{"id":21474,"date":"2015-06-25T06:00:00","date_gmt":"2015-06-25T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/index.php\/2015\/06\/25\/lgt-einigung-mit-griechenland-erstmals-in-sicht\/"},"modified":"2015-06-25T06:00:00","modified_gmt":"2015-06-25T06:00:00","slug":"lgt-einigung-mit-griechenland-erstmals-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/lgt-einigung-mit-griechenland-erstmals-in-sicht\/","title":{"rendered":"LGT: Einigung mit Griechenland erstmals in Sicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Europa scheint sich einem neuen Finanzierungspaket f&uuml;r Griechenland anzun&auml;hern. Nicht ganz &uuml;berraschend fand der entscheidende Durchbruch in letzter Minute statt. Athen hat nachgegeben, aber auch wichtige Zugest&auml;ndnisse erhalten: Die Reformen sollen sozial vertr&auml;glicher gestaltet werden und es besteht die Aussicht auf einen Schuldenerlass. Damit wurde erneut ein wachstumsfreundliches Signal gesetzt&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p><strong>von Mikio Kumada, CIIA, Global Strategist bei LGT Capital Partners<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Das Primat der Sparpolitik bleibt weiter auf dem R&uuml;ckzug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Schuldenstreit mit Griechenland bahnt sich endlich eine Einigung an. Der aus verschiedensten Quellen hervorquellende politische L&auml;rm verwirrt und vernebelt die Sicht, ebenso wie der Hang vieler Analysten und Medien, aus allem ein Drama zu machen. Trotzdem zeichnet sich ab: Der m&ouml;gliche Deal d&uuml;rfte zwar als griechische &laquo;Kapitulation&raquo; dargestellt werden, in Wahrheit haben die Gl&auml;ubiger aber wichtige Zugest&auml;ndnisse gemacht: Sah das Programm vom Juni bis 2018 Prim&auml;r&uuml;bersch&uuml;sse von insgesamt mehr als 16% des Bruttoinlandsprodukts vor, so sind es im neuen Plan nur mehr 9.5%. Auch andere Elemente wurden aufgeweicht &#8211; im Einklang mit der &Uuml;bereinkunft im Februar, als Athen ein gr&ouml;sseres Mitspracherecht zugesprochen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon im Vorfeld gab es eine gewisse stille Anerkennung der Athener Kernposition, dass man bisher zu stark auf hartes Sparen gesetzt hatte, was den Reformprozess letztlich nur erschwere (eine interessante Diskussion und einen &Uuml;berblick der bisherigen griechischen Reformen bieten z.B. Prof. Karl Whelan von der Universit&auml;t Dublin). Gleichzeitig hatte sich die linksorientierte Regierung in Athen von Anfang an f&uuml;r &laquo;permanente&raquo; Prim&auml;r&uuml;bersch&uuml;sse ausgesprochen, was sowohl den Ideen des Keynesianismus als auch den eigenen Wahlkampfparolen vom &laquo;Ende der Sparpolitik&raquo; widerspricht. So gesehen war es nur eine Frage der Zeit bis zum Kompromiss &#8211; besonders unter der Ber&uuml;cksichtigung aller anderen Faktoren, die beide Seiten dazu dr&auml;ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was in den kommenden Monaten folgen d&uuml;rfte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was kommt als N&auml;chstes? Die &uuml;bergeordnete Botschaft lautet vielleicht: So m&uuml;hsam es ist, Europas Institutionen sind selbst in schwierigen Situationen in der Lage, die verschiedenen nationalen Interessen und Kulturen auf einen Nenner zu bringen und den Ausgleich zu schaffen. Nur so wird die Europ&auml;ische Union und ihre W&auml;hrung auf Dauer bestehen bleiben (allenfalls, wenn auch unwahrscheinlich, ohne Grossbritannien). Konkret d&uuml;rfte es in den kommenden Monaten jedenfalls wie folgt weitergehen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&bull; Das revidierte Rettungspaket wird in irgendeiner Form verl&auml;ngert und von einem dritten Programm abgel&ouml;st. Letzteres wird kleiner und vor allem realistischer ausgerichtet sein, als die bisherigen. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass Finnlands Finanzminister Alexander Stubb k&uuml;rzlich gegen&uuml;ber dem BBC erw&auml;hnte, im laufenden Paket bef&auml;nden sich sch&auml;tzungsweise noch etwa 33 Mrd. Euro, was den politischen Zustimmungsprozess in den Geberl&auml;ndern erleichtere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&bull; Europa wird einen Weg finden, die demn&auml;chst f&auml;lligen griechischen Verbindlichkeiten gegen&uuml;ber dem Internationalen W&auml;hrungsfonds und der Europ&auml;ischen Zentralbank indirekt &uuml;ber Athen oder direkt &uuml;ber den Europ&auml;ischen Stabilit&auml;tsfonds zu tilgen. Hierf&uuml;r k&ouml;nnten die im griechischen Bankrettungsfonds &uuml;brig gebliebenen 10.9 Mrd. Euro oder die EZB-Profite aus den griechischen Anleihenk&auml;ufen eingesetzt werden. Oder die EZB k&ouml;nnte Athen einfach erlauben, sich mehr kurzfristiges Geld von den eigenen Banken auszuleihen. An den Mitteln und Methoden der Liquidit&auml;tsbeschaffung mangelt es jedenfalls nicht.