u00fcr die \u00f6kologischen Risiken gesch\u00e4rft und nicht zuletzt die gr\u00fcne Politik mit auf den Weg gebracht zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Zwischenzeit sind zahlreiche weitere B\u00fccher zu diesem mittlerweile sehr popul\u00e4ren Thema verfasst worden. Das j\u00fcngste stammt aus der Feder von Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin bei der TAZ, &#8220;Das Ende des Kapitalismus&#8221;. Es ist gut geschrieben, mit hunderten von Fu\u00dfnoten, einem umfangreichen Literaturverzeichnis und daher mit seri\u00f6sem Anspruch. Die wichtigste These ist nicht, dass der Kapitalismus am Ende sei, sondern dass wir Verzicht \u00fcben, also unseren verschwenderischen Lebensstil \u00e4ndern sollten. Wenn das richtig gemacht w\u00fcrde, ginge es uns allen besser, nicht schlechter. Enteignungen sind f\u00fcr die Autorin kein Thema \u2013 der Preismechanismus und das Privateigentum sollen erhalten bleiben. Der Titel des Buches ist daher irref\u00fchrend und wohl mit Blick auf die Auflagenh\u00f6he und einen weiteren potenziellen Bestseller gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum soll der Kapitalismus am Ende sein? Ulrike Herrmann behauptet, dass es ihn ohne Wirtschaftswachstum nicht geben kann, und Wachstum erfordere eben die weitere ungebremste Ausbeutung der endlichen Ressourcen. Da das nicht so weitergehen kann, soll der Staat lenkend in die Energiewende und die Verwendung von Ressourcen eingreifen. Vorbild ist f\u00fcr sie die radikale und sehr erfolgreiche Umstellung der britischen Wirtschaft auf Milit\u00e4rprodukte in den Kriegsjahren 1940 bis 1945. Die Bev\u00f6lkerung war sich damals dar\u00fcber einig, dass sowohl der private Konsum als auch die privaten Investitionen verringert werden mussten, jedenfalls so lange der Krieg anhielt. Am Ende war Gro\u00dfbritannien das einzige europ\u00e4ische Land, das nicht von den Deutschen besetzt worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich halte eine solche Strategie in Bezug auf die Aufgabe, vor der wir heute stehen, f\u00fcr ziemlich \u00fcberzogen. Zun\u00e4chst ist es zweifelhaft, dass Wachstum nur mit immer weiter steigendem Ressourceneinsatz m\u00f6glich ist: In den reicheren OECD-L\u00e4ndern nimmt beispielsweise der Verbrauch von Erd\u00f6l seit Jahren stetig ab, obwohl das reale BIP immer noch steigt, wenn auch mit geringeren Zuwachsraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-1-Wermuth-AM.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13354 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-1-Wermuth-AM.png\" alt=\"\" width=\"586\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-1-Wermuth-AM.png 586w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-1-Wermuth-AM-300x163.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das reflektiert die neue Struktur der Nachfrage \u2013 Dienstleistungen statt G\u00fcter \u2013 sowie den Anstieg der relativen Preise f\u00fcr fossile Energie, in Kombination mit ehrgeizigen Programmen europ\u00e4ischer und amerikanischer Regierungen, die CO2-Emissionen zu verringern. Wachstum kann auch dadurch entstehen, dass der Input an Arbeit zunimmt, zum Beispiel durch einen Anstieg der Erwerbsquoten (Frauen, alte Menschen), sowie durch Fortschritte bei der Produktivit\u00e4t, nicht zuletzt durch eine effizientere Nutzung der Ressourcen. Daf\u00fcr braucht es keine Kriegswirtschaft \u2013 Wachstum kommt, wie es aussieht, ab einem bestimmten Punkt ohne zus\u00e4tzliche nat\u00fcrliche Ressourcen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Welt als Ganzes nimmt der Verbrauch fossiler Energie weiterhin zu, weil die Schwellenl\u00e4nder in ihrem Aufholprozess immer mehr Autos, Klimaanlagen und Waschmaschinen kaufen. Das Durchschnittseinkommen ist dort noch zu niedrig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-2-Wermuth-AM.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13355 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-2-Wermuth-AM.png\" alt=\"29-11-22 2 Wermuth AM\" width=\"586\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-2-Wermuth-AM.png 586w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-2-Wermuth-AM-300x163.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wirksamste Mittel gegen Ressourcenverschwendung ist auf l\u00e4ngere Sicht ein steigender Wohlstand in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern au\u00dferhalb der OECD, auf die 85 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung entfallen. Dieser Prozess ist im Gange. Wem das zu lange dauert und zu gef\u00e4hrlich ist, sollte bei sich zuhause zus\u00e4tzliche Anstrengungen unternehmen oder mit Kapitalexporten daf\u00fcr sorgen, dass es in den Schwellenl\u00e4ndern schneller geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-3-Wermuth-AM.