{"id":22882,"date":"2021-09-07T09:28:49","date_gmt":"2021-09-07T07:28:49","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/?p=10795"},"modified":"2021-09-07T09:28:49","modified_gmt":"2021-09-07T07:28:49","slug":"dje-regulierung-von-chinas-tech-riesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-regulierung-von-chinas-tech-riesen\/","title":{"rendered":"DJE: Regulierung von Chinas Tech-Riesen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DJE: Regulierung von Chinas Tech-Riesen: Erst der Anfang oder Einzelfall?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>von Hagen Ernst, stellvertretender Leiter Research &amp; Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>China will sich verst\u00e4rkt auf nachhaltiges Wachstum und soziale Gerechtigkeit konzentrieren. Daf\u00fcr setzt die Staatsf\u00fchrung auf eine immer strengere Regulierung von Unternehmen, was derzeit vor allem die mittlerweile sehr dominant gewordenen Technologiekonzerne zu sp\u00fcren bekommen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im November letzten Jahres hatte die Regulierung im chinesischen Fintech-Segment f\u00fcr Aufsehen gesorgt, als eine neue staatliche Massnahme zur Wahrung der Finanzstabilit\u00e4t in Kraft getreten ist. Diese Vorschrift verlangt h\u00f6here Einlagen bei Kreditvergaben \u2013 mindestens 30 Prozent Eigenkaptal \u2013 auch bei Kleinstkrediten, was generell das Wachstum im Kreditgesch\u00e4ft bremst. Ant Financial, der Finanzarm des E-Commerce-Riesen Alibaba, hatte bis dato grossz\u00fcgig Kredite vergeben. Deren Risiken trugen jedoch die Partnerbanken. Mit der Regulierung musste der bereits angek\u00fcndigte B\u00f6rsengang von Ant kurzfristig abgesagt werden. Daraufhin geriet auch der Mutterkonzern unter Druck und konnte sich seitdem nicht wieder richtig erholen. Das war der Anfang einer mittlerweile breiten Korrektur der zuvor hoch im Kurs stehenden chinesischen Internetwerte.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Alibaba und Tencent: gemeinsame \u00d6kosysteme?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberm\u00e4chtig gewordene IT-Konzerne wie Tencent und Alibaba sollen durch Regulierung geschw\u00e4cht und der Wettbewerb gef\u00f6rdert werden. Dabei scheut die chinesische Regierung auch nicht vor drastischen Massnahmen zur\u00fcck. Tencent h\u00e4lt mit seiner Kommunikationsplattform WeChat das Monopol in diesem Segment, und die gr\u00f6sste heimische IT-Firmengruppe Alibaba verf\u00fcgt \u00fcber einen Marktanteil von \u00fcber 50 Prozent im Onlinehandel. Im Zuge der Interventionen wurden Alibaba exklusive Partnerschaften mit Einzelh\u00e4ndlern untersagt, und dem Musik-Streaming-Anbieter Tencent Music (60 Prozent Marktanteil) exklusive Musikrechte ohne Kompensation entzogen. Auch die Fusion der Tencent-Beteiligungen Douyu und Huya, die zusammen den Markt f\u00fcr Spiele-Streamingdienste mit einem Marktanteil von 70 Prozent dominiert h\u00e4tten, wurde untersagt. Die Konzerne Tencent und Alibaba haben j\u00fcngst reagiert, indem sie ihre \u201egeschlossenen \u00d6kosysteme\u201c nun gegenseitig \u00f6ffnen wollen. So k\u00f6nnte WeChat Pay auf Alibabas E-Commerce-Marktpl\u00e4tzen Taobao und Tmall eingef\u00fchrt \u2013 und im Gegenzug Alibaba-E-Commerce-Listings auf der WeChat-App gezeigt werden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Mehr Datenschutz und -hoheit<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in den USA und Europa soll auch in China der Datenschutz zuk\u00fcnftig wichtiger, das Sammeln und Auswerten von Daten dagegen restriktiver werden. Zudem will Chinas F\u00fchrung die volle Kontrolle \u00fcber alle Daten, die in den Unternehmen gesammelt werden. Daher sieht die chinesische Regierung vor allem B\u00f6rseng\u00e4nge chinesischer Firmen im Ausland \u2013 besonders in den USA \u2013 sehr kritisch. Man hat Angst, dass chinesische Daten abgegriffen werden k\u00f6nnten, und will daher die Datenspeicherung im Ausland erschweren bzw. verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcngstes Beispiel hierzu ist der Fahrdienstleister