{"id":1631,"date":"2015-05-13T05:00:00","date_gmt":"2015-05-13T05:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/home\/sites\/20b\/7\/760c69a11c\/public_html\/investmentworld.ch\/index.php\/2015\/05\/13\/ist-mehr-gut-und-gut-genug\/"},"modified":"2015-05-13T05:00:00","modified_gmt":"2015-05-13T05:00:00","slug":"ist-mehr-gut-und-gut-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/ist-mehr-gut-und-gut-genug\/","title":{"rendered":"Ist mehr gut und gut genug?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Einverstanden, der Titel der heutigen Kolumne ist auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend, aber in der Wirt-schaft dreht sich nun mal alles um Zahlen. Das Gute an Zahlen ist, dass sie keine Fragen offen lassen, was mehr und was we-niger ist&#8230;..<\/span><\/span><\/p>\n<p>  <!--more--> <\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #00ccff;\">Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld. <a href=\"index.php?option=com_acymailing&amp;view=user&amp;Itemid=107\"><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>Click here to register for your free copy<\/strong><\/span><\/a><a href=\"index.php?option=com_acymailing&amp;view=user&amp;Itemid=1023\"><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/span><\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Martin Neff, Chef&ouml;konom Raiffeisen<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei sind mehr als zwei, eindeutig, was gibt es da noch zu diskutieren? Aber ist mehr auch wirklich besser, oder zumindest gut? Mittler-weile ist das gar nicht mehr immer so eindeutig, zumin-dest seit der Finanzkrise. Wenn eine Volkswirtschaft die quantitativen Wachstumsvorgaben &uuml;bertrifft, dann spricht man gew&ouml;hnlich von &bdquo;guten Wirtschaftsdaten&ldquo;. Schlechte Zahlen von der Wachstumsfront sind dagegen meist mit einem negativen Vorzeichen versehen und werden von den M&auml;rkten entsprechend skeptisch aufge-nommen. Im Kontext des Wirtschaftswachstums ist mehr also sicher mal gut. Doch so zuverl&auml;ssig Zahlen als Grad-messer auch sein m&ouml;gen, ihre Interpretation ist gar nicht immer so eindeutig und wandelt mit den Jahren. Vor nicht allzu langer Zeit h&auml;tte man sich Inflationsraten wie die aktuellen herbeigew&uuml;nscht, heute werden Inflations-raten unter 1% aber eher skeptisch betrachtet. Zinsen unter 1% w&auml;ren vor wenigen Jahren gar als Signal h&ouml;chster Not interpretiert worden. Damals h&auml;tte man sich gefragt, ob eine Wirtschaft &uuml;berhaupt so angeschla-gen sein kann, dass es eine derart radikale Wiederbele-bungs&uuml;bung braucht? Und heute sind sich &ndash; zumindest alle Geldh&uuml;ter &ndash; einig, dass die Nullzins&auml;ra ein Ding der Notwendigkeit ist. Zahlen sind demnach auch relativ geworden, genauso wie ihre Interpretation. Ausser beim Wachstum, denn davon wollen wir alle mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch stossen wir nicht an Grenzen des Wachstums, zu-mindest in vielen reifen Volkswirtschaften, zu denen auch die Schweiz geh&ouml;rt? Und zwar nicht, weil uns die Natur diese aufzeigt, wie das vom Club of Rome gesponserte und viel zitierte Werk &bdquo;The Limits of Growth&ldquo; 1972 kol-portierte, sondern weil wir nahezu ges&auml;ttigt sind? Davon wollen die meisten Wachstumsgl&auml;ubigen nichts wissen. Nat&uuml;rlich w&uuml;rden die meisten gern ein teureres Auto fahren, ein gr&ouml;sseres Haus bewohnen, mehr Urlaub ma-chen und vieles mehr. Bed&uuml;rfnisse wird es immer geben, das ist aber nicht die Frage, sondern es stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Die Haushaltstheorie unterstellt in ihrem Nutzenkonzept, dass wir nur dann konsumieren, wenn wir uns vom Konsum einen