{"id":13431,"date":"2022-12-06T14:48:20","date_gmt":"2022-12-06T13:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=13431"},"modified":"2022-12-06T14:56:47","modified_gmt":"2022-12-06T13:56:47","slug":"wermuth-am-die-gaspreisbremse-gut-gemeint-aber-nicht-geeignet-den-gasverbrauch-nennenswert-zu-vermindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wermuth-am-die-gaspreisbremse-gut-gemeint-aber-nicht-geeignet-den-gasverbrauch-nennenswert-zu-vermindern\/","title":{"rendered":"Wermuth AM : Die Gaspreisbremse nicht geeignet, den Gasverbrauch nennenswert zu vermindern"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wermuth AM<\/strong> : Seit der Explosion der Gaspreise \u2013 und der Strompreise, die von ihnen abh\u00e4ngen \u2013 ist es hierzulande zu einem gewaltigen Verlust an Kaufkraft gekommen.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Dieter Wermuth, Economist und Partner bei Wermuth AM<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Rezession l\u00e4sst sich kaum noch vermeiden. Die Wirtschaftspolitik stand vor der Wahl, das Einkommen von Haushalten und Unternehmen zu subventionieren, um das Schlimmste abzuwenden, oder Preiskontrollen bei Gas und Strom einzuf\u00fchren und auf diese Weise in den Marktmechanismus und die Allokation der Ressourcen einzugreifen. Leider hat sich die deutsche Regierung f\u00fcr die zweite Alternative entschieden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/06-12-22-Wermuth-AM.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13432 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/06-12-22-Wermuth-AM.png\" alt=\"06-12-22 Wermuth AM\" width=\"586\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/06-12-22-Wermuth-AM.png 586w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/06-12-22-Wermuth-AM-300x171.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sogenannte Gaspreisbremse soll von M\u00e4rz 2023 an r\u00fcckwirkend ab Januar 2023 bis Ende April 2024 in Kraft bleiben und ist daher eine vor\u00fcbergehende Ma\u00dfnahme. F\u00fcr private Haushalte gibt es einen Preisdeckel von 12 Eurocents pro kWh f\u00fcr 80% des Gasverbrauchs im vergangenen Jahr; alles, was dar\u00fcber hinausgeht, wird zu Marktpreisen abgerechnet. F\u00fcr die Industrie liegt der garantierte Gaspreis f\u00fcr 70% des Verbrauchs des Jahres 2021 bei lediglich 7 Cent, f\u00fcr den Rest gelten die Marktpreise. Die Differenz zwischen dem, was die Gasversorger f\u00fcr ihren Input zahlen m\u00fcssen, und dem was sie von den Haushalten und Unternehmen zu den garantierten Preisen bekommen, wird von der Bundesregierung beglichen. Eingeplant sind daf\u00fcr Ausgaben von 56 Mrd. Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Strompreisbremse. Hier wird f\u00fcr die Haushalte der Preis f\u00fcr 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs bei 40 Eurocent pro kWh gedeckelt und f\u00fcr die Industrie bei netto 13 Cent f\u00fcr 70% des bisherigen Verbrauchs.<\/strong> Anders als bei der Gaspreisbremse sollen die Ausgaben des Staates f\u00fcr die Strompreisbremse zu einem erheblichen Teil durch die Absch\u00f6pfung von \u00dcberschusserl\u00f6sen bei der Stromwirtschaft finanziert werden. Netto d\u00fcrften f\u00fcr die beiden Bremsen zwischen 2 und 3% des Bruttoinlandsprodukts aufzuwenden sein. Das sind die Kernelemente des neuen Programms. Das klingt einfach, ist es in Wirklichkeit aber nicht. Die genaue Ausgestaltung ist ziemlich kompliziert, weil der Gesetzgeber R\u00fccksicht auf zahlreiche Sonderaspekte und W\u00fcnsche betroffener Parteien genommen hat. Am Ende ist ein b\u00fcrokratisches Monster entstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Subvention von Gas- und Strompreisen ist es deshalb gekommen, weil deren gewaltiger Anstieg im Vergleich zu den \u00fcbrigen Preisen erhebliche und unerw\u00fcnschte Effekte auf die Verteilung der restlichen Einkommen und die Struktur der Wirtschaft hat, vor allem im Hinblick auf zu erwartende Insolvenzen und Arbeitslosigkeit. Der Staat musste aktiv werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht w\u00e4re es besser gewesen, den marktwirtschaftlichen Kr\u00e4ften ihren Lauf zu lassen, also nicht in den Preismechanismus einzugreifen, und auf diese Weise die Nachfrage nach Gas zu reduzieren \u2013 am besten in einer international koordinierten Aktion, und so die Gaspreise am Weltmarkt zu senken. F\u00fcr das Klima w\u00e4ren das gute Nachrichten gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Denn:<\/strong> Ein garantiert niedriger