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13356 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-3-Wermuth-AM.png\" alt=\"29-11-22 3 Wermuth AM\" width=\"586\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-3-Wermuth-AM.png 586w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-3-Wermuth-AM-300x163.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der allgemeine Lebensstandard zunimmt und damit die Sozialsysteme robuster werden, bekommen die Leute au\u00dferdem erfahrungsgem\u00e4\u00df im Durchschnitt auch weniger Kinder, so dass von daher die Nachfrage nach Ressourcen ebenfalls zur\u00fcckgeht. Vor einigen Monaten wurde berichtet, dass es auf dieser Erde inzwischen 8 Milliarden Menschen gibt: Da die Weltbev\u00f6lkerung laut UN nur noch mit einer Jahresrate von etwa 0,9 Prozent zunimmt, mit fallender Tendenz, wird sie sich ab 2070 oder 2080 bei rund 10 Milliarden stabilisieren und danach langsam schrumpfen. F\u00fcr das Klima sind das gute Nachrichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-4-Wermuth-AM.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13357 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-4-Wermuth-AM.png\" alt=\"29-11-22 4 Wermuth AM\" width=\"586\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-4-Wermuth-AM.png 586w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/29-11-22-4-Wermuth-AM-300x163.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Grund, warum sich so etwas wie eine Kriegswirtschaft zugunsten der Umwelt in demokratisch verfassten Gesellschaften kaum wird durchsetzen lassen, ist schlie\u00dflich auch die Tatsache, dass der Kapitalismus, wenn wir die Marktwirtschaft so bezeichnen wollen, eine echte Erfolgsstory ist und noch lange nicht ausgedient hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marco Annunziata hat in seinem Blog \u201ejust think\u201c gerade anl\u00e4sslich des amerikanischen Thanksgiving f\u00fcnf Gr\u00fcnde genannt, weswegen wir trotz aller Probleme und Krisen f\u00fcr das jetzige System dankbar sein sollten:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.<\/strong> Es gibt immer weniger Armut \u2013 noch 1990 lebten 40 Prozent der Menschen auf dieser Welt an oder unter der Armutsgrenze von USD 2,15 pro Tag, heute sind es nur noch 8 Prozent.<br \/>\n<strong>2<\/strong>. Im Jahr 1998 hatten 27 Prozent der Menschen keinen Zugang zu Strom, jetzt sind es weniger als 10 Prozent \u2013 beim Wasser ist der Fortschritt ebenfalls erheblich, zieht sich aber l\u00e4nger hin.<br \/>\n<strong>3.<\/strong> Die durchschnittliche Kindersterblichkeit ist in den vergangenen 30 Jahren von 65 pro 1.000 Lebendgeburten auf 27 gesunken.<br \/>\n<strong>4.<\/strong> Die Alphabetisierungsrate ist Jahr f\u00fcr Jahr gestiegen und hat zuletzt bei M\u00e4nnern 90 Prozent erreicht, bei den Frauen (bei denen der Fortschritt besonders rasch war) 83 Prozent.<br \/>\n<strong>5.<\/strong> Entgegen dem allgemeinen Eindruck hat das globale Wirtschaftswachstum die Ungleichheit der Einkommensverteilung in den letzten 30 Jahren nachhaltig vermindert, vor allem zugunsten der \u00e4rmeren Schichten und der mittleren Einkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz meiner Einw\u00e4nde ist Ulrike Herrmanns Buch insgesamt eine anregende und sehr informative Lekt\u00fcre. Sie empfiehlt sich f\u00fcr die h\u00f6heren Klassen von Gymnasien, denke ich, weil sie viele Thesen und kontroverse Ideen vorstellt und damit Diskussionsstoff bietet.<\/p>\n<div class=\"title is-4 is-\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"title is-0 \">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Quelle: BondWorld<\/span><\/p>\n<article class=\"article\"><\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wermuth AM : Vor 50 Jahren erschien das Buch \u201eLimits to Growth\u201c (Grenzen des Wachstums), geschrieben von vier Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology (MIT), in dem sie zeigten, dass die Ressourcen unseres Planeten auf unverantwortliche Weise gepl\u00fcndert w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":10340,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[214,213],"class_list":["post-13347","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-wermuth-am","tag-wermuth-asset-management"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13347"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13347\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13358,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13347\/revisions\/13358"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}