{"id":14212,"date":"2023-02-24T15:33:41","date_gmt":"2023-02-24T14:33:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=14212"},"modified":"2023-02-24T15:33:41","modified_gmt":"2023-02-24T14:33:41","slug":"dws-wie-und-warum-geld-wieder-wichtig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dws-wie-und-warum-geld-wieder-wichtig-ist\/","title":{"rendered":"DWS : Wie und warum \u201eGeld\u201c wieder wichtig ist"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>DWS<\/strong> :\u00a0Geldmengenaggregate k\u00f6nnen helfen, die Genauigkeit von Inflationsprognosen zu erh\u00f6hen. Aber man sollte es mit ihnen auch nicht \u00fcbertreiben.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Johannes M\u00fcller, Head of Macro Research der DWS<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des \u00f6konomischen Denkens ist, dass alte Ideen selten dauerhaft verschwinden. Gerade wenn sie schon fast vergessen scheinen, erwachen sie wieder zum Leben. Nehmen wir Geldmengenaggregate, die in ihrer Bl\u00fctezeit in den 1970er und 1980er-Jahren wie der heilige Gral der Wirtschaftsprognosen erschienen. Bei vielen \u00d6konomen sind sie seitdem stetig aus der Mode gekommen. Die Idee, dass das allgemeine Preisniveau einer Volkswirtschaft steigt, wenn zu viel Geld hinter zu wenigen Waren her ist, ist intuitiv einleuchtend. Leider stellte sich dieser Zusammenhang aber bald als recht instabil heraus1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im Gegensatz dazu haben Praktiker auf den Finanzm\u00e4rkten, insbesondere an deren R\u00e4ndern, nie ganz ihr Vertrauen in Geldmengenzahlen verloren, um Marktentwicklungen zu \u201eerkl\u00e4ren\u201c<\/strong>. Unser \u201eChart der Woche\u201c hilft, die Gr\u00fcnde daf\u00fcr und die damit verbundenen Gefahren zu veranschaulichen. Er zeigt die Kurse der Aktienm\u00e4rkte der Industriel\u00e4nder, gemessen am MSCI World, im Vergleich zu zwei allgemeinen Kennzahlen f\u00fcr das Wachstum der globalen Geldmenge M2 im Jahresvergleich, eine einschlie\u00dflich und eine ohne China. Intuitiv sieht es so aus, als h\u00e4tten sich die Aktienrenditen parallel dazu entwickelt, wie viel mehr oder weniger Geld es auf der Welt gerade gibt. Kein Wunder also, dass einige, die ihren Lebensunterhalt mit Marktprognosen verdienen, die Geldmenge im Auge behalten wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wenn man jedoch genauer hinsieht, ist schwer zu erkennen, welche Kurve welchen andere(n) vorl\u00e4uft.<\/strong> Auch scheint der Zusammenhang mit Einbeziehung der chinesischen Geldmenge tendenziell enger als ohne sie. Das ist seltsam, denn der MSCI World enth\u00e4lt keine chinesischen Aktien. Au\u00dferdem setzt China stark auf Kapitalverkehrskontrollen, die in den letzten Jahren aufgrund von Reisebeschr\u00e4nkungen im Zusammenhang mit Covid wahrscheinlich noch schwerer als davor zu umgehen waren2). Um die schrumpfende Geldmenge im Rest der Welt jetzt auszugleichen, w\u00e4ren riesige Mengen chinesischer Touristen erforderlich, die ihre Bargeldersparnisse \u00fcber die Grenzen hinweg veranlagen.<\/p>\n<p><strong>Die Preisentwicklung globaler Aktien scheinen sich parallel zur globalen Geldmenge zu bewegen \u2013 na und?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/24-02-23-DWS.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14213 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/24-02-23-DWS.png\" alt=\"24-02-23 DWS\" width=\"650\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/24-02-23-DWS.png 650w, https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/24-02-23-DWS-300x153.