{"id":21475,"date":"2015-07-01T06:00:00","date_gmt":"2015-07-01T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/index.php\/2015\/07\/01\/lgt-griechenland-eroeffnet-schlussakt-im-schuldendrama\/"},"modified":"2015-07-01T06:00:00","modified_gmt":"2015-07-01T06:00:00","slug":"lgt-griechenland-eroeffnet-schlussakt-im-schuldendrama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/lgt-griechenland-eroeffnet-schlussakt-im-schuldendrama\/","title":{"rendered":"LGT: Griechenland er\u00f6ffnet Schlussakt im Schuldendrama"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit Athen am Freitag &uuml;berraschend beschloss, im Schuldenstreit mit Europa das Volk entscheiden zu lassen, &uuml;berschlagen sich die Ereignisse. Das bis gestern theoretisch laufende Rettungsprogramm ist begraben&#8230;.<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p><strong>von Mikio Kumada, CIIA, Global Strategist bei LGT Capital Partners<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen&uuml;ber dem Internationalen W&auml;hrungsfonds ist Athen jetzt im Zahlungsr&uuml;ckstand. Es k&ouml;nnte sein, dass entweder Griechenland aus dem Euro oder seine relativ junge Regierung von der Macht st&uuml;rzt. Denkbar ist aber auch ein neues Finanzierungsprogramm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die j&uuml;ngste Wende im Schuldenstreit mit Athen hat die Finanzm&auml;rkte weltweit tempor&auml;r verunsichert, obwohl die wirklich gef&auml;hrlichen potenziellen Folgesch&auml;den prim&auml;r nur Griechenland betreffen w&uuml;rden. Wie die Dinge derzeit stehen, sollen die Griechen jedenfalls bis Sonntag entscheiden, ob sie ein inzwischen nur konzeptionell existierendes Angebot der Kreditgeber annehmen oder ablehnen wollen. Stattfinden wird die Abstimmung unter angespannten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen (geschlossene Banken, Kapitalverkehrskontrollen, Unsicherheit) sowie einer politischen Radikalisierung und Polarisierung (sowohl innerhalb Griechenlands als auch gegen&uuml;ber dem europ&auml;ischem Ausland).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M&ouml;gliche Extremszenarien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kurz vor dem vergangenen Freitag durchgef&uuml;hrten Meinungsumfragen implizieren zwar eine Mehrheit f&uuml;r eine Annahme des Referendums. Die politische Stimmung vor Ort wirkt aber emotional geladen und die Regierung setzt sich f&uuml;r eine Ablehnung ein, was Prognosen erschwert. Die Entwicklung d&uuml;rfte sich letztendlich zwischen den folgenden zwei Extremen bewegen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kommt zu einem klaren &laquo;Ja&raquo;. Die Regierung wird durch eine breitere und\/oder technokratisch orientierte Koalition abgel&ouml;st und die Gespr&auml;che gehen z&uuml;gig weiter. Im Idealfall kann Vertrauen wiederhergestellt werden. Die Tatsache, dass das zweite Rettungspaket inzwischen offiziell abgelaufen ist, k&ouml;nnte sich als vorteilhaft f&uuml;r einen Neubeginn erweisen &#8211; de facto war das alte Rettungspaket ohnehin l&auml;ngst tot. Die kurzfristigen Liquidit&auml;tsprobleme werden schnell angegangen und ein neues, halbwegs tragf&auml;higes und realistisches Programm wird verabschiedet.<br \/> &nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein &laquo;Nein&raquo; erschwert die Wiederaufnahme der Gespr&auml;che und l&ouml;st einen Teufelskreis aus, der &uuml;ber eine Bankenkrise zu einer totalen Zahlungsunf&auml;higkeit und zum chaotischen Euroaustritt f&uuml;hrt (&laquo;Grexit&raquo;). Im Fall von Argentinien brauchte es nach Einf&uuml;hrung von Kapitalverkehrskontrollen am 1. Dezember 2001 nur etwa einen Monat, bis es zu Massenunruhen, dem offiziellen Zahlungsausfall, einem neuen W&auml;hrungsregime und der massiven Abwertung des argentinischen Peso kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M&ouml;glich sind auch diverse Kombinationen von Elementen aus beiden Szenarien, z.B. eine einvernehmliche Trennung vom Euro mit sinnvoller Schuldenregelung und Verbleib in der Europ&auml;ischen Union. Eine solche &laquo;samtene Scheidung&raquo; k&ouml;nnte ohne gr&ouml;bere Turbulenzen &uuml;ber die B&uuml;hne gehen. Eine Verhandlungsl&ouml;sung bleibt in jedem Fall wahrscheinlich. Es w&auml;re auch nicht das erste Mal, dass es dramatischer Entwicklungen bedarf, bis die europ&auml;ische Politik es schafft, &uuml;ber ihren eigenen Schatten zu springen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der europ&auml;ische &laquo;Schutzwall&raquo; gegen die Ansteckungsgefahr wird halten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig ist: Selbst bei einem &laquo;Grexit&raquo; best&uuml;nde diesmal zumindest kurzfristig kaum mehr eine Ansteckungsgefahr. Die Europ&auml;ische Zentralbank w&uuml;rde alle &uuml;brigen