{"id":2122,"date":"2016-06-30T05:00:00","date_gmt":"2016-06-30T05:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/home\/sites\/20b\/7\/760c69a11c\/public_html\/investmentworld.ch\/index.php\/2016\/06\/30\/die-kohle-haelt-europa-zusammen\/"},"modified":"2016-06-30T05:00:00","modified_gmt":"2016-06-30T05:00:00","slug":"die-kohle-haelt-europa-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/die-kohle-haelt-europa-zusammen\/","title":{"rendered":"Die Kohle h\u00e4lt Europa zusammen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vor 65 Jahren, am 18. April 1951 unterzeichneten die Beneluxstaaten sowie Deutschland, Frankreich und Italien den Vertrag zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft f&uuml;r Kohle und Stahl (EGKS)&#8230;..<\/p>\n<p>  <!--more--> <\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #00ccff;\">Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld. <a href=\"index.php?option=com_acymailing&amp;view=user&amp;Itemid=107\"><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>Click here to register for your free copy<\/strong><\/span><\/a><a href=\"index.php?option=com_acymailing&amp;view=user&amp;Itemid=1023\"><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/span><\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Martin Neff, Chef&ouml;konom Raiffeisen<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches war das die erste grenz&uuml;berschreitende Gemeinschaftsorganisation in Europa. Dieser Zusammenschluss hatte neben der wirtschaftlichen Komponente sicher auch eine politische. Nicht nur der Wiederaufbau Europas, sondern vor allem Friede hiessen die hehren Ziele der damaligen Exekutiven.&nbsp;Die Idee, die deutsche und franz&ouml;sische Stahlproduktion zusammenzuf&uuml;hren, war aber auch etwas aus der Not geboren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kohle und Stahl waren damals f&uuml;r die europ&auml;ische Wirtschaft elementare Wirtschaftszweige, die Besch&auml;ftigung in der Branche ein gesamtwirtschaftliches Stimmungsbarometer des Arbeitsmarktes und so ein politischer Triggerpunkt. Vor allem aber waren die Branchen schon damals krisenanf&auml;llig.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die Deutschen damals ihren Kruppstahl &uuml;ber den Klee lobten und sich dieser Mythos noch f&uuml;r eine kurze Zeit auf den schwedischen Stahl &uuml;bertrug, war bald schon absehbar, dass die Branche(n) den H&ouml;hepunkt l&auml;ngst &uuml;berschritten hatten. Es folgten bekanntlich drei grosse Stahlkrisen, welche dem Massenstahl den Todesstoss versetzten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EGKS war in der Retrospektive eigentlich nicht mehr als ein von den Vertragspartnern aufgespannter Rettungsschirm f&uuml;r eine sich im Niedergang befindliche Branche. Heute sind weder Kohle noch Stahl europ&auml;ische Exportschlager. Sie wurden nur k&uuml;nstlich am Leben gehalten. Die Differenzierung im Stahlmarkt &uuml;ber die Qualit&auml;t gelingt nur wenigen Anbietern in zwar lukrativen, aber kleinen Nischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansonsten ist der Preis der wichtigste Wettbewerbsfaktor der Stahlbranche und da hat Europa heute nur wenige bis gar keine Chancen. Die Kohlef&ouml;rderung, ob schwarz im Westen oder braun im Osten war ohnehin nie ein kompetitiver Wirtschaftszweig sondern mehr ein politisches Statement. Immerhin schweisste die Kohle Europa doch irgendwie zusammen. Genau wie heute, nur wird die Kohle nicht mehr abgebaut, sondern von der EZB in hohen Dosierungen an ein marodes Bankensystem verabreicht, wo es fast komplett versiegt oder an den Finanzm&auml;rkten verpufft.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lehrst&uuml;ck der Geschichte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es um den Kohlebergbau in Europa steht, ist gemeinhin bekannt. Europa z&auml;hlt schon lange nicht mehr zu den namhaften Produzenten. Polen, gr&ouml;sster Kohleproduzent Europas (ohne Russland mit 4.3% Marktanteil), belegt mit einem Minimarktanteil von knapp 1.5% an der weltweiten Kohleproduktion Rang 9, Deutschland mit 1.1% Rang 11. China f&ouml;rdert fast die H&auml;lfte der globalen Kohle, die USA knapp 13%, Indonesien und Australien stemmen jeweils gut 7% des Weltaufkommens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Niedergang der Kohle vermochte die EKGS also nicht zu stoppen. Lediglich ihr Niedergang wurde teuer flankiert. Auch f&uuml;r Stahl begr&uuml;ndete die EKGS keine Erfolgsstory, sondern verl&auml;ngerte lediglich deren Leiden f&uuml;r ebenso teures Geld. Auch wenn man beim Googeln unter &bdquo;europ&auml;ische Stahlkrise&ldquo; f&uuml;ndig wird, muss man bei Stahl effektiv den Plural bem&uuml;hen. Es gab n&auml;mlich kein Jahrzehnt nach Unterzeichnung des EKGS, in dem die Branche &ndash; konkret die Herstellung des Massenstahls &#8211; von der Krise nicht wieder eingeholt worden w&auml;re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der EKGS verfehlte seine (wirtschaftlichen) Ziele eindeutig. Auf der Grundlage eines gemeinsamen Marktes sollten der Wirtschaft Wachstumsimpulse vermittelt und so die