{"id":21464,"date":"2015-05-20T09:00:00","date_gmt":"2015-05-20T09:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/index.php\/2015\/05\/20\/lgt-was-hinter-dem-juengsten-bondmarkt-tumult-steckt\/"},"modified":"2015-05-20T09:00:00","modified_gmt":"2015-05-20T09:00:00","slug":"lgt-was-hinter-dem-juengsten-bondmarkt-tumult-steckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/lgt-was-hinter-dem-juengsten-bondmarkt-tumult-steckt\/","title":{"rendered":"LGT: Was hinter dem j\u00fcngsten Bondmarkt-Tumult steckt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sp&auml;testens mit dem j&uuml;ngsten Anstieg der Staatsanleihenrenditen wurde der Finanzjargon-Wortschatz um einen dramatisch klingenden Begriff erweitert: Man spricht von einem &laquo;Tantrum&raquo; &#8211; d.h. einem &laquo;Wutausbruch&raquo; an den Bondm&auml;rkten. Dabei handelt es sich allerdings um nichts weiter als die typische &Uuml;berreaktion auf eine willkommene Normalisierung der sehr tiefen Inflationserwartungen im Anschluss an den Beginn eines neuen &laquo;quantitativen Lockerungsprogramms&raquo;&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p><strong>&nbsp;Mikio Kumada<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitte April kam es an den Staatsanleihenm&auml;rkten zu einem rasanten Anstieg der langfristigen Renditen. Die Entwicklungen im deutschen und franz&ouml;sischen Markt waren besonders volatil: In nur zehn Tagen schnellten die zehnj&auml;hrigen Renditen von Rekordtiefs bei 0.05% bzw. 0.33% auf knapp 0.8% bzw. 1.1% hinauf. Auch in Japan, den USA oder Grossbritannien kletterten die zehnj&auml;hrigen Renditen im relevanten Zeitraum um 20, 50 bzw. 60 Basispunkte h&ouml;her. Die Turbulenzen waren also imposant genug, um von den &uuml;blichen &laquo;Marktschreiern&raquo; prompt mit der erw&auml;hnten eigenen Wortkreation &laquo;geehrt&raquo; zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen tieferen Grund zur Sorge bietet die Episode jedoch kaum. Im Gegenteil: Eigentlich ist diese Entwicklung nur die Folge eines grunds&auml;tzlich willkommenen Anstiegs der tiefen Inflationserwartungen, kombiniert mit einer l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen &laquo;Bereinigung&raquo; &uuml;bertrieben einseitiger Marktpositionen (z.B. zugunsten deutscher oder franz&ouml;sischer Bonds). &Ouml;konomisch gesehen passt sie zudem zu unserem globalen Hauptszenario, das von einem einigermassen passablen oder sogar verbesserten Wirtschaftswachstum ausgeht &#8211; fortan vielleicht mit etwas mehr Inflation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Europ&auml;ische Geldpolitik beeinflusst die Inflationserwartungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Inflationserwartungen geht es seit knapp drei Jahren fast &uuml;berall bergab (nur Japan stellt hier die Ausnahme dar). Zwischen Januar und M&auml;rz wurde jedoch ein Boden gefunden. Genau in dieser Zeit hatte schliesslich die Europ&auml;ische Zentralbank ihr erstes ordentliches (d.h. Staatsanleihen einschliessendes) Programm der &laquo;quantitativen Lockerung&raquo; (QE) angek&uuml;ndigt (22. Januar) bzw. lanciert (5. M&auml;rz). Kurz nach diesen wichtigen geldpolitischen Ereignissen wurden im Roh&ouml;lmarkt die bisherigen zyklischen Tiefstpreise markiert (29. Januar und 18. M&auml;rz). Seitdem steigen die messbaren Inflationserwartungen weltweit wieder etwas an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Bondm&auml;rkte haben auch relativ zeitnah auf diese subtilen Verschiebungen reagiert. In Japan steigen die Renditen schliesslich schon seit Januar, in den USA und Grossbritannien seit Februar und in Italien, Spanien und Portugal seit M&auml;rz. In den Euro-Kernstaaten (inklusive Frankreich) wurde die Stabilisierung der Inflationserwartungen aber offenbar erst k&uuml;rzlich, ab Mitte April, so richtig registriert. Diese Verz&ouml;gerung war insofern &laquo;technischer&raquo; Natur, als dass die meisten EZB-Anleihenk&auml;ufe in den besonders vertrauensw&uuml;rdig geltenden Euro-Kernm&auml;rkten stattfinden. In ihrer Suche vermeintlich &laquo;sicheren&raquo; Renditen hatten sich zu viele Anleger zu einseitig in diesen Segmenten positioniert &#8211; einmal mehr hatte sich damit die &auml;lteste Finanzmarkts&uuml;nde der Welt offenbart. Inzwischen wurde dieses Ungleichgewicht allerdings weitgehend korrigiert .