{"id":21578,"date":"2016-05-17T22:00:00","date_gmt":"2016-05-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/index.php\/2016\/05\/17\/lgt-die-japanische-geldpolitik-beginnt-zu-greifen\/"},"modified":"2016-05-17T22:00:00","modified_gmt":"2016-05-17T22:00:00","slug":"lgt-die-japanische-geldpolitik-beginnt-zu-greifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/lgt-die-japanische-geldpolitik-beginnt-zu-greifen\/","title":{"rendered":"LGT: Die japanische Geldpolitik beginnt zu greifen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit letztem Sommer steigen die japanischen Realzinsen. Seitdem wertet auch der Yen auf breiter Basis auf. Globale Marktturbulenzen und Verwirrung &uuml;ber die Geldpolitik der Bank of Japan (BOJ) haben diesen Trend zuletzt zus&auml;tzlich verst&auml;rkt&#8230;&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p><strong>Von Mikio Kumada, CIIA bei LGT Capital Partners<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem Scheitern der BOJ-Massnahmen hat dies jedoch noch wenig zu tun &ndash; denn diese haben inzwischen durchaus eindr&uuml;cklich zu greifen begonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&Uuml;ber Japans Geldpolitik wird wieder viel geschrieben. Im Anschluss an die globalen Turbulenzen vom Januar hat die US Federal Reserve die einst viel beschworenen Zinserh&ouml;hungen aufgeschoben, China die Kreditschleusen wieder grossz&uuml;gig ge&ouml;ffnet und die Notenbanken Europas und Schwedens haben mit noch tieferen Negativzinsen und einer Ausweitung ihrer Anleihenkaufprogramme reagiert. Die BOJ hat sich hingegen trotz weiter &uuml;berdurchschnittlich volatiler heimischer Aktien und anhaltender Yen-St&auml;rke mit einer weitgehend symbolischen Einf&uuml;hrung eines leicht negativen Zinssatzes begn&uuml;gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r die BOJ sind die j&uuml;ngsten wirtschaftlichen Unsicherheiten offenbar tempor&auml;rer Natur und gehen prim&auml;r auf Faktoren ausserhalb ihres Einflussbereichs zur&uuml;ck. Zugleich zeigt ihre Haltung Vertrauen, dass Japan grunds&auml;tzlich auf Reflationskurs geblieben ist. Insbesondere die nominalen Daten zum Bruttoinlandsprodukt lassen diese Interpretation zu, wie wir an dieser Stelle k&uuml;rzlich aufzeigten (die heute erschienenen BIP-Daten f&uuml;r das erste Quartal 2016 fielen zum Teil deutlich besser als erwartet aus und best&auml;tigen diese Sicht). Unter diesen Umst&auml;nden macht es Sinn, abzuwarten, wie sich die globale Grosswetterlage entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr viele Markteilnehmer sind freilich weniger geduldig und sehen in der Haltung der BOJ entweder einen Fehler oder den Beweis wachsender geldpolitischer Ohnmacht. Doch solche Urteile wirken bei genauerer Analyse eher fragw&uuml;rdig. Trotz aller Kritik und verwirrender Marktschwankungen hat die BOJ mit ihrer Haltung n&auml;mlich durchaus Erhebliches erreicht und k&ouml;nnte am Ende doch noch als lachender Dritter dastehen. Zumindest hat sie den Boden f&uuml;r wirksamere Massnahmen in der Zukunft vorbereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die BOJ hat mit einem kleinem Schritt eine sehr hohe Wirkung erzielt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstens ist Japans Zinskurve seit Anfang Jahr in &auml;hnlich starkem Ausmass gesunken wie die Zinskurven der europ&auml;ischen Volkswirtschaften, in denen viel tiefere Zinsen eingesetzt werden . Die BOJ verrechnet nur -0.1% auf weniger als 5% der stetig wachsenden &Uuml;berschussreserven der Banken, w&auml;hrend die entsprechenden Leitzinsen in Europa von -0.4% bis max. -1.25% reichen und f&uuml;r fast alle bei der Notenbank geparkten Reserven gelten. Zweitens wurde damit der mit Abstand weltweit gr&ouml;sste Anteil der eigenen Staatsanleihen in den negativen Zinsbereich gedr&uuml;ckt. Rund zwei Drittel der Staatsschulden entlasten nun Japans Haushalt, was die konjunkturpolitische Flexibilit&auml;t nat&uuml;rlich entsprechend erh&ouml;ht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man stelle sich nur vor, was die BOJ erreichen k&ouml;nnte, wenn sie &auml;hnlich grosse Schritte wie die europ&auml;ischen Notenbanken setzen w&uuml;rde. Die Behauptung, dass der BOJ die Munition