Preis zulasten der deutschen Regierung, also des Steuerzahlers, stimuliert die Gasnachfrage und bremst den Strukturwandel in Richtung erneuerbarer Energien. Technisch gesprochen verbessern sich die sogenannten Terms-of-Trade eines Nettoimporteurs von Energie wie Deutschland nicht so, wie es der Fall gewesen w\u00e4re, wenn man einfach den Marktkr\u00e4ften vertraut h\u00e4tte. Ein Anstieg der Terms-of-Trade erh\u00f6ht bekanntlich \u2013 oder doch nicht so bekanntlich \u2013 das real verf\u00fcgbare Volkseinkommen. Die Alternative, die Energiepreise k\u00fcnstlich niedrig zu halten, ist am Ende aus gesamtwirtschaftlicher Sicht eine verpasste Gelegenheit, den nationalen Wohlstand zu steigern. Weder die Politiker noch die Medien scheinen das Konzept der Terms-of-Trade zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn jeder Akteur, Haushalte und Unternehmen, den vollen unsubventionierten Preis f\u00fcr Energie zahlen m\u00fcsste, k\u00e4me es ziemlich rasch zu einer Abnabelung von fossilen Brennstoffen, zum Vorziehen struktureller Anpassungen, insbesondere im Hinblick auf die gr\u00fcne Zukunft der Wirtschaft. Da viele Unternehmen in Konkurs gehen und noch viel mehr Menschen ihren Job verlieren w\u00fcrden, h\u00e4tte eine solche Strategie zweifelsohne kurzfristig erhebliche negative Effekte. Da die Regierung sich aber ohnehin damit abgefunden hat, dass sie viel Geld f\u00fcr die beiden Preisbremsen aufbringen muss, w\u00e4re es kein so gro\u00dfer Schritt, wenn sie die Mittel f\u00fcr direkte Subventionen an bed\u00fcrftige und gef\u00e4hrdete Akteure einsetzen w\u00fcrde \u2013 statt f\u00fcr Preisgarantien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Letztlich handelt es sich um ein sozialpolitisches Problem, das angegangen werden muss.<\/strong> Die Haushalte und Firmen, die in Not geraten k\u00f6nnen, aber nicht alleingelassen werden sollten, ben\u00f6tigen die volle staatliche Unterst\u00fctzung, w\u00e4hrend die Besserverdiener das nicht n\u00f6tig haben. Sie verbrauchen \u00fcberproportional viel Energie und k\u00f6nnen daher in Reaktion auf die hohen Energiepreise auch \u00fcberproportional viel einsparen, indem sie etwa weniger Auto fahren oder fliegen, die Heizungen ihrer H\u00e4user und Swimming Pools runterdrehen und generell ihren Konsum einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Strategie w\u00fcrde vor allem das Einkommen der schlechter gestellten Haushalte stabilisieren und einen Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit eine tiefe Rezession verhindern. Sie w\u00fcrde die Gaspreise runterbringen, die Terms-of-Trade verbessern, die Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen fossilen Brennstoffen reduzieren, gr\u00fcne Investitionen attraktiver machen und das real verf\u00fcgbare Einkommen der Bev\u00f6lkerung steigern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugegebenerma\u00dfen d\u00fcrften sich allerdings infolge vermehrter Insolvenzen und h\u00f6herer Arbeitslosigkeit die staatlichen Einnahmen vermindern \u2013 sie w\u00fcrden jedoch wegen der hohen Inflation gleichzeitig auch steigen: vor allem wegen der Mehrwertsteuer. Am Ende bleibt festzuhalten, dass der ohnehin unvermeidliche und erw\u00fcnschte Strukturwandel schneller vorankommt und eine Rezession weniger wahrscheinlich ist, wenn auf Einkommens- statt auf Preissubventionen gesetzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nun sind die W\u00fcrfel allerdings wohl gefallen. Aber beim n\u00e4chsten Mal, nach 2024, sollten in einer \u00e4hnlichen Situation nicht noch einmal dieselben kostspieligen Fehler gemacht werden.<\/strong><\/p>\n<div class=\"title is-4 is-\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"title is-0 \">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Quelle: BondWorld<\/span><\/p>\n<article class=\"article\"><\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wermuth AM : Seit der Explosion der Gaspreise \u2013 und der Strompreise, die von ihnen abh\u00e4ngen \u2013 ist es hierzulande zu einem gewaltigen Verlust an Kaufkraft gekommen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":10340,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[214],"class_list":["post-13431","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-wermuth-am"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13431"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13438,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13431\/revisions\/13438"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}