<br \/> &nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Finanzielle &laquo;Repression&raquo; bleibt in Europa und Japan dominierende Kraft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig sollten wir auch die &uuml;bergeordnete Gesamtsituation im Auge behalten. &Uuml;berall dort, wo QE-Programme weiter laufen, d&uuml;rften die Staatsrenditen mittelfristig weiter &laquo;k&uuml;nstlich&raquo; tief bleiben. Es ist schliesslich implizit im Sinne des Erfinders, dass die Realzinsen m&ouml;glichst lange extrem tief oder sogar negativ bleiben. Nur so k&ouml;nnen die in fast allen Volkswirtschaften hohen Schuldenlasten trag- und abtragf&auml;higer gemacht werden. In den letzten Jahren haben wir &#8211; zuerst in den USA und Grossbritannien und dann auch in Japan &#8211; immer wieder erlebt, dass die Renditen um den Zeitpunkt des Beginns eines QE-Programms zun&auml;chst den Inflationserwartungen nach oben folgten &#8211; a la Longue neigten sie aber wieder s&uuml;dw&auml;rts. Die j&uuml;ngsten Bondturbulenzen bieten daher grunds&auml;tzlich durchaus eine Gelegenheit f&uuml;r Zuk&auml;ufe langfristiger Staatsanleihen &#8211; allerdings nur im Rahmen unserer aufgrund der sehr tiefen Renditen nach wie vor deutlichen Untergewichtung der Anlageklasse insgesamt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> <strong>Euroland: Leicht verz&ouml;gerte Reaktion auf Anstieg der Inflationserwartungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer langen Talfahrt setzte in der Zeit zwischen Januar bis M&auml;rz 2015 weltweit eine Stabilisierung bzw. ein Anstieg der marktbasierten Inflationserwartungen ein, wie die erste Grafik aufzeigt. In Eurokernl&auml;ndern wie Deutschland oder Frankreich sanken die Bondrenditen aber trotzdem bis zum &laquo;Tantrum&raquo; vom 17. April geradlinig weiter. Insofern stellt der pl&ouml;tzliche Zinsanstieg nur eine fundamental begr&uuml;ndete und aufgrund der sehr tiefen Erwartungen willkommene Normalisierung des Inflationsausblicks dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4077\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/5e3eb0a6a031411f64a8ec29a0706e85.png\" alt=\"20 05 15 1lgt\" width=\"600\" height=\"206\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In QE-L&auml;ndern d&uuml;rften die Renditen auch bei steigenden Inflationserwartungen mittelfristig weiter sinken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Japan fand mit der de facto QE-Ank&uuml;ndigung im Herbst 2012 sofort eine Normalisierung der Inflationserwartungen (von negativ auf positiv) statt, wie die zweite Grafik zeigt. Aber erst nach Beginn der QE-K&auml;ufe (April 2013) schnellten auch die Renditen entsprechend abrupt nach oben &#8211; &auml;hnlich wie k&uuml;rzlich in Europa. Danach ging es allerdings wieder s&uuml;dw&auml;rts, obwohl die Inflationserwartungen weiter stiegen. Die dritte Grafik illustriert, dass alle echten QE-Programme (r&ouml;tliche Kreise) die Renditen zun&auml;chst h&ouml;her getrieben haben. Mittel- bis l&auml;ngerfristig ging es mit den Renditen aber dennoch wieder bergab, prim&auml;r aufgrund der QE-K&auml;ufe. Ab August 2012 kam mit der beginnenden &Ouml;lpreisbaisse aber auch ein wichtiger neuer &laquo;deflation&auml;rer&raquo; Faktor hinzu.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4078\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/182fbb6a735fc46e45296e55603c701b.png\" alt=\"20 05 15 2lgt\" width=\"600\" height=\"425\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle:&nbsp;AdvisorWorld.ch <span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp&auml;testens mit dem j&uuml;ngsten Anstieg der Staatsanleihenrenditen wurde der Finanzjargon-Wortschatz um einen dramatisch klingenden Begriff erweitert: Man spricht von einem &laquo;Tantrum&raquo; &#8211; d.h. einem &laquo;Wutausbruch&raquo; an den Bondm&auml;rkten. 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