Didi, auf den 80 Prozent Marktanteil in China entfallen: Kurz nach dessen B\u00f6rsengang in den USA sperrte man die Didi-App f\u00fcr Neukunden, angeblich aus Sicherheitsgr\u00fcnden. Um ein Exempel zu statuieren, k\u00fcndigten die chinesischen Regulierungsbeh\u00f6rden dem Unternehmen zudem harte Strafen an. Die Geldstrafe k\u00f6nnte noch h\u00f6her ausfallen als die j\u00fcngst wegen Wettbewerbsverst\u00f6ssen gegen Alibaba verh\u00e4ngte Rekordsumme von rund 2,4 Mrd. US-Dollar. Damit w\u00e4re ein Grossteil der Einnahmen aus dem B\u00f6rsengang verloren. Auch WeChat war zuletzt aus Datenschutzgr\u00fcnden eine Zeit lang f\u00fcr Neukunden gesperrt \u2013 ist aber inzwischen wieder ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<h6><strong>Faire L\u00f6hne f\u00fcr Essenslieferanten<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl: Diesen \u00fcbergeordneten Zielen will die chinesische Regierung wieder mehr Geltung verschaffen. Die Regulierungen zielen daher darauf ab, die enormen Profite einzelner Konzerne einzud\u00e4mmen und wenn m\u00f6glich zu resozialisieren, so dass auch die breite Gesellschaft daran teilhat. So wurde Meituan, der Platzhirsch unter den Online-Essenslieferdiensten in China, dazu aufgefordert, seine Fahrer besser zu verg\u00fcten. Meituan muss ab sofort sicherstellen, dass die Fahrer wenigstens den Mindestlohn erhalten. Die Meituan-Aktie gab daraufhin stark nach \u2013 im Grunde \u00fcbertrieben, denn als Marktf\u00fchrer d\u00fcrfte Meituan die gestiegenen Auslieferungskosten relativ einfach an die Kunden weitergeben k\u00f6nnen. Aber nicht nur in China wird dieses Segment zunehmend reguliert: Erst Anfang August befand das oberste Gericht des US-Bundesstaates Kalifornien, dass die Fahrdienstleister Uber und Lyft ihren Fahrern k\u00fcnftig Mindestlohn bezahlen und sie anstellen m\u00fcssten, statt sie als unabh\u00e4ngige Subunternehmer f\u00fcr sich arbeiten zu lassen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachhilfe \u2013 nur noch gemeinn\u00fctzig<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine neue Dimension an Regulierungssch\u00e4rfe erreichte die chinesische Regierung mit ihrer j\u00fcngsten Ank\u00fcndigung zum sogenannten \u201eEdu\u201c-Markt: Nachhilfe- und Fortbildungen f\u00fcr Kinder zwischen Kindergarten und 9. Schulklasse d\u00fcrfen nur noch gemeinn\u00fctzig und nicht mehr profitorientiert angeboten werden. Damit l\u00f6sten sich die bis dato erfolgreichen Gesch\u00e4ftsmodelle der chinesischen Bildungsanbieter, darunter die TAL Education Group, Gaotu Techedu oder New Oriental Education, quasi in Rauch auf. Diese Ank\u00fcndigung veranlasste ausl\u00e4ndische Investoren, chinesische Technologiewerte abzustossen: Mehr als 16 Mrd. US-Dollar an Marktkapitalisierung wurden allein bei Education-Aktien ausradiert. Wahrscheinlich hatte niemand derartige Eingriffe auf der Agenda, die zur Verstaatlichung einer ganzen Industrie f\u00fchren.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Spieleindustrie: Bannmeilen f\u00fcr \u201egeistiges Opium\u201c<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Spieleindustrie, von der chinesischen Regierung ohnehin nur widerwillig toleriert, ist erneut in den Fokus der Regulierung geraten. Die Unternehmen dieses Segments erlebten bereits 2018, dass die Beh\u00f6rden monatelang keine neuen Spiele mehr genehmigten. Nun \u00fcbte die Staatsf\u00fchrung wieder harsche Kritik an Computerspielen, diese seien \u201egeistiges Opium\u201c und h\u00e4tten negative Folgen f\u00fcr Verhalten und Bildung von Kindern. K\u00fcnftig soll vor allem der Zugang von Minderj\u00e4hrigen st\u00e4rker reguliert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fchrende Spieleanbieter, wie Tencent oder NetEase, haben darum bereits seit geraumer Zeit diverse Funktionalit\u00e4ten wie Gesichtserkennung, Spielerregistrierung sowie zeitliche Spieldauerbegrenzungen f\u00fcr Minderj\u00e4hrige eingef\u00fchrt, diese nach der j\u00fcngsten staatlichen Kritik nochmals versch\u00e4rft. Die beiden Unternehmen erwirtschaften einen Grossteil ihres