{"id":20323,"date":"2022-09-14T09:29:26","date_gmt":"2022-09-14T07:29:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=14600"},"modified":"2024-01-23T15:58:23","modified_gmt":"2024-01-23T14:58:23","slug":"lemania-pension-hub-2022-ein-aussergewoehnliches-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/lemania-pension-hub-2022-ein-aussergewoehnliches-jahr\/","title":{"rendered":"Lemania Pension Hub : 2022, ein aussergew\u00f6hnliches Jahr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Lemania Pension Hub : Das Jahr 2022 zeigt sich gegen\u00fcber den Anlegern recht grausam. Die erste Jahresh\u00e4lfte war katastrophal.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Jean-Sylvain Perrig, Vorsitzender des lemania pension hub Anlageausschusses<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Anlageklassen lieferten Renditen im tiefroten Bereich. Die Anleihenblase platzte dank eines beispiellosen Anstiegs der Inflation, welche unsere Zentralbanker nicht hatten kommen sehen. Wenn man dann noch einen Krieg auf europ\u00e4ischem Boden, der eine massive Energieknappheit bef\u00fcrchten l\u00e4sst und die D\u00fcrre in unserer n\u00f6rdlichen Hemisph\u00e4re als Folge des Klimawandels hinzurechnet, haben wir gute Gr\u00fcnde, schwarz zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zentralbanker unter Beobachtung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende Juni standen daher die Anleger am Rande eines Nervenzusammenbruchs, da sie zwischen Zentralbanker mit einer weniger grossz\u00fcgig ausgestatteten Liquidit\u00e4t und einer Weltwirtschaft auf dem Weg in die Rezession eingeklemmt waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfangs Sommers beruhigte sich die Lage wieder. Es scheint, als ob die Inflationserwartungen in den USA und in den westlichen L\u00e4ndern ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten haben. Die Zentralbanker stehen vor einer Herkules-Aufgabe. Sie m\u00fcssen glaubw\u00fcrdig bleiben, da es im heutigen Zeitpunkt unm\u00f6glich ist, die Zinsen \u00fcber die Inflation anzuheben. Der Bestand an Staatsschulden l\u00e4sst dies nicht zu. Daher bleiben die Realzinsen[1] trotz einer weniger akkommodierenden Geldpolitik negativ. Und diese Situation wird voraussichtlich anhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im Juni \u00fcberrascht. Sie hob ihren Leitzins v\u00f6llig unerwartet um ein halbes Prozent auf -0,25% an, ohne auf die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) zu warten. Vor dem Hintergrund des starken Inflationsdrucks macht die St\u00e4rke des Frankens unseren Zentralbankern keine Angst mehr &#8211; im Gegenteil, sie ist ein Segen. Die helvetische W\u00e4hrung hat dadurch erheblich an St\u00e4rke gewonnen. Der langfristige Aufwertungstrend des Franken ist fest verankert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine \u00c4ra geht zu Ende<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die r\u00fcckl\u00e4ufige Demografie des Westens, die technologische Innovation sowie die Globalisierung schienen uns bestenfalls zu einem m\u00e4ssigen Wirtschaftswachstum mit niedriger oder gar keiner Inflation zu verurteilen. Es drohte uns eine Deflation. Das glaubten wir vor der Pandemie. Seit der Pandemie, auf die der Krieg folgte, sind die Fundamentaldaten dieselben, die Kapitalstr\u00f6me werden aber anders zugeteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Globalisierung hat den Wohlstand rund um den Globus neu verteilt: Sie hat es vielen Schwellenl\u00e4ndern erm\u00f6glicht, einen erheblichen Teil ihrer Bev\u00f6lkerung aus der extremen Armut zu befreien, insbesondere in Asien. Allerdings hat sie auch den Wohlstand in den Industriel\u00e4ndern konzentriert, wo ein Teil der Mittelschicht verarmt ist. Dies erm\u00f6glicht es heute