{"id":1603,"date":"2015-04-22T05:00:00","date_gmt":"2015-04-22T05:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/home\/sites\/20b\/7\/760c69a11c\/public_html\/investmentworld.ch\/index.php\/2015\/04\/22\/wo-ist-die-deflation-geblieben\/"},"modified":"2015-04-22T05:00:00","modified_gmt":"2015-04-22T05:00:00","slug":"wo-ist-die-deflation-geblieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wo-ist-die-deflation-geblieben\/","title":{"rendered":"Wo ist die Deflation geblieben?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Es ist nur wenige Monate her, dass uns das Deflationsgespenst im Nacken sass. Deflation war in aller Munde, wurde im Internet als Suchbegriff &ouml;fter gegoogelt als z. B. Inflation und das nur, weil etliche Geldh&uuml;ter gebets-m&uuml;hlenhaft jeden ihrer Auftritte dazu benutzten, vor der dro-henden Deflation zu warnen&#8230;.<\/span><\/span><\/p>\n<p>  <!--more--> <\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #00ccff;\">Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld. <a href=\"index.php?option=com_acymailing&amp;view=user&amp;Itemid=107\"><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>Click here to register for your free copy<\/strong><\/span><\/a><a href=\"index.php?option=com_acymailing&amp;view=user&amp;Itemid=1023\"><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/span><\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Martin Neff, Chef&ouml;konom Raiffeisen<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Davon dass es auch eine &#8220;gute Deflation&#8221; gibt, war nie die Rede. Wie mittlerweile ge-wohnt, wenn es um verbale Geldpolitik geht, war auch in der Deflationsdebatte Mario Draghi an vorderster Front aktiv. Dabei versteht Otto Normalverbraucher gar nicht, was Deflation genau bedeutet und vor allem nicht, was das Schlimme an ihr ist. Das ist auch kein Wunder, denn wir hatten jahrzehntelang keine Deflation, &ndash; zumindest keine &bdquo;b&ouml;se Deflation&ldquo; und werden sie bis auf weiteres auch nicht haben. Der Konsument sp&uuml;rt schlichtweg nichts von der imagin&auml;ren Bedrohung, die geldpolitisch motiviert zu einer be&auml;ngstigenden Gefahr hochstilisiert wird. Deflation scheint eher ein Hirngespinst der Geldh&uuml;-ter zu sein, um weiter geldpolitisch experimentieren zu k&ouml;nnen, als eine tats&auml;chliche Bedrohung. Wer am Ende des Jahres &uuml;ber 1 Prozent mehr Kaufkraft verf&uuml;gt, ist sicherlich nicht bedroht und um diese Gr&ouml;ssenordnungen geht es, wenn &uuml;berhaupt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist Deflation minus oder weniger plus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch die Medien lassen sich vom Deflationshype erfassen und gehen sehr oberfl&auml;chlich und allzu sorglos mit dem Begriff um. Drei Meldungen auf &bdquo;www.n-tv.de&ldquo; unter dem Suchbegriff der Deflation best&auml;tigen diese Einsch&auml;tzung. Da warnt zun&auml;chst China vor Deflation und im Lauftext darunter heisst es weiter: &bdquo;In China geht die Angst vor Deflation um &ndash; der Preiszerfall hat zu viel Tem-po drauf&ldquo;. Wer dann weiter liest, findet keinen Hinweis, wer ausser der Notenbank in China noch Angst hat, ge-schweige denn warum. Die Fakten sehen ja auch anders aus. Die offizielle Inflationsrate in China war zuletzt im Oktober 2009 negativ. Von Deflation d&uuml;rfte also gar nicht die Rede sein. Man ist aber auch nicht mehr bei 6% Inflation sondern lediglich bei knapp 1.5%. Ist das Grund genug f&uuml;r Panikmache? Offensichtlich schon, denn unter Preiszerfall wird nicht das