{"id":21284,"date":"2015-11-30T09:00:00","date_gmt":"2015-11-30T09:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/index.php\/2015\/11\/30\/interview-die-zukunft-fossiler-brennstoffe-in-einer-co2-armen-wirtschaft\/"},"modified":"2015-11-30T09:00:00","modified_gmt":"2015-11-30T09:00:00","slug":"interview-die-zukunft-fossiler-brennstoffe-in-einer-co2-armen-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/interview-die-zukunft-fossiler-brennstoffe-in-einer-co2-armen-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Interview: Die Zukunft fossiler Brennstoffe in einer CO2-armen Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Klimawandel ist eine der komplexesten und dringlichsten Nachhaltigkeitsherausforderungen, mit denen sich die Welt heute konfrontiert sieht. Dieser Dringlichkeit war man sich nie so bewusst wie&#8230;&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"FR\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif;\"><\/span><\/span><\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bertrand Janus, Head of CSR Reporting, Total<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\">Interview 11 2015 Robeco SAM<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">im Vorfeld der in Paris stattfind&shy;enden UN-Klimakonferenz (COP 21), bei der ein globales Abkommen zur Be&shy;grenzung der CO2-Emissionen angestrebt wird. Bertrand Janus, der bei Total f&uuml;r die CSR-Berichterstattung verantwortlich ist, war beim diesj&auml;hrigen RobecoSAM Forum in Z&uuml;rich einer von drei renommierten Teilnehmern der Po&shy;diumsdiskussion &laquo;The future of fossil fuel investing&raquo;. W&auml;hrend der Podiumsdiskussion erl&auml;uterte er, wie sich die &Ouml;l-und Gasindustrie auf eine CO2-arme Wirtschaft vorbereitet. In den nachstehenden Ausz&uuml;gen werden die wichtigsten Punkte beleuchtet, die er im Rahmen dieser lebhaften Diskussion zur Sprache brachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Desinvestition aus fossilen Energietr&auml;gern gewinnt bei bestimmten Investoren zunehmend an Bedeutung. Wie sehen Sie die derzeitigen Divestment-Kampagnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Investoren haben zwar einen gewissen Einfluss und der Dialog mit Unternehmen im fossilen Sektor ist &auml;usserst wichtig, doch darf nicht vergessen werden, dass mehr als 70% der weltweiten fossilen Res&shy;sourcen de facto von Staaten oder staatlichen Unternehmen kontrol&shy;liert werden. Auf den Grossteil der fossilen Brennstoffreserven wird ein blosser Kapitalabzug aus den Unternehmen des fossilen Sektors daher letztlich nur geringe Auswirkungen haben. Um Einfluss auf die von Staaten kontrollierten Reserven fossiler Brennstoffe zu gewinnen, werden andere Mittel erforderlich sein, insbesondere ein verbindliches globales Abkommen bei den UN-Klimaverhandlungen im Dezember 2015 in Paris (COP21).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie reagiert die &Ouml;l- und Gasindustrie auf den Klimawandel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun&auml;chst sei daran erinnert, dass der &Ouml;l- und Gassektor sehr vielf&auml;ltig ist. Weltweit gibt es etwa 150 &Ouml;l- und Gasunternehmen. Einige davon sind grosse internationale &Ouml;l- und Gaskonzerne wie BP, Shell, ExxonMobil, Total, Chevron und andere, die in vielen L&auml;ndern t&auml;tig sind, dabei jedoch immer mit den einzelnen Staaten verhandeln, um eine Genehmigung f&uuml;r die Nutzung der Vorkommen bzw. Zugang dazu zu erhalten. Dann gibt es kleinere Unternehmen, die oft in sehr wenigen L&auml;ndern bzw. in manchen F&auml;llen nur in den Vereinigten Staaten t&auml;tig sind. Und schliesslich gibt es nationale &Ouml;lgesellschaften, die zu den weltweit gr&ouml;ssten z&auml;hlen und grossenteils vom Staat kontrolliert werden. Es ist also sehr schwer &uuml;ber den &Ouml;l- und Gassek&shy;tor als Ganzes zu sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig ist Total Mitglied der IPIECA, der internationalen Vereini&shy;gung der &Ouml;l- und Gasindustrie f&uuml;r Umwelt- und Sozialfragen. Die IPIECA ist eine grosse Vereinigung, die rund 60 % der weltweiten &Ouml;l- und Gasproduktion repr&auml;sentiert. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP 21) hat die IPIECA eine Taskforce eingerichtet, die das Doku&shy;ment &laquo;The Paris Puzzle&raquo; erarbeitet hat, das im Juni 2015 ver&ouml;ffen&shy;tlicht wurde. Wir sind konsensorientiert und dieses Dokument ist das Ergebnis sehr langer Diskussionen. Es spiegelt die derzeitige Haltung der &Ouml;l- und Gasindustrie in Bezug auf den Klimawandel wider. Ich glaube allerdings nicht, dass wir dieses Dokument schon vor ein paar Jahren ver&ouml;ffentlichen h&auml;tten k&ouml;nnen, was zeigt, dass sich derzeit ein Wandel vollzieht. Dieses Dokument macht deutlich, dass sich die &Ouml;l- und Gasindustrie bewusst ist, dass der Klimawandel f&uuml;r uns und f&uuml;r die k&uuml;nftigen Generationen eine Herausforderung darstellt, dass dringender Handlungsbedarf besteht und dass die Branche zur Bew&auml;ltigung dieser Herausforderung beitragen kann. Der Energiesektor ver&auml;ndert sich jedoch nur langsam und manchmal dauert es Jahre, bis Fortschritte erzielt werden. Auch wenn rasch Massnahmen ergriffen werden k&ouml;nnen, werden einige Ver&auml;nderungen Zeit brauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist bei den Bem&uuml;hungen zur Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft die gr&ouml;sste Herausforderung f&uuml;r Ihr Unternehmen bzw. f&uuml;r den &Ouml;l- und Gassektor?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind uns bewusst, dass das Problem des Klimawandels dringend angegangen werden muss. Doch wie gesagt, die Umstellung des Energiesystems erfordert Zeit. F&uuml;r uns besteht die Herausforderung also darin, zu ermitteln, wie wir unser Gesch&auml;ftsmodell anpassen, unsere Cashflows in CO2-arme Energiealternativen reinvestieren und zugleich unsere Kernkompetenzen optimal nutzen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erkennen an, dass wir Teil des Problems sind, aber Energie ist ein sehr umfassender und wichtiger Bestandteil der Weltwirtschaft und durch das Verbrennen fossiler Energietr&auml;ger ist jeder Teil des Prob&shy;lems. Wir wollen nicht nur &laquo;die B&ouml;sen&raquo; sein, denen die Schuld zuges&shy;choben wird, wir m&ouml;chten auch sagen k&ouml;nnen, dass wir Teil der L&ouml;sung sind, da wir uns bem&uuml;hen, die Welt auf ihrem Weg zu einer CO2-armen Wirtschaft zu unterst&uuml;tzen, indem wir auf eine Effizienz&shy;steigerung beim Endverbrauch unserer Brennstoffe hinarbeiten oder beispielsweise mit Fahrzeugherstellern und Verbrauchern zusam&shy;menarbeiten, um die Energieeffizienz von Fahrzeugen zu erh&ouml;hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats&auml;chlich wollen eine Reihe von Unternehmen weitere Schritte in diese Richtung machen. Deswegen wurde beim Weltwirtschaftsfo&shy;rum 2014 die Klimainitiative der &Ouml;l- und Gasindustrie, die Oil and Gas Climate Initiative (OGCI), ins Leben gerufen, die nunmehr zehn Mitglieder z&auml;hlt: BG Group, BP, Eni, Pemex, Reliance, Repsol, Saudi Aramco, Shell, Statoil und Total. Die OGCI ist eine freiwillige, von der Branche getragene Initiative, die darauf abzielt, durch den Austausch &uuml;ber bew&auml;hrte Verfahren und die F&ouml;rderung einer branchenweiten Zusammenarbeit bei der Bek&auml;mpfung des Klimawandels sinnvolle Klimaschutzmassnahmen anzustossen. Die CEOs der OGCI trafen zum ersten Mal am 16. Oktober 2015 in Paris zusammen, um gemeinsam an einer Verbesserung ihrer Klimabilanz zu arbeiten und ihre Unter&shy;st&uuml;tzung f&uuml;r ein globales Abkommen zur Begrenzung der Erderw&auml;r&shy;mung auf 2&deg; C zu bekr&auml;ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Schritte unternimmt Total im Hinblick auf den &Uuml;bergang zu einer CO2-armen Wirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Total hat Sunpower &uuml;bernommen und ist seit 2011 einer der gr&ouml;ssten Solarmodulhersteller. Bei unserem Investorentag, der im September in London stattgefunden hat, haben wir angek&uuml;ndigt, dass wir in den kommenden Jahren regelm&auml;ssig (bis zu 500 Mio. USD j&auml;hrlich) in erneuerbare Energien investieren werden. Es ist eine schwierige Herausforderung, denn sie ist