{"id":22927,"date":"2022-02-07T09:52:23","date_gmt":"2022-02-07T08:52:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=12227"},"modified":"2022-02-07T09:52:23","modified_gmt":"2022-02-07T08:52:23","slug":"dje-kapital-versorger-profiteure-der-energiekrise-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-kapital-versorger-profiteure-der-energiekrise-in-europa\/","title":{"rendered":"DJE Kapital: Versorger \u2013 Profiteure der Energiekrise in Europa?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DJE: Bereits seit September 2020 sind die Strompreise an den Terminb\u00f6rsen stetig gestiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/advisorworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Von Hagen Ernst, stellvertretender Leiter Research &amp; Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tiefpunkt war im M\u00e4rz 2020, weil die Industrie und die Mobilit\u00e4t coronabedingt stillstanden. Kostete die Tonne CO2 2021 im Durchschnitt noch 56 Euro pro Tonne, sind es aktuell bereits \u00fcber 80 Euro. Viele Analysten erwarten einen weiteren Anstieg auf \u00fcber 100 Euro pro Tonne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um bis 2030 eine Reduzierung des CO2-Ausstosses in Europa um 55 Prozent zu erzielen, ist ein weiterer Preisanstieg politisch gewollt und soll durch eine stetige Verknappung der CO2-Zertifikate bewirkt werden. Hinzu kommt, dass die europaweite Gasknappheit sowie die Abschaltung deutscher Atomkraftwerke dazu gef\u00fchrt haben, dass wieder mehr Strom aus Kohlekraftwerken produziert wurde, welche wiederum mehr CO2-Zertifikate ben\u00f6tigen. Erschwerend hinzu kommen steigende Preise bei wichtigen Rohstoffen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ukrainekrise und Nord Stream II bestimmen den Gaspreis<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Barrel Roh\u00f6l der Sorte Brent verteuerte sich vom \u201eCorona-Tief\u201c von ca. 20 Dollar auf aktuell 90 Dollar. Der Gaspreis explodierte vor allem infolge geringerer Gaslieferungen aus Russland auf in der Spitze 180 Euro\/MWh im Dezember und liegt aktuell bei ca. 92 Euro\/MWh, einem immer noch sehr hohen Niveau. Sicherlich sollte sich der Gaspreis sp\u00e4testens ab April wetterbedingt etwas normalisieren, ob er aber wieder auf ein Niveau von 30-60 Euro\/MWh, so die Einsch\u00e4tzung vieler Marktteilnehmer, zur\u00fcckkommt, bleibt abzuwarten. Im Wesentlichen wird die Entwicklung des Gaspreises vom weiteren Verlauf der Ukrainekrise sowie der Genehmigung von Nord Stream II abh\u00e4ngen. Sollte es zur Entspannung in der Ukrainekrise sowie einer Genehmigung von Nord Stream II kommen, h\u00e4tte das eine Normalisierung des Preisniveaus zur Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Europa und hier vor allem Deutschland sind und bleiben nach wie vor in besonderem Ausmass von russischem Gas abh\u00e4ngig: So bezog beispielsweise Deutschland 2020 mehr als 55 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Russland. Ein Ausfall bzw. ein Boykott russischen Gases kann weder durch den zweitgr\u00f6ssten Lieferanten Norwegen, der ca. 30 Prozent des ben\u00f6tigten Gases liefert, noch durch Fl\u00fcssiggas-Importe aus den USA ausgeglichen werden. Sollten also in Folge des Ukraine-Konflikts Gaslieferungen aus Russland in gr\u00f6sserem Umfang ausfallen, ist mit erneut stark steigenden Gaspreisen zu rechnen, mit entsprechenden preissteigernden Auswirkungen auf den Strompreis. Eine Eskalation im Ukraine-Konflikt w\u00fcrde die Energiekrise in Europa wohl massiv versch\u00e4rfen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Nicht nur der Ukrainekonflikt, sondern auch der Ausfall einiger franz\u00f6sischer Atomreaktoren gef\u00e4hrden die Versorgungssicherheit<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft worden ist die Energiekrise in Europa durch den tempor\u00e4ren Ausfall wichtiger Nuklearreaktoren bei \u00c9lectricit\u00e9 de France (EdF). Atomstrom ist mit einem Anteil von 30 Prozent gegen\u00fcber 15 Prozent im weltweiten Durchschnitt immer noch das R\u00fcckgrat der europ\u00e4ischen Stromproduktion. Mehr als die H\u00e4lfte des Atomstroms kommt aus Frankreich. Atomstrom ist nach dem europaweiten sukzessiven Ausstieg aus der Kohleverstromung einer der letzten verbliebenen verl\u00e4sslichen Erzeugungsquellen. Nach ungeplanten Stillst\u00e4nden und Revisionen bei Reaktoren in Civaux und Choox, musste EdF die Produktionsprognose f\u00fcr 2022 deutlich senken. Statt 330-360 TWh wird man nur 300-330 TWh Nuklearstrom liefern k\u00f6nnen. Die Ank\u00fcndigung hat zu einem tempor\u00e4ren Anstieg des Forward-Strompreises auf \u00fcber 500 Euro\/MWh f\u00fcr das 1. Quartal 2022 gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuell steht der Forward-Kontrakt f\u00fcr Grundlaststrom bei 200 Euro\/MWh, einem Niveau, welches weder f\u00fcr die Industrie noch