verstanden, was wir gemeinhin darunter verstehen w&uuml;rden, n&auml;mlich dass die Preise sin-ken, sondern lediglich, dass sie nicht mehr in dem Aus-mass wie in der Vergangenheit zunehmen. Dazu wird nicht mal klar, auf welche Preise sich die Deflations&auml;ngs-te in China beziehen. Auf die Produzentenpreise viel-leicht, die immerhin seit Anfang 2012 negativ sind? Das w&auml;re noch nachvollziehbar. Aber wenn Notenbanken vor Deflation warnen, haben sie meist die Konsumentenprei-se vor Augen, wenn nicht anders verlautbart. Und da gen&uuml;gt heute schon eine Null vor dem Komma, um die Zentralbanken in Panik zu versetzen. Die Gefahr scheint also tats&auml;chlich eher imagin&auml;r denn real zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schreckensszenario?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite Meldung im deutschen Nachrichtenportal zur Deflation stammt vom 10.3.2015 und best&auml;tigt im Grun-de, dass sich die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) mit ihrem Kaufprogramm f&uuml;r Anleihen (QE) auf Kurs befinde, aller-dings auch mit dem missverst&auml;ndlichen Untertitel &bdquo;Geld-schwemme gegen Deflation&ldquo;. Diese Schlagzeile sugge-riert, dass die Deflation schon Tatsache ist und QE bei-trage, diese abzuwenden. Die dritte Meldung ist eine Woche j&uuml;nger und immer noch falsch. &bdquo;Europa entfernt sich von der Deflation&ldquo; hiess es am 17.3.2015 und dass die Verbraucherpreise in der Eurozone wieder anz&ouml;gen. Wie man sich von etwas entfernen kann, dem man sich gar nie richtig gen&auml;hert hatte, sei dahingestellt. Immerhin deutet die Ansage in der Schlagzeile ja eine Entspannung an. Im Text selbst kommt es dann aber doch noch mal dick, indem es heisst, das &bdquo;wirtschaftliche Schreckens-szenario einer Deflation sei vorerst (!) abgewendet&ldquo;. Folg-lich also noch immer keine Entwarnung und vor allem nochmals die Erinnerung, dass Deflation ein Schreckens-szenario begr&uuml;nde. Das ist schon h&ouml;chst ungew&ouml;hnlich, vor allem wenn man sich den europ&auml;ischen Arbeitsmarkt genauer ansieht. Dort hat das Schreckensszenario schliesslich schon l&auml;ngst Einzug gehalten, ohne Warnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der japanische Patient war nie krank<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was ist mit Japan und seinem verlorenen Jahrzehnt? &Uuml;berall &#8211; mangels Alternative &#8211; wird Japan als Paradebei-spiel f&uuml;r die schlimmen Folgen der Deflation bem&uuml;ht, dabei h&auml;lt das einer n&auml;heren Pr&uuml;fung auch nicht stand. Japan hatte zwar seit Beginn der Neunzigerjahre mit die tiefsten Teuerungsraten, oft nah bei null und manchmal auch negativ. Aber das ist zu wenig f&uuml;r das Schreckens-szenario der &bdquo;b&ouml;sen Deflation&ldquo;. Denn von einem Kon-sumstau wegen fallender Preise war Japan stets weit entfernt, allen Unkenrufen zum Trotz. Zwar legte die Wirtschaftsleistung in Japan in den letzten gut drei Deka-den gemessen am realen Bruttoinlandprodukt weniger stark zu als in den USA, pro Kopf verlief die Entwicklung aber mehr oder weniger &auml;hnlich. Japan liegt viel zu weit weg von uns und ist uns einfach zu fremd, um wirklich zu verstehen, wie diese Gesellschaft tats&auml;chlich funktio-niert. Da braucht es nicht viel, ein Vorurteil zu zementie-ren, das dann schnell als Wahrheit durchgeht. Dabei ist Japan lediglich eine alte, reife und wohlhabende Volks-wirtschaft, die an Grenzen der S&auml;ttigung st&ouml;sst, vor allem auf Grund der weit fortgeschrittenen &Uuml;beralterung der Bev&ouml;lkerung. Das steht