Populisten aller Couleur, an den Wahlurnen Erfolg zu haben, da sich viele B\u00fcrger wirtschaftlich und in ihren Wertvorstellungen bedroht f\u00fchlen. Die Aussicht, den Winter in der K\u00e4lte verbringen zu m\u00fcssen, um Energie zu sparen, obwohl man gerade eine schmerzhafte gesundheitliche Krise hinter sich hat, d\u00fcrfte Politiker, welche die &#8220;Rasur gratis&#8221; versprechen, weiter beg\u00fcnstigen. Um dies so weit wie m\u00f6glich zu verhindern, m\u00fcssen die \u00e4rmsten Haushalte unterst\u00fctzt werden. Die Haushaltsdisziplin wird daher nicht auf der Tagesordnung stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Neuordnung der Weltwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir befinden uns nun in einem Wettlauf mit der Zeit. F\u00fcr die Unternehmen geht es darum, die Produktionslinien zu verdoppeln und\/oder zu repatriieren (Onshoring). Dadurch wird sowohl das Risiko von Produktionsunterbrechungen verringert als auch der CO2-Fussabdruck reduziert. Diese \u00dcberlegungen d\u00fcrften in den kommenden Jahren zu erheblichen Investitionsausgaben f\u00fchren, um die Produktionslinien enger zu verzahnen und zu automatisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Staaten geht es ebenfalls darum, zu investieren. Die Infrastruktur muss erneuert und angepasst werden. Ebenso muss die Energieversorgung sichergestellt werden, insbesondere durch erneuerbare Energien. In Europa ist dies angesichts des Krieges in der Ukraine und der beschleunigten globalen Erw\u00e4rmung eine absolute Dringlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Europ\u00e4er wird im Kontext des europ\u00e4ischen Aufbauwerks und der Haushaltszw\u00e4nge von Maastricht Kreativit\u00e4t gefragt sein: Einige Ausgaben k\u00f6nnen als Investitionen verbucht werden, andere werden wahrscheinlich auf europ\u00e4ischer Ebene budgetiert. Der hohe Bestand an Staatsschulden sollte somit kein Hindernis darstellen. In den USA gibt es kurzfristig keine Probleme mit der Energieversorgung. Wie man jedoch am letzten Teil des Biden-Plans, dem &#8220;Inflation Reduction Act&#8221;, gesehen hat, besteht auch in den USA der Wunsch, die Infrastruktur zu modernisieren und zu begr\u00fcnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die globale Erw\u00e4rmung, Kriege, Pandemien und Handelsspannungen zwingen Staaten und Regierungen dazu, ihre Gesch\u00e4ftsmodelle in Bezug auf Energie, Umwelt und Handel zu \u00fcberdenken. Es ist eine Welt, die wir neu aufbauen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00dcbergang von der &#8220;Low-Cost-Globalisierung&#8221;, wie manche sie nennen, zu einer gr\u00fcnen &#8220;Glokalisierung&#8221; d\u00fcrfte im kommenden Jahrzehnt zu einer beispiellosen Investitionswelle f\u00fchren. Der Mangel an Arbeitskr\u00e4ften, die Knappheit an Rohstoffen und die Schwierigkeiten beim Transport von Waren \u00fcben einen Aufw\u00e4rtsdruck auf die Preise aus. Dabei handelt es sich nicht um ein Epiph\u00e4nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeit der billigen Arbeitskr\u00e4fte scheint vorbei zu sein, nachdem China nicht mehr als Reservoir f\u00fcr sie fungiert. Da wir zu wenig in den Energiesektor investiert haben, werden wir akzeptieren m\u00fcssen, dass wir nun f\u00fcr Energie mehr bezahlen m\u00fcssen. Beide Elemente &#8211; Arbeit und Energie &#8211; haben in der Vergangenheit als deflation\u00e4re Kr\u00e4fte gewirkt. Sie werden in den kommenden Jahren zur Teuerung beitragen. Es wird einige Zeit dauern, bis wir uns an diese neue Realit\u00e4t angepasst haben. Wir erleben einen Regimewechsel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bevorzugung von Aktien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Finanzm\u00e4rkte sind nerv\u00f6s. Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren mit Zinserh\u00f6hungen hat der pl\u00f6tzliche Anstieg der Zinsen auch riskante Anlagen unter Druck gesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem oben beschriebenen Umfeld werden die Zinsen weiter steigen. Dieser Prozess braucht jedoch Zeit, erstreckt sich \u00fcber Jahre und verl\u00e4uft &#8220;treppenf\u00f6rmig&#8221;. Man kann dies anhand des zehnj\u00e4hrigen Zinssatzes der Schweizer Regierung veranschaulichen: Es dauerte zwanzig Jahre, um von 4,1% zu Beginn des Jahrhunderts auf -0,6% Ende 2019 zu fallen. Von einem Niveau von 0% Ende 2021 kann man sich vorstellen, dass man in zwanzig Jahren wieder bei 4% liegt. Das ist nichts Aussergew\u00f6hnliches. Das bedeutet, dass die Renditen von Anleihen in den n\u00e4chsten Jahren bestenfalls niedrig bleiben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Umfeld einer zeitlich gestreckten Anpassung der Zinsen nach oben bieten Aktien bessere Aussichten. Die Unternehmen k\u00f6nnen die Preiserh\u00f6hungen, die sie hinnehmen m\u00fcssen, auf ihre Verkaufspreise umw\u00e4lzen. Die Gewinne passen sich an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rendite des Schweizer Marktes (SPI)2 betrug in den letzten 20 Jahren annualisiert nur 4,8% und lag damit unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 7,7% pro Jahr von 1926 bis 2021. Anders als bei Anleihen kommen wir nicht aus einer Blase. Abgesehen von einigen Ausnahmen haben Aktien seit der Jahrhundertwende Bewertungen unter ihrem Durchschnitt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sch\u00fctzen Sie Ihr Kapital langfristig.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Vorsorgekontext mit einem langen Zeithorizont ist es von entscheidender Bedeutung, eine L\u00f6sung zu w\u00e4hlen, die es erm\u00f6glicht, die Kaufkraft im Ruhestand zu erhalten. Anlagel\u00f6sungen, die mehrheitlich Anlagen in Anleihen vorsehen, sind daher nicht geeignet, dieses Ziel zu erreichen. Ein maximales Risikobudget sollte in Abh\u00e4ngigkeit zu seinem Zeithorizont festgelegt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Menschheit mit grossen Krisen konfrontiert ist, wie sie das 20. Jahrhundert erlebt hat, erreicht die Innovation ihren H\u00f6hepunkt. Die Zukunft ist ungewiss, wir sind nie vor der Dummheit machthungriger Herrscher oder vor grossen Naturkatastrophen sicher. Dennoch neigen wir dazu, die Kreativit\u00e4t der Menschheit zu untersch\u00e4tzen. Henry Ford sagte einmal: &#8220;Wenn ich die Menschen gefragt h\u00e4tte, was sie wollen, h\u00e4tten sie mir geantwortet: schnellere Pferde.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Schweizer-Franken-Anleihen kann man sich nicht vor der inflationsbedingten Kapitalerosion sch\u00fctzen, die Realzinsen d\u00fcrften noch viele Jahre lang negativ bleiben. Bei Aktien gibt es zugegebenermassen manchmal starke Kursschwankungen, was auch ein Grund daf\u00fcr ist, dass man langfristig besser f\u00fcr das eingegangene Risiko entsch\u00e4digt wird. Denken Sie daran, wenn Sie eine L\u00f6sung f\u00fcr Ihre zweite S\u00e4ule oder Ihren Pensionsfonds w\u00e4hlen. Wenn gleichzeitig die Verg\u00fctung f\u00fcr die Arbeit steigt und jene f\u00fcr das Kapital stagniert, wird niemand daran denken, sich dar\u00fcber zu beschweren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">1 Der Realzins ist der Nominalzins &#8211; die Inflationsrate. Wenn er unter null liegt, sinkt die Kaufkraft des Geldes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 8pt;\">2SPI : Swiss Performance Index<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: InvestmentWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lemania Pension Hub : Das Jahr 2022 zeigt sich gegen\u00fcber den Anlegern recht grausam. 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