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&bull; Mit einem Abkommen und fr&uuml;hestens nach der Tilgung der von der EZB gehaltenen Anleihen im Juli k&ouml;nnte Griechenland zudem auch an der &laquo;quantitativen Lockerung&raquo; der EZB teilnehmen, was das wichtigste &laquo;Reflationssignal&raquo; darstellen w&uuml;rde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter diesen Bedingungen h&auml;tte Griechenland auch eine Chance, in naher Zukunft zum nominalen Wirtschaftswachstum zur&uuml;ckzufinden &#8211; und damit zur F&auml;higkeit, seine Schulden tats&auml;chlich irgendwann wieder selbst tragen zu k&ouml;nnen. Gewiss w&uuml;rde auch die Alternative des Euroaustritts das nominale Wachstum beleben &#8211; nur w&auml;re diese Option kurzfristig mit extremen Turbulenzen f&uuml;r Hellas und l&auml;ngerfristig mit zus&auml;tzlichen wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken f&uuml;r Europa verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die m&ouml;gliche Einigung mit Griechenland bekr&auml;ftigt den wachstumsfreundlichen Ausblick f&uuml;r Europa insgesamt, was aber weder neu noch &uuml;berraschend ist. Das Risiko von R&uuml;ckschl&auml;gen f&uuml;r die Erholung des W&auml;hrungsraums w&auml;re aber sicherlich ein St&uuml;ck weiter reduziert. Entsprechend positiv fielen die Reaktionen an den europ&auml;ischen Finanzm&auml;rkten aus, diesmal einschliesslich Griechenlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Griechenland hat bisher eine harte Sparpolitik umgesetzt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant sind auch die (noch spekulativen) Perspektiven f&uuml;r Griechenland. Folgende Punkte erscheinen besonders erw&auml;hnenswert. Erstens hat Athen bereits eine signifikante Haushaltskonsolidierung erreicht. In den letzten f&uuml;nf Jahren hat es seine prim&auml;ren Staatsausgaben in einem international einmaligen Tempo und Ausmass gesenkt &#8211; weswegen auch das BIP um ein Viertel eingebrochen ist. Die n&auml;chsten zwei Diagramme (siehe PDF, Seite 2) vergleichen die wichtigsten Ausgaben (&ouml;ffentlicher Konsum, Geh&auml;lter, Sozialleistungen und Subventionen &ouml;ffentlicher Einrichtungen) und das BIP relevanter EU-L&auml;nder. W&auml;hrend die griechischen Kernausgaben um mehr als 25% sanken, hat z.B. Spanien seine Ausgaben sogar erh&ouml;ht &#8211; wenn auch wahrscheinlich nicht so stark, wie es ohne Krise der Fall gewesen w&auml;re (Spanien befand sich allerdings auch nie unter einem IWF-Programm). Wenig &uuml;berraschend ist daher, dass sich das BIP der anderen L&auml;nder schneller als in Griechenland stabilisierte bzw. erholte. Folglich k&ouml;nnen wir davon ausgehen, dass sich mit einem aufgeweichten Sparkurs auch Griechenland &auml;hnlich erholen d&uuml;rfte &#8211; insbesondere im Falle einer Teilnahme am QE-Programm der EZB.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4121\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/4890b882e601464cfd70465e89798695.png\" alt=\"25 06 15 1lgt\" width=\"600\" height=\"233\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Griechenland kann zum Erholungspfad zur&uuml;ckfinden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens befindet sich Griechenland bereits auf einem zaghaften aber doch sichtbaren Erholungspfad &#8211; zumindest d&uuml;rfte es den &laquo;nat&uuml;rlichen&raquo; Tiefpunkt &uuml;berwunden haben. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Erholung sind grunds&auml;tzlich da, wie die Grafik im PDF auf Seite 2 illustriert. Trotz des politisch induzierten R&uuml;ckschlags seit den Wahlen im Januar und der damit einhergehenden Probleme (z.B. Unsicherheit, Kapitalflucht) haben sich viele griechische Wirtschaftsdaten eigentlich relativ gut gehalten. Das Verbrauchervertrauen normalisiert sich beispielsweise schon seit 2011 stetig, wenn auch von extrem tiefen Niveau aus. In den letzten Monaten hat es sich sehr volatil entwickelt &#8211; notiert aber letztlich immer noch h&ouml;her als vor den Wahlen. Eine &auml;hnliche Entwicklung sehen wir auch im Index der &laquo;erwarteten Anstellungen&raquo;, der auf Befragungen von Unternehmen basiert. Erstmals seit Jahren hatte der Index k&uuml;rzlich wieder den positiven Bereich erreicht &#8211; und schwankt seitdem etwas. Sobald eine neue Einigung mit den Gl&auml;ubigern die zentralen Unsicherheiten beseitigt, gibt es generell keinen Grund, warum sich die griechische Wirtschaft nicht wieder erholen sollte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4122\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/e232935952ebd90473292a6cc9885501.png\" alt=\"25 06 15 2lgt\" width=\"600\" height=\"227\" \/><\/p>\n<p>Quelle:&nbsp;AdvisorWorld.ch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa scheint sich einem neuen Finanzierungspaket f&uuml;r Griechenland anzun&auml;hern. Nicht ganz &uuml;berraschend fand der entscheidende Durchbruch in letzter Minute statt. Athen hat nachgegeben, aber auch wichtige Zugest&auml;ndnisse erhalten: Die Reformen sollen sozial vertr&auml;glicher gestaltet werden und es besteht die Aussicht auf einen Schuldenerlass. 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