{"id":21778,"date":"2023-03-15T11:14:00","date_gmt":"2023-03-15T10:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=16922"},"modified":"2023-03-15T11:14:00","modified_gmt":"2023-03-15T10:14:00","slug":"blackrock-kalifornisches-bankenbeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/blackrock-kalifornisches-bankenbeben\/","title":{"rendered":"BlackRock : Kalifornisches Bankenbeben"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>BlackRock :\u00a0<\/strong>Dass der sonnige Westk\u00fcstenstaat auf der St. Andreas-Spalte liegt und damit akut erdbebengef\u00e4hrdet ist, d\u00fcrfte hinl\u00e4nglich bekannt sein.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span id=\"page19R_mcid20\" class=\"markedContent\"><span id=\"page19R_mcid19\" class=\"markedContent\"><\/span><\/span><span id=\"page19R_mcid23\" class=\"markedContent\"><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Von Dr. Martin L\u00fcck , Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, \u00d6sterreich und Osteuropa bei BlackRock<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<div class=\"vi16\" data-componentname=\"Paragraph\">\n<div class=\"paragraph tinymce clearfix bg-white table-620-wide\">\n<div class=\"wrapper-980\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"para-content col-xl-7 col-lg-9 col-12 ishares-remove-bootstrap-offset\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit letztem Donnerstag ist es hingegen ein veritables Bankenbeben, das von Kalifornien, genauer: von Santa Clara im Herzen des Silicon Valley, ausgeht. Was war passiert? Die Silicon Valley Bank (SVB), immerhin die sechzehntgr\u00f6sste US-Bank und seit ihrer Gr\u00fcndung 1983 eng mit dem Technologiesektor der Region verbunden, war am Freitag geschlossen und unter Verwaltung der Einlagensicherungsbeh\u00f6rde FDIC gestellt worden. Dies alles, nachdem es ihr nicht gelungen war, mit der Einwerbung neuen Kapitals den 1,8 Mrd. Dollar grossen Verlust aus Anleiheverk\u00e4ufen auszugleichen und der Aktienkurs bereits am Donnerstag um 60% gefallen war. Als daraufhin Einlagekunden binnen k\u00fcrzester Zeit \u00fcber 42 Mrd. Dollar, rund ein Viertel der gesamten Passivseite, abzogen und die SVB gezwungen gewesen w\u00e4re, einen grossen Teil ihres bis dato nicht zu Marktpreisen bewerteten langfristigen Anleiheportfolios (des sogenannten Hold-to-Maturity Portfolios) zu verkaufen, um diese Einlagen auszuzahlen, war das Ende des Instituts besiegelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage ist jetzt, wie so etwas passieren konnte. Und, noch viel wichtiger, was es f\u00fcr den Finanzsektor als Ganzes bedeutet. Droht eine neue globale Finanzkrise? Um die Antwort auf die dr\u00e4ngende letztere Frage vorwegzunehmen: eigentlich nicht. Aber wir wissen, dass genau dieses eine Wort \u2013 eigentlich \u2013 schon oft durch die Realit\u00e4t widerlegt worden ist. Also der Reihe nach. Passieren konnte die SVB-Krise, weil die Bank vor allem in den Pandemiejahren 2020 und 21, als Fed und Treasury die Zinsen auf null dr\u00fcckten und gigantische Liquidit\u00e4tsmengen in die US-Wirtschaft pumpten, mit Einlagen ihrer wichtigsten Kunden geradezu \u00fcberschwemmt wurde. Diese Kunden, oft Venture Capital-finanzierte Tech-Firmen, verf\u00fcgten n\u00e4mlich bereits \u00fcber hohe Cash-Best\u00e4nde, nahmen aber die Fed-Subventionen gern mit, wodurch sich die Einlagen bei der SVB im Zeitraum 2019-21 rund verdreifachten. Anstatt diesen enormen Einlagenzufluss in m\u00f6glicherweise \u00fcberriskante Kredite zu investieren (die zudem der \u00fcberwiegende Teil ihrer Tech-Kunden gar nicht brauchte), investierte die Bank die Einlagen in l\u00e4nger laufende Staatsanleihen, Pfandbriefe und andere vermeintlich sichere Anlagen. Als aber infolge der restriktiveren Fed-Geldpolitik der Zustrom an Liquidit\u00e4t abzuebben begann und zudem Tech-Unternehmen Einlagen abzogen, um sie woanders ertragreicher unterzubringen, sah sich die SVB gezwungen, Anleihen zu verkaufen &#8211; wegen der stark gestiegenen Zinsen mit erheblichen Kursverlusten. Nach den massiven Einlageabfl\u00fcssen der letzten Woche h\u00e4tten die k\u00fcrzer laufenden und jederzeit verk\u00e4uflichen Anleihen (sogenannte Available-for-Sale Anleihen) nicht mehr ausgereicht, um Kunden auszahlen zu k\u00f6nnen. Verk\u00e4ufe aus dem Hold-to-Maturity Portfolio aber h\u00e4tten eine Neubewertung (mark-to-market) dieses Portfolios bedeutet. Genau dies hat den Untergang des Instituts ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Erkl\u00e4rungsgr\u00fcnden f\u00fcr die SVB-Pleite liegen also auch erste Antworten auf die Frage, ob dies der Ausl\u00f6ser einer neuen globalen Finanzkrise sein