ausgeht, scheint auf jeden Fall riskant. Es ist ihr schliesslich gelungen, in Zeiten erh&ouml;hter globaler Risiken, wie dies im Januar der Fall war, mit einer vergleichsweise bescheidenen Massnahme die eigenen Staatsfinanzierungsbedingungen stark zu ver&auml;ndern. Letzteres ist besonders relevant, da Japan politisch eher als andere L&auml;nder dazu neigt, negative Zinsen f&uuml;r die Konjunkturpolitik zu nutzen. So gibt es derzeit Spekulationen, dass eine f&uuml;r 2016 geplante Konsumsteuererh&ouml;hung erneut verschoben wird. Daneben ist auch von diversen m&ouml;glichen Konjunkturpaketen die Rede, die vom beschleunigten Wiederaufbau erdbebenbetroffener Regionen &uuml;ber zinsfreie Hypotheken bis zum Bau von Kinderg&auml;rten und neuen Hochgeschwindigkeits-Magnetschwebe-Bahnlinien reichen. Noch scheint der japanische Aktienmarkt die Wirksamkeit der Geldpolitik nicht ganz zu sch&auml;tzen. Da Letztere aber inzwischen zu greifen beginnt, d&uuml;rfte sich das mit der Zeit &auml;ndern. Abgesehen davon kann die BOJ ihre Massnahmen nat&uuml;rlich jederzeit verst&auml;rken und nachbessern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4453\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/bba445faaaaafc5cab8060c0f0a865dc.png\" alt=\"18 05 16 1LGT\" width=\"600\" height=\"246\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grafik links oben&nbsp; vergleicht die Ver&auml;nderungen der Renditen von Staatsanleihen mit F&auml;lligkeiten zwischen drei Monaten und zwanzig Jahren (d.h. die Verschiebungen der Zinskurven) seit Beginn dieses Jahres, f&uuml;r Volkswirtschaften, in denen Negativzinspolitik betrieben wird. Die Verschiebung der Zinskurse nach unten ist in Japan &auml;hnlich stark ausgefallen wie in der Eurozone und in Schweden und war gr&ouml;sser als in der Schweiz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grafik unten rechts&nbsp; zeigt den USD-Wert aller Staatsanleihen mit negativen Umlaufrenditen (weltweit insgesamt rund USD 8.5 Bio., Stand Mitte April 2016. Quelle: Wall Street Journal). Der Effekt der BOJ-Politik ist hier am eindr&uuml;cklichsten: Im Falle Japans liegt dieser Wert nun bei 140% des nominalen BIP. Er war also deutlich st&auml;rker als in allen anderen &Ouml;konomien.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4454\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/bd288cb491385d1d41f5428db9d65f39.png\" alt=\"18 05 16 2LGT\" width=\"600\" height=\"246\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grafik oben rechts&nbsp; zeigt die f&uuml;nfj&auml;hrigen Realzinsen verschiedener L&auml;nder (abgeleitet von Finanzinstrumenten, die an zuk&uuml;nftige erwartete Inflationsraten gekoppelt sind). Japans Realzinsen waren international betrachtet stets vergleichsweise hoch und z&auml;hlen inzwischen wieder zu den h&ouml;chsten. In den ersten beiden Jahren der als Abenomics bekannten Reflationspolitik fielen sie in den negativen Bereich, seit letztem Sommer steigen sie jedoch wieder. Seitdem steigt auch der Yen, wie die Grafik links oben illustriert .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen&uuml;ber den anderen G10-W&auml;hrungen ist der Yen seit dem Tief im Dezember 2015 um insgesamt 22% gestiegen, wobei fast 90% dieser Aufwertung mit dem Anfang des Anstiegs der Realzinsen Mitte 2015 begann (im oben gezeigten Index sind die Gegenw&auml;hrungen in etwa gleichgewichtet).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit M&auml;rz dieses Jahres, ist eine Divergenz zu beobachten. Die Realzinsen sinken wieder leicht (von -0.2% im M&auml;rz auf heute etwa -0.5%), der Yen steigt aber trotzdem weiter. Damit besteht ein gewisses Potenzial f&uuml;r eine konsolidierende Gegenbewegung. M&ouml;glich erscheint danach eine gewisse Abflachung der Yen-St&auml;rke. Am grunds&auml;tzlichen mittelfristigen Aufw&auml;rtstrend des Yens d&uuml;rfte dies allerdings kaum was &auml;ndern. Dazu bietet der Yen weiter vergleichsweise hohe Realzinsen und bleibt fundamental unterbewertet.<\/p>\n<p>Quelle:&nbsp;AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit letztem Sommer steigen die japanischen Realzinsen. Seitdem wertet auch der Yen auf breiter Basis auf. 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