Besch&auml;ftigung gesteigert werden. Tats&auml;chlich schmolz der Marktanteil der europ&auml;ischen Stahlbranche aber massiv. Heute liegt er f&uuml;r die EU28 noch bei knapp 10%, China bringt es auf fast 50% Marktanteil. Einen exorbitanten Marktanteil verzeichnet die europ&auml;ische Stahlindustrie hingegen bei den Produktionsausf&auml;llen wegen Tarif- oder anderen Streiks. Das scheint schon fast ein Lehrst&uuml;ck der Geschichte. Wenn Europa sich zusammentut, um einen Angeschlagenen zu retten, geht vieles, ja fast alles schief &ndash; Kohle hin oder her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kitt statt Kohle<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch heute sorgt haupts&auml;chlich die Kohle f&uuml;r Zusammenhalt in Europa. Die Fehlkonstruktion der gemeinsamen W&auml;hrung wird um jeden Preis verteidigt, allerdings nur an den Flanken und nicht an den Grundfesten, was extrem teuer kommt. Heute fliesst quer durch den W&auml;hrungsraum Kohle und zwar in jede Richtung, um den Anschein einer Solidargemeinschaft mit einer grossen und vor allem gemeinsamen Zukunft zu erwecken, die nur ein tempor&auml;res Problem beheben muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Kitt in Form des freien Willens ersetzt die Kohle allerdings nicht. Die Entscheidung der Briten f&uuml;r den Brexit zeigt deutlicher denn je die Grenzen dieser selbsternannten Solidargemeinschaft. Man m&ouml;chte den Austritt so schmerzhaft wie m&ouml;glich machen. Wer k&uuml;ndigt soll leiden, so die Br&uuml;sseler und vor allem Pariser Devise. Die Frage nach dem Grund der britischen K&uuml;ndigung ist dabei sekund&auml;r, denn der W&auml;hrungsraum und die Wirtschaftsunion sind gegen jeden Zweifel erhaben. Ein Austritt kommt da einer Majest&auml;tsbeleidigung gleich, doch aufgepasst. Die EU w&auml;re gut beraten, erst einmal den Groll beizulegen, dann gr&uuml;ndlich nachzudenken und nicht gleich &#8211; wie gewohnt &ndash; loszubr&uuml;llen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn es ist in keinem Interesse, die britischen Inseln in die v&ouml;llige Isolation zu entlassen. Das hat auch Frau Merkel gemerkt, die sich nicht am Bashing auf die Briten beteiligte, erwirtschaftet Deutschland doch fast 50 Milliarden Euro &Uuml;berschuss allein im Warenverkehr mit dem Vereinigten K&ouml;nigreich.<\/p>\n<p><strong>Falsche und verlogene Eile<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die abenteuerlichen Diskussionen in Grossbritannien nach dem grossen Katzenjammer haben erst begonnen. Daher muss man den Briten jetzt unbedingt Zeit geben, denn das Land steht Kopf und vielleicht sogar vor einer Spaltung. Das kann Europa keine Freude schenken, denn der Schaden wird nicht ausbleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Brexit folgte zudem noch der f&uuml;r die Engl&auml;nder besonders dem&uuml;tigende Exit von der Fussballeuropameisterschaft gegen den Fussballzwerg aus Island. Da m&uuml;ssen sich die Briten erst mal wieder zusammenraufen und allen voran die Engl&auml;nder neues Selbstvertrauen sch&ouml;pfen. Die Hetze aus Br&uuml;ssel ist voll daneben und schlecht getimt. Und den britischen Premier zum R&uuml;cktritt zu g&auml;ngeln, nur um rasch den Beginn der Scheidungsverhandlungen einzuleiten, ist eine armselige und hohle Machtdemonstration. Dass die EU aufs Tempo dr&uuml;ckt, ist zudem artfremd f&uuml;r eine Spezies, die Meister im Lahmstil ist und am besten darin, Probleme auf die lange Bank zu schieben. Die durch Brexit geschaffene Unsicherheit ist gem&auml;ss Br&uuml;ssel ein dermassen brennendes Problem, dass es sofort vom Tisch muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grexit war dagegen wiederholt ein Zuckerschlecken, das man nie l&ouml;sen musste? Auch andere Probleme bleiben ungel&ouml;st, die Fl&uuml;chtlinge k&ouml;nnen in Griechenland ruhig noch l&auml;nger bleiben, die Schlepper sich quer durch Europa breit machen, aber der Brexit kann man nicht lange aussitzen? Das ist naiver Trotz, zumal sich Grossbritannien nicht aus dem Paradies verabschiedet hat, sondern eher aus einem d&uuml;steren Waisenhaus. Doch Br&uuml;ssel w&uuml;rde die Briten am liebsten im Schnellverfahren rauswerfen und abhaken.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>EU-Logik: Besser griechisch als englisch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H&auml;tte die europ&auml;ische Politik zum Beginn der Eurokrise &auml;hnlich aufs Tempo gedr&uuml;ckt, oder besser noch viel, viel fr&uuml;her ihre Versprechungen und Vertr&auml;ge eingehalten, w&auml;re Grossbritannien heute ein verl&auml;ssliches Mitglied der EU geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wer weiss &ndash; vielleicht w&auml;re sogar das Pfund l&auml;ngst schon Geschichte. So wie die europ&auml;ischen Hochburgen von Stahl und Kohle, die am Ende Opfer der Gemeinschaft wurden. F&uuml;r einmal ist Geduld die Mutter der Porzellankiste dies und jenseits des &Auml;rmelkanals.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Quelle: BONDWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 65 Jahren, am 18. 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