{"id":14333,"date":"2023-03-10T17:29:51","date_gmt":"2023-03-10T16:29:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=14333"},"modified":"2023-03-20T09:09:53","modified_gmt":"2023-03-20T08:09:53","slug":"la-francaise-am-droht-eine-lohn-preis-spirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/la-francaise-am-droht-eine-lohn-preis-spirale\/","title":{"rendered":"La Fran\u00e7aise AM : Droht eine Lohn-Preis-Spirale?"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><strong>La Fran\u00e7aise AM<\/strong>\u00a0: Die von dem neuseel\u00e4ndischen \u00d6konomen William Phillips 1958 entwickelte Philipps-Kurve zeigt einen negativen empirischen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und der Inflation.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Audrey Bismuth, Global Macro Researcher, La Fran\u00e7aise AM<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese negative Korrelation wird \u00fcber die L\u00f6hne weitergegeben, deren Schwankungen in der Regel analog zu den Verbraucherpreisen verlaufen. Die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer nimmt zu, wenn das Arbeitskr\u00e4fteangebot begrenzt ist, die Arbeitslosigkeit also niedrig und die Produktionskapazit\u00e4t angespannt ist. Dieser Zusammenhang ist jedoch in vielen L\u00e4ndern seit den 1990er Jahren verschwommener geworden. Daf\u00fcr gibt es zahlreiche Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nach der gro\u00dfen Rezession 2008\/09 f\u00fchrten die sinkenden Arbeitslosenquoten in den USA nicht zu deutlichen Lohnerh\u00f6hungen.<\/strong> Laut dem Bureau of Labor Statistics (BLS) sank die Arbeitslosenquote vor der Corona-Pandemie von 10 % auf unter 4 %. Das Lohnwachstum blieb zwischen 2009 und 2015 stabil bei etwa 2 %, bevor es im Zeitraum 2016-2019 auf 3 % anstieg. Diese geringere negative Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und L\u00f6hnen k\u00f6nnte auf gr\u00f6\u00dfere \u00dcberkapazit\u00e4ten hindeuten, als die Arbeitslosenquoten vermuten lie\u00dfen. In Frankreich wies im M\u00e4rz 2018 eine Studie des Institut National de la Statistique et des Etudes Economiques (INSEE) darauf hin, dass der Korrelationskoeffizient zwischen der Lohnentwicklung und der Arbeitslosigkeit in den USA zwischen 2011 und 2015 sogar positiv war. Diese Analyse kam zu dem Schluss, dass \u201edie Arbeitslosigkeit einen Einfluss auf die Lohnschwankungen hat, die Produktivit\u00e4t jedoch langfristig eine wichtige Determinante bleibt\u201c. Die anhaltend niedrige Produktion pro geleisteter Arbeitsstunde kann die Unternehmensgewinne schm\u00e4lern und letztlich das Lohnwachstum d\u00e4mpfen, da die Unternehmen weniger bereit sind, schnelle Lohnerh\u00f6hungen zu gew\u00e4hren. Im September 2017 wies auch eine Studie des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) darauf hin, dass die Zunahme an erzwungener Teilzeitarbeit (d. h. Personen, die gerne mehr arbeiten w\u00fcrden) und ein h\u00f6herer Einsatz von Zeitarbeit das Lohnwachstum begrenzen. Weitere h\u00e4ufig genannte Gr\u00fcnde sind Automatisierung, sinkende mittelfristige Wachstumserwartungen, ein wachsender Dienstleistungssektor und ein h\u00f6heres Arbeitskr\u00e4fteangebot im Zuge der Globalisierung. Sie hat insbesondere seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) in den 2000er Jahren den Wettbewerb verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mit den Ver\u00e4nderungen in der Weltwirtschaft hat die Pandemie auch die Entwicklung der Lohnverh\u00e4ltnisse in den Unternehmen ver\u00e4ndert. Die Gesundheitskrise hat durch die massiven Konjunkturprogramme das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt verst\u00e4rkt.<\/strong> Derzeit stehen in den USA 4,7 Millionen mehr Arbeitspl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung, als es Arbeitskr\u00e4fte gibt, die diese besetzen k\u00f6nnen (Bureau of Labor Statistics, 11\/2022). Vor 2019 machte diese L\u00fccke 1 Million Menschen aus. Die steigende Zahl von Arbeitgebern, die Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung haben, ist das Ergebnis einer zunehmenden Diskrepanz zwischen den F\u00e4higkeiten, Interessen und Erfahrungen der Arbeitssuchenden und den Stellen, die die Arbeitgeber besetzen wollen. Laut Lightcast (12\/2022) ist die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen in den USA um 2 Millionen gesunken. Dies ist auch auf die r\u00fcckl\u00e4ufige Zuwanderung, die Fr\u00fchverrentung der Baby-Boomer und die demografische Entwicklung zur\u00fcckzuf\u00fchren (laut Census Bureau werden Amerikaner \u00fcber 65 Jahre bis 2035 21 % der Erwerbsbev\u00f6lkerung ausmachen). Es wird daher wahrscheinlich einige Zeit dauern, sie zu ersetzen oder wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen. Besonders angesichts des bedeutenden Verm\u00f6genstransfers von der Babyboomer-Generation auf die Generation Y (Millennials). Eine Studie von Coldwill Banker vom Oktober 2019 sch\u00e4tzt das Verm\u00f6gen auf 68 Billionen US-Dollar. Allerdings d\u00fcrfte der erhebliche R\u00fcckgang der w\u00e4hrend