Eurom&auml;rkte st&uuml;tzen. Der Europ&auml;ische Stabilit&auml;tsmechanismus verf&uuml;gt f&uuml;r weitere Eventualit&auml;ten &uuml;ber ein Finanzierungspuffer von 453 Mrd. Euro. In den abgelaufenen griechischen Programmen sind rund 30 Mrd. Euro &uuml;brig. Kurz: Bei einem &laquo;Ja&raquo; bliebe die Aussicht auf eine Einigung intakt, w&auml;hrend ein &laquo;Nein&raquo; nur im Extremfall zu einem internationalen Problem werden k&ouml;nnte. So stellt die aktuelle Volatilit&auml;t doch eher eine Kaufgelegenheit f&uuml;r Risikoanlagen im Allgemeinen und f&uuml;r europ&auml;ische Aktien im Besonderen dar. F&uuml;r Griechenland bleibt die Aussicht zweigespalten und risikoreich, aber selbst der Extremfall &laquo;Grexit&raquo; w&auml;re l&auml;ngerfristig nicht zwingend negativ (siehe PDF, Seite 2). So d&uuml;rfte Athen auf die eine oder andere Weise den letzten Akt zumindest im seit Januar anhaltenden Schuldenstreit er&ouml;ffnet haben. Das w&auml;re grunds&auml;tzlich eine willkommene Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstverst&auml;ndlich werden wir die Entwicklungen auch weiterhin genau beobachten. Nach unserer Einsch&auml;tzung sind die M&auml;rkte derzeit allerdings recht gut auf ein Abdriften in Richtung eines &laquo;Grexit&raquo; vorbereitet. Europa hat seit Beginn der &laquo;Eurokrise&raquo; im Jahr 2010 eine ausreichend starke &laquo;Firewall&raquo; geschaffen. Griechenlands gesamte Auslandsverschuldung belief sich zudem Ende 2014 auf vergleichsweise &uuml;berschaubare 430 Mrd. Euro. (rund drei Viertel davon Staatsschulden). Allerdings werden nur etwa ein Drittel der Gesamtschulden im Privatsektor gehalten bzw. an M&auml;rkten gehandelt. Der direkte Einfluss auf die Realwirtschaft w&auml;re also nicht gross genug, um nicht durch Gegenmassnahmen (z.B. der Notenbanken) ausgeglichen werden zu k&ouml;nnen. Der Zahlungsr&uuml;ckstand gegen&uuml;ber offiziellen Kreditoren wie dem IWF ist in hohem Masse politischer Natur &#8211; weswegen letztlich alle Parteien an einer Einigung interessiert sind. Auch die Verflechtung der griechischen Notenbank mit dem EZB-System spricht daf&uuml;r.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vergleich von Griechenland und Argentinien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund ist die spekulative Frage, wie es mit Griechenland weitergehen k&ouml;nnte, interessant. Eine Vorstellung davon bietet der Vergleich der B&ouml;rsenentwicklungen in Argentinien und Griechenland nach dem jeweiligen zyklischen Hoch im August 1997 bzw. Oktober 2009 (d.h. ab Beginn des Abstiegs in die jeweilige Schuldenmisere). Die erste Grafik (siehe PDF, Seite 2) zeigt, dass griechische Aktien schlechter liefen als seinerzeit argentinische Aktien und sich auch viel l&auml;nger (bisher mehr als drei Jahre) nicht von den tiefen Niveaus l&ouml;sen konnten (trotz einer vergleichsweise moderaten Zwischenerholung 2012-2014). So k&ouml;nnte der Grossteil der Probleme Griechenlands inzwischen doch &laquo;eingepreist&raquo; worden sein. Der genaue Tiefpunkt und die Kraft und Dauer der Erholung wird sicher von den kommenden politischen Entwicklungen abh&auml;ngen. Auch wenn es zwischenzeitlich noch sehr volatil bleiben d&uuml;rfte &#8211; allzu weit von diesem Moment eines Neubeginns d&uuml;rften wir uns aber auch nicht mehr befinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Argentinischer Schlussakt markierte zum Jahreswechsel 2001\/2002 den Neubeginn<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der n&auml;chsten Grafik (siehe PDF, Seite 2) vergleichen wir die argentinische B&ouml;rsenentwicklung in US-Dollar und Peso, beginnend mit der Einf&uuml;hrung der Kapitalkontrollen am 1. Dezember 2001 (55 Monate nach dem Markthoch von 1997). Innerhalb eines Monats erlebte Argentinien Strassenschlachten, einen Regierungswechsel, die offizielle Bankrotterkl&auml;rung und eine Bankenkrise. Am 6. Januar 2002 gab Buenos Aires schliesslich die US-Dollar-Anbindung auf und liess den Peso fallen (bis Mitte Juni wertete die W&auml;hrung um 75% gegen&uuml;ber dem US-Dollar ab). In lokaler W&auml;hrung markiert die Einf&uuml;hrung der Kapitalkontrollen den Tiefpunkt der damaligen Krise. In US-Dollar wurde die Talsohle sechs Monate danach erreicht (als sich auch der Wechselkurs stabilisierte). Anschliessend vervierfachte sich der argentinische Merval-Index bis Ende 2013. Gegen&uuml;ber dem 1. Dezember 2001, also kurz vor dem Bankrott und der Abwertung, betrug der Gewinn rund 25% (immer in USD).<\/p>\n<p>Quelle:&nbsp;AdvisorWorld.ch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Athen am Freitag &uuml;berraschend beschloss, im Schuldenstreit mit Europa das Volk entscheiden zu lassen, &uuml;berschlagen sich die Ereignisse. 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