k\u00f6nnte. Und die wahrscheinliche Antwort, das \u201aeigentlich nicht\u2018, begr\u00fcndet sich zum ersten in den Besonderheiten der SVB-Bilanz. So lag der Anteil \u201etypischer\u201c Kundeneinlagen, also solcher von Haushalten und eher kleinen Firmen, bei weniger als 10% der Bilanzsumme, verglichen mit Gr\u00f6ssenordnungen \u00fcber 40% bei anderen US-Banken und noch h\u00f6heren Quoten in Europa. Zweitens betrug der Anteil des mit einer Duration von im Schnitt fast 6,5 Jahren sehr langfristig investierten Hold-to-Maturity Portfolios bei SVB \u00fcber 80%, was extrem viel ist. Andere US-Grossbanken kommen maximal auf Werte um 50%, f\u00fcr europ\u00e4ische Institute ist 30% schon ein hoher Wert. Und schliesslich, drittens, galten f\u00fcr die SVB keine Liquidit\u00e4tsdeckungsanforderungen, wie sie etwa im Rahmen des Basel III-Regulierungswerkes f\u00fcr europ\u00e4ische Banken gelten. Dies mag angesichts der Gr\u00f6sse der Bank \u00fcberraschen und f\u00fchrt zur Schlussfolgerung, dass grosse regionale US-Banken, die ebenfalls derartigen Liquidit\u00e4tsanforderungen (Liquidity Coverage Ratio \u2013 LCR) nicht unterliegen, unter Druck geraten k\u00f6nnten. Dies war im Gefolge der SVB-Kernschmelze bereits bei der in New York beheimateten und inzwischen geschlossenen Signature Bank, zu Wochenbeginn auch bei der First Republic-Bank in San Francisco zu beobachten. Anders stellt sich die Situation f\u00fcr europ\u00e4ische Banken dar, deren Bilanzstruktur anders und deren regulatorische Absicherung besser sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum also ist die Gefahr einer systemischen Krise nur \u201aeigentlich\u2018 gering? Die Antwort liegt in dem Asset, mit dem Banken handeln: Vertrauen. Wenn dieses Vertrauen schwindet und Anleger schlagartig die Liquidit\u00e4t abziehen, die sie Banken in verschiedensten Formen zur Verf\u00fcgung gestellt haben, sind Ansteckungseffekte nie ganz auszuschliessen. Der massive Kursrutsch bei europ\u00e4ischen Bankaktien infolge der SVB-Krise verdeutlicht diese Anf\u00e4lligkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was machen die Notenbanken aus dem SVB-Debakel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch in der vergangenen Woche hatte die Rede von Fed-Chairman Jerome Powell im Kongress Anlass zur Bef\u00fcrchtung gegeben, die Notenbank k\u00f6nne die Zinsen st\u00e4rker und l\u00e4nger anheben als bisher erwartet. Die im Markt eingepreisten Erwartungen f\u00fcr den h\u00f6chsten Punkt der Fed Funds Target Rate sprangen in k\u00fcrzester Zeit um \u00fcber einen halben Prozentpunkt nach oben, auf \u00fcber 5,6%. Nach dem SVB-Debakel der zweiten Wochenh\u00e4lfte gingen sie zum Wochenbeginn um 45 Basispunkte, also auf 5,15% wieder herunter. Aus heutiger Sicht ist jetzt zu erwarten, dass die Fed beim n\u00e4chsten Zinstermin doch nur um 25 Basispunkte erh\u00f6ht, nachdem sich die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen 50-Basispunkteschritt nach Powells Kongressansprache noch auf \u00fcber 75% erh\u00f6ht hatte. Allerdings d\u00fcrfte die Fed \u00fcber die n\u00e4chsten Tage die Entwicklung, vor allem eventuelle Ansteckungsrisiken im Finanzsektor, extrem eng verfolgen. Sollte sich (was zugegebenermassen derzeit nicht so aussieht) die SVB-Krise als Sturm im Wasserglas herausstellen, k\u00f6nnte doch eine R\u00fcckbesinnung Richtung st\u00e4rkerer Straffung, also 50 Basispunkte am 22. M\u00e4rz, die Folge sein. Auch die heute Mittag zur Ver\u00f6ffentlichung anstehenden Inflationsdaten (erwartet werden 6,0% nach 6,4% im Vormonat) d\u00fcrften hier einigen Einfluss haben. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die EZB: Die Notenbank d\u00fcrfte in den n\u00e4chsten Tagen versuchen, die Ansteckungsgefahr f\u00fcr europ\u00e4ische Banken einzusch\u00e4tzen und zumindest in Alarmbereitschaft bleiben, um ihrem ansonsten in Stein gemeisselten Zinsschritt von 50 Basispunkten am Donnerstag in Frage zu stellen. Sicher scheint, dass uns volatile Tage ins Haus stehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BlackRock :\u00a0Dass der sonnige Westk\u00fcstenstaat auf der St. Andreas-Spalte liegt und damit akut erdbebengef\u00e4hrdet ist, d\u00fcrfte hinl\u00e4nglich bekannt sein.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":12776,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[669],"tags":[147,674],"class_list":["post-21778","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-woechentlicher-marktkommentar","tag-blackrock","tag-martin-lueck"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21778\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12776"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}