global und muss daher auf globaler Ebene bew&auml;ltigt werden, von einer Vielzahl von L&auml;ndern mit unter&shy;schiedlichen Interessen. Doch wir m&uuml;ssen jetzt handeln, damit f&uuml;r die k&uuml;nftigen Generationen positive Effekte zum Tragen kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die derzeit in Paris stattfindende Konferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen zielt auf ein globales Abkommen zur Senkung der weltweiten CO2-Emissionen ab. Was erwarten sich die &Ouml;l- und Gasunternehmen von den Politikern und Regulierungsbeh&ouml;rden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m&ouml;chten, dass in Paris ein verbindliches internationales Abkom&shy;men ausgehandelt wird. Wir m&uuml;ssen langfristige Unternehmensin&shy;vestitionen t&auml;tigen und sind deshalb auf Transparenz angewiesen. Unsere Investitionsentscheidungen werden in der Regel auf Basis der bestehenden Rahmenbedingungen definiert und getroffen, daher m&uuml;ssen die k&uuml;nftigen Entwicklungen in diesem Bereich f&uuml;r uns abse&shy;hbar sein. Ausserdem w&uuml;nschen wir uns weltweit gleiche Aus&shy;gangsbedingungen statt z.B. von Region zu Region unterschiedliche Preisbildungsmechanismen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einigen der Initiativen, die ich beschrieben habe, beteiligen sich beispielsweise in erster Linie europ&auml;ische Unternehmen. Ich denke, dass solche Initiativen von amerikanischen Unternehmen bislang nicht aufgegriffen wurden, weil sich Letztere haupts&auml;chlich an den Rechtsvorschriften der Vereinigten Staaten orientieren. Es w&auml;re also interessant zu sehen, was geschehen w&uuml;rde, wenn alle Unterneh&shy;men die gleichen Ausgangsbedingungen h&auml;tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Heisst das, dass Sie einen globalen Preisbildungsmechanismus f&uuml;r CO2-Emissionen unterst&uuml;tzen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja. Das ist etwas, das wir uns w&uuml;nschen, ich bin allerdings nicht sicher, ob wir es bekommen werden. Im Juni dieses Jahres haben sich sechs europ&auml;ische Unternehmen, darunter Total, in einem Schreiben an die Generalsekret&auml;rin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, Christiana Figueres gewandt und einen CO2-Preismecha&shy;nismus gefordert, da wir der Ansicht sind, dass es wirklich ein Signal aussenden w&uuml;rde, wenn CO2-Emissionen einen Preis h&auml;tten. Bei Total ber&uuml;cksichtigen wir bei der internen Evaluierung all unserer neuen Projekte de facto seit 2008 einen CO2-Preis und zwar in H&ouml;he von 25 Euro je Tonne. Das heisst, dass Projekte unter Zugrundelegung der Annahme rentabel sein m&uuml;ssen, dass wir die Kosten f&uuml;r die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu tragen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir das Beispiel Erdgas. Erdgas k&ouml;nnte kurzfristig ein guter &Uuml;bergangsbrennstoff sein, der in der Stromerzeugung die Kohle ersetzen k&ouml;nnte, zumal bei der Kohleverstromung f&uuml;r die gleiche Menge Strom doppelt so viel Treibhausgas emittiert wird wie bei der Gasverstromung. Stattdessen ist in Europa eine vermehrte Nutzung von Kohlekraftwerken zu beobachten, da Kohle im Vergleich zu Gas &auml;usserst g&uuml;nstig ist. W&uuml;rde ein CO2-Preismechanismus f&uuml;r ein Preissignal sorgen, w&uuml;rden de facto andere Energieformen mit einem niedrigeren CO2-Preis bevorzugt werden. Ein CO2-Preis&shy;mechanismus k&ouml;nnte somit ein effektives Mittel sein, um die Reduktion der Kohleverstromung in Angriff zu nehmen.<\/p>\n<p>Quelle:&nbsp;AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel ist eine der komplexesten und dringlichsten Nachhaltigkeitsherausforderungen, mit denen sich die Welt heute konfrontiert sieht. Dieser Dringlichkeit war man sich nie so bewusst wie&#8230;&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":4265,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[74],"tags":[],"class_list":["post-21284","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21284"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21284\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}