Gewinns im Spielesegment. Entsprechend sensibel reagieren diese Werte auf eine derartige Kritik. Aber eine sch\u00e4rfere Regulierung muss nicht zwangsl\u00e4ufig zu Umsatzr\u00fcckg\u00e4ngen f\u00fchren. Massnahmen zum besseren Schutz Minderj\u00e4hriger k\u00f6nnte die Branche verkraften. Tencent etwa erzielt nur ein bis zwei Prozent seines Umsatzes (die Dunkelziffer ist sicherlich h\u00f6her) bei dieser Altersgruppe. Sollte es aber zu einer breit angelegten Intervention wie generellen Spieleverboten oder starken Spielzeitbegrenzungen kommen, w\u00fcrden Umsatz und Gewinn von Tencent und NetEase einbrechen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Plausible Ziele m\u00fcssen nicht abschrecken<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weitere Entwicklung chinesischer Technologiewerte ist schwer einzusch\u00e4tzen. Zum einen, weil die chinesischen Regulierungsbeh\u00f6rden so hart vorgehen \u2013 zum anderen, weil es nicht klar ist, ob und welche Massnahmen noch folgen. Daher ist es auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass sich einige ausl\u00e4ndische Investoren von diesen Titeln verabschiedet haben. Die j\u00fcngsten Schritte gegen\u00fcber Anbietern von Online-Bildungsangeboten haben verdeutlicht, wie hoch das Risiko ist. Im schlimmsten Fall sind Gesch\u00e4ftsmodelle von heute auf morgen nicht mehr existent. Vor allem die Spieleindustrie k\u00f6nnte es mit neueren, noch h\u00e4rteren Regulierungsmassnahmen treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings sind die Ziele, die Chinas Machthaber mit ihren Interventionen erreichen wollen, durchaus plausibel: Nachhaltigkeit, mehr Datenschutz, mehr Wettbewerb bzw. Machtbegrenzung einzelner Konzerne, gerechtere L\u00f6hne, Jugendschutz oder gleiche Bildungschancen f\u00fcr alle. Die bislang verh\u00e4ngten Regulierungsmassnahmen d\u00fcrften das Gros der chinesischen Technologiekonzerne nur am Rande betreffen. Das zuk\u00fcnftige Wachstum wird aber nachhaltiger werden m\u00fcssen: Internetriesen wie Tencent oder Alibaba werden langfristig vermutlich etwas langsamer als der Markt wachsen, damit andere Anbieter Marktanteile gewinnen k\u00f6nnen. Eine Kurskorrektur von \u00fcber 40 Prozent rechtfertigt das nicht. Pessimisten argumentieren, dass die Regulierung zu m\u00e4chtig gewordener Internetkonzerne erst begonnen habe. Optimisten wiederum betrachten den harten Eingriff im Bildungssektor als Einzelfall und setzen darauf, dass es im Interesse Chinas ist, gute und leistungsf\u00e4hige Technologiekonzerne im Land zu haben. Zudem sind Onlinedienste wie WeChat und Onlinehandel mittlerweile feste Bestandteile in Gesellschaft und Wirtschaft.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Nischen pr\u00fcfen: Chancen f\u00fcr kleinere Tech-Unternehmen<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine m\u00f6gliche Strategie w\u00e4re, in Unternehmen zu investieren, die von den Regulierungsmassnahmen nicht so stark betroffen sind. Die in unserem Alltag nicht mehr wegzudenkende E-Commerce-Sparte ist weniger sensibel als die Computerspielebranche. Mehr Wettbewerb ist f\u00fcr Alibaba als dominierenden E-Commerce-Anbieter zwar von Nachteil, k\u00f6nnte sich aber f\u00fcr die kleineren Mitbewerber, wie JD.com, Pinduoduo oder Vipshop, in Form von Marktanteilsgewinnen positiv auszahlen. Aufgrund ihrer geringen Liquidit\u00e4t sind diese Titel zum Teil sogar st\u00e4rker gefallen als Alibaba. JD.com und Vipshop treten zudem prim\u00e4r selbst als Verk\u00e4ufer statt als Market Place f\u00fcr Dritte auf und sind daher von einer m\u00f6glicherweise strikteren Handhabung von Daten nicht so stark betroffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE: Regulierung von Chinas Tech-Riesen: Erst der Anfang oder Einzelfall?<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":9710,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[176],"class_list":["post-22882","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-dje"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22882\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}