der Pandemie angeh\u00e4uften \u00fcbersch\u00fcssigen Ersparnisse, von denen laut den Strategen von Alpine Macro bereits zwei Drittel (inflationsbereinigt) verbraucht wurden, dazu f\u00fchren, dass die Amerikaner wieder auf den Arbeitsmarkt zur\u00fcckkehren. Es sind im \u00dcbrigen die jungen Menschen und die am wenigsten qualifizierten Arbeitspl\u00e4tze, die f\u00fcr das Lohnwachstum und die historisch niedrige Arbeitslosenquote verantwortlich sind. Die Erwerbsquote der 20- bis 24-J\u00e4hrigen liegt immer noch 1,7 Prozentpunkte unter ihrem Vorpandemiewert. Die L\u00f6hne der 16- bis 24-J\u00e4hrigen stiegen laut dem Atlanta Fed Pay Tracker (Januar 2023) um mehr als 12 %, w\u00e4hrend die L\u00f6hne insgesamt um 6,3 % zulegten. Dar\u00fcber hinaus kommen die verbesserten Arbeitsmarktbedingungen eher den am schlechtesten bezahlten Arbeitnehmern zugute. Ihre Verhandlungsmacht wird also immer st\u00e4rker. Der Lohn-Tracker der Atlanta Fed zeigt, dass die Geh\u00e4lter der am schlechtesten qualifizierten Arbeitnehmer im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 % gestiegen sind, w\u00e4hrend sie bei den besser qualifizierten Arbeitnehmern um 6,1 % zulegten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die negative Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation nicht unbedingt immer eindeutig ist, bleibt die Frage, ob aggressive Zinserh\u00f6hungen &#8211; das Hauptinstrument der Zentralbanken im Kampf gegen die Inflation &#8211; wirklich gerechtfertigt sind, da dadurch die Weltwirtschaft in eine Rezession geraten und Arbeitspl\u00e4tze unn\u00f6tig verloren gehen k\u00f6nnten? Ist es wahrscheinlich, dass die von den Zentralbankern bef\u00fcrchtete Lohn-Preis-Spirale dauerhaft zum Tragen kommt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In seinem Weltwirtschaftsausblick vom Oktober 2022 analysierte der IWF eine \u00e4hnliche Situation wie 2021, als die Inflation stieg und das Lohnwachstum positiv war, die Reall\u00f6hne und die Arbeitslosenquote jedoch stagnierten oder sanken.<\/strong> Der IWF stellte fest, dass \u201eangesichts der Tatsache, dass die Inflationsschocks ihren Ursprung au\u00dferhalb des Arbeitsmarktes haben, die sinkenden Reall\u00f6hne zur Verlangsamung der Inflation beitragen und eine aggressivere Straffung der Geldpolitik stattfindet, das Risiko einer dauerhaften Lohn-Preisspirale begrenzt erscheint\u201c. Der j\u00fcngste Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) stellte ebenfalls fest, dass \u201ein einkommensstarken L\u00e4ndern das Reallohnwachstum seit dem Jahr 2000 geringer war als das Produktivit\u00e4tswachstum. W\u00e4hrend der starke R\u00fcckgang des Arbeitsproduktivit\u00e4tswachstums 2020 die L\u00fccke vor\u00fcbergehend verkleinerte, hat die Verringerung der Reall\u00f6hne in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2022 in Verbindung mit dem positiven Produktivit\u00e4tswachstum die L\u00fccke zwischen Produktivit\u00e4t und Lohnwachstum wieder vergr\u00f6\u00dfert\u201c. In der Studie hei\u00dft es, dass der Abstand zwischen Produktivit\u00e4ts- und Lohnwachstum im Jahr 2022 den h\u00f6chsten Stand seit Beginn des 21. Jahrhunderts erreicht hat. Dabei liegt das Produktivit\u00e4tswachstum um 12,6 Prozentpunkte h\u00f6her als das Lohnwachstum. Daher scheint es \u201ein vielen L\u00e4ndern Spielraum f\u00fcr Lohnerh\u00f6hungen zu geben, ohne eine Lohn-Preis-Spirale zu bef\u00fcrchten\u201c. Schlie\u00dflich weisen Wirtschaftswissenschaftler darauf hin, dass der R\u00fcckgang der Erwerbsbev\u00f6lkerung langfristig zu einer niedrigeren Inflation beitragen wird. Bei einem geringeren Einkommenswachstum d\u00fcrften die Verbraucherausgaben sinken und der Arbeitsmarkt durch eine niedrigere nat\u00fcrliche Gleichgewichtsarbeitslosenquote (NAIRU, Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment, d. h. die niedrigste Arbeitslosenquote, die ohne Inflationsanstieg verkraftet werden kann) wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. NAIRU ist seit Ende der 1980er Jahre allm\u00e4hlich von 6,3 % auf derzeit 4,4 % gesunken. Laut dem Congressional Budget Office d\u00fcrfte NAIRU bis 2032 auf 4,25 % sinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La Fran\u00e7aise AM\u00a0: Die von dem neuseel\u00e4ndischen \u00d6konomen William Phillips 1958 entwickelte Philipps-Kurve zeigt einen negativen empirischen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und der Inflation.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":14335,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[128],"tags":[269],"class_list":["post-14333","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-makroanalyse","tag-la-francaise-am"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14333"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14450,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14333\/revisions\/14450"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14335"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14333"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}