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum, es ist einfach, Korrelationen zu finden, die in der Vergangenheit gut \u201efunktioniert\u201c haben. Besonders bei etwas wie der globalen Geldmenge, bei der man unter vielen Kandidaten ausw\u00e4hlen kann, welche Kennzahl f\u00fcr den betrachteten Zeitraum am besten zu passen scheint. Es ist jedoch unklug, sich auf sie zu verlassen, ohne ein klares Verst\u00e4ndnis der kausalen Mechanismen und Einsch\u00e4tzungen dar\u00fcber, wie und warum sie in Zukunft bestehen bleiben oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDennoch haben wir uns f\u00fcr unsere Inflationsprognosen f\u00fcr mehrere gro\u00dfe Volkswirtschaften immer sehr genau mit Geldaggregaten befasst, auch als das v\u00f6llig unmodern war\u201c,<strong> erkl\u00e4rt Johannes M\u00fcller, Head of Macro Research der DWS.<\/strong> \u201eDies lieferte wertvolle fr\u00fche Hinweise darauf, dass sich die Inflation als weniger vor\u00fcbergehend als allgemein erwartet erweisen k\u00f6nnte.\u201c Wie ein aktuelles Papier von Mitarbeitern der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich zeigt, verzeichneten L\u00e4nder mit einem st\u00e4rkeren Geldmengenwachstum in den letzten Jahren auch eine deutlich h\u00f6here Inflation3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies best\u00e4tigt unsere langj\u00e4hrige \u00dcberzeugung, dass ein sorgf\u00e4ltiger Umgang mit monet\u00e4ren Aggregaten in Inflationsprognosen zuweilen die Genauigkeit erh\u00f6hen kann. Genau das unterstreicht jedoch auch, warum man die M\u00e4rkte besser nicht mit \u201eGeld\u201c allein erkl\u00e4ren sollte. An den globalen Aktienm\u00e4rkten ist aus unserer Sicht nun viel an Verbesserungen der Fundamentaldaten bereits in den Kursen enthalten, nicht zuletzt ein relativ rasches Absinken der Inflationsraten. Aber ob es wirklich dazu kommt, muss sich erst erweisen, auch mit Blick auf globale Geldmengenaggregate.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">1) In den letzten Jahrzehnten ist \u201eGeld\u201c in weiten Teilen der Welt aus der Gestaltung und Umsetzung der Geldpolitik verschwunden, die sich stattdessen haupts\u00e4chlich auf Zinss\u00e4tze st\u00fctzte, um die Inflationserwartungen zu steuern. Teilweise lag das daran, dass sich die einheitliche Definition und Messung unterschiedlicher monet\u00e4rer Aggregate in allen Volkswirtschaften und im Laufe der Zeit als ziemlich schwierig herausstellte. Ein weiteres Problem war, dass das Wachstum der Geldmenge zeitweise weitgehend endogen sein kann, d. h. von den Entscheidungen der Haushalte und Unternehmen im Privatsektor als Reaktion auf realwirtschaftliche Schocks angetrieben wird, und nicht von irgendetwas, was die Zentralbank tut. Beispielsweise neigen Unternehmen dazu, stark auf bereits bestehende Kreditlinien zur\u00fcckzugreifen, was die Geldmenge erh\u00f6ht, solange die Gesch\u00e4ftsbanken noch \u00fcber \u00fcbersch\u00fcssige Reserven verf\u00fcgen. Zu den Hintergr\u00fcnden der historischen Entwicklungen s. folgenden entz\u00fcckend betitelten \u00dcberblick: Laidler, D (2002): \u201cMonetary policy without money: Hamlet without the ghost\u201d, in Leeson, R. (ed), \u201cMacroeconomics, monetary policy and financial stability: Essays in honour of Charles Freedman\u201d, Bank of Canada, pp 111\u201334. Verf\u00fcgbar unter: Monetary Policy without Money: Hamlet without the Ghost* (uwo.ca)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">2) Why more Chinese tourism means more capital flight | The Economist<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">3) Does money growth help explain the recent inflation surge? (bis.org)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DWS :\u00a0Geldmengenaggregate k\u00f6nnen helfen, die Genauigkeit von Inflationsprognosen zu erh\u00f6hen. 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