in Europa erst noch an. Die de-mographische Falle ist nun mal eine Tatsache mit uner-w&uuml;nschten Folgen f&uuml;r den stetigen Wachstumsglauben. Die kann auch die Geldpolitik nicht wegwischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verunsicherung durch Versicherung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab sie mal, die schlechte Deflation, zuletzt Anfang der 1930er Jahre, was ein geh&ouml;riges Weilchen her ist. Damals galt der Goldstandard, weshalb die Geldmenge nicht beliebig gesteigert werden konnte, sondern nur bis zu dem Grad, an dem noch eine Golddeckung gew&auml;hr-leistet war. Tats&auml;chlich l&ouml;sten die damaligen Preiserosio-nen eine massive Konsumzur&uuml;ckhaltung aus und der Geldpolitik waren die H&auml;nde sozusagen gebunden. In Erwartung fallender Preise streikten die Konsumenten und verschoben ihre Anschaffungen auf einen sp&auml;teren Zeitpunkt, zu dem sie viel g&uuml;nstiger w&uuml;rden einkaufen k&ouml;nnen. Ist das wirklich der aktuelle Zustand in der Euro-zone oder gar in der Schweiz? Wenn dem so w&auml;re, dann w&uuml;rde kaum jemand f&uuml;r das neuste iPhone Schlange stehen, da es ein halbes Jahr, nachdem es auf den Markt gekommen, garantiert g&uuml;nstiger zu haben ist und zwar nicht nur um 0.5%. Ich kenne jedenfalls niemanden, der seine Anschaffungen herausz&ouml;gert, weil er auf fallende Preise spekuliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Keine Spur von Deflation an den M&auml;rkten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erwartungen abgeleitet aus Inflationsswap, auf 10 Jahre, in %<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/stories\/NOTIZIE\/22-04-15raf.png\" alt=\"22 04 15raf\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Gl&uuml;ck verfl&uuml;chtigt sich das vermeintliche Deflations-gespenst inzwischen wieder. Und das nicht dank Draghi, der die Umkehr der Inflationserwartungen in Europa gern als Erfolg seines monet&auml;ren Dauerbeschusses verkaufen m&ouml;chte, sondern wegen aufhellender Konjunktur und abnehmenden Basiseffekten, vor allem bei Rohstoffen &#8211; zuvorderst &Ouml;l. Dass uns Draghi und Co. monatelang ver-sicherten, die grosse Gefahr der Deflation klopfe bereits an unsere T&uuml;re, hat nur eines ausgel&ouml;st: Verunsicherung &#8211; &uuml;brigens auch bei erfahrenen Marktteilnehmern. Kaum jemand verstand am Schluss noch, was das mit der Defla-tion eigentlich soll, besonders bei der Betrachtung der Kerninflation (ohne Rohstoffe und Saison-produkte), die h&ouml;chstens sporadisch in negatives Terrain vorstiess. Erst diese kategorische Versicherung, dennoch alles gegen das vermeintliche Gespenst zu unternehmen, hat zu Verunsicherung, allm&auml;hlich aber auch zu Unver-st&auml;ndnis gef&uuml;hrt, zumal sich die Inflationserwartungen nie dermassen der Nulllinie gen&auml;hert h&auml;tten, um das ganze Get&ouml;se zu rechtfertigen. Die Financial Times (FT) etwa findet die Begr&uuml;ndung des QE mit dem Deflations-argument &bdquo;lame&ldquo;, also eine faule Ausrede. Dass scheint Draghi allerdings wenig auszumachen, solange ihm der Applaus der Finanzm&auml;rkte gewiss ist. Die FT kommt auch zum Schluss, dass sich die Aktienm&auml;rkte freuen k&ouml;nnen, Deflation hin oder her.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Source: BONDWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nur wenige Monate her, dass uns das Deflationsgespenst im Nacken sass. Deflation war in aller Munde, wurde im Internet als Suchbegriff &ouml;fter gegoogelt als z. B. 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