positiven Nutzen ver-sprechen. Das kann auf Grund des Wohlbefindens sein, aus purer Freude am Konsum oder auch nach gestilltem Heisshunger. Dar&uuml;ber hinaus &ndash; so die Theorie &ndash; konsu-mieren wir nur so lange mehr, wie der Grenznutzen positiv ist. Der Grenznutzen ist der zus&auml;tzliche Nutzen, den eine weitere Einheit eines Konsumgutes stiftet. Zur Ver-anschaulichung wird am besten ans Weintrinken erin-nert. Mit jedem Glas Wein, das wir konsumieren, nimmt der Grenznutzen ab. Optimal w&auml;re, so viel zu trinken, bis der Grenznutzen bei null liegt. Da spricht der &Ouml;konom vom Nutzenoptimum. Unschwer sich vorzustellen, was passiert, wenn diese Grenze &uuml;berschritten wird. Der &Ouml;konom spricht jetzt von negativem Grenznutzen, was angesichts eines Alkoholrausches auch als Schaden auf-gefasst werden darf. In der idealisierten Welt der aggre-gierten Volkswirtschaft werden wir Konsumenten, die sogenannten privaten Haushalte, fast nie negatives Grenznutzenterrain betreten. Wir optimieren im Gegen-teil den Nutzen eines riesigen B&uuml;ndels an G&uuml;tern und Dienstleistungen, in dem wir von jedem so viel konsumie-ren, bis der Grenznutzen nicht mehr zunimmt. Auch weil wir vollst&auml;ndig informiert sind und genau das tun, was die Theorie von uns erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nimmersatt? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem solchen Konzept ist S&auml;ttigung zwar kein Fremdwort, aber wenn das Einkommen steigt (Wachs-tum), dann werden wir auch stets neue oder h&ouml;herwerti-ge G&uuml;ter oder Dienste konsumieren, von denen wir vor Jahren nicht einmal wussten, geschweige denn, dass sie uns einmal Nutzen stiften w&uuml;rden. Die Wirtschaft gene-riert in diesem Konzept also die Bed&uuml;rfnisse im Sinne von Angebot schafft Nachfrage. Das wird in der neoliberalen Gedankenwelt ewig so weiter gehen. Ein Blick auf die demographische Entwicklung zeigt aber, dass es anders kommen wird und das ist eine Prognose mit h&ouml;chster Treffsicherheit. In den meisten hochentwickelten Volks-wirtschaften ist der Alterungsprozess weit fortgeschritten und die Konsumneigung nimmt mit zunehmenden Alter ab. Japan f&uuml;hrt vor Augen, dass dies eine auch heute noch g&uuml;ltige Hypothese ist. Dort brummt der Konsum-motor schon lange flau, auch bei guter Konsumenten-stimmung. Migration, gerade von j&uuml;ngeren Erwerbst&auml;ti-gen kann diese demographische Falle aufschieben, aber kaum stoppen. Zudem nimmt migrationsbedingt das Pro- Kopf-Wachstum weniger zu als das gesamte Bruttosozi-alprodukt. Das Wachstum wird schliesslich auf mehr K&ouml;pfe verteilt, auch hierzulande. Wenn am Ende die Gesundheits- und Sozialkosten, Pflegeheime f&uuml;r Betagte oder die &ouml;ffentliche Verwaltung immer h&ouml;here Beitr&auml;ge zum bescheidener werdenden Wachstum beisteuern, kann uns das nicht recht sein und auch den Propagandis-ten des Wachstums nicht. Es wird Zeit, nicht die Wachs-tumsrate zur Schicksalsfrage hochzustilisieren, sondern die Qualit&auml;t unseres Wachstums mal genauer zu inspizie-ren. Ich bin mir sicher, dass wir Grenzen des Wachstums finden und anerkennen w&uuml;rden und sogar jede Menge negativen Grenznutzen. Nicht S&auml;ttigung ist das Problem der Industriel&auml;nder in der Wachstumsdiskussion, sondern &Uuml;bers&auml;ttigung oder netter ausgedr&uuml;ckt: Konsumm&uuml;dig-keit. Von wegen Nimmersatt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Source: BONDWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einverstanden, der Titel der heutigen Kolumne ist auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend, aber in der Wirt-schaft dreht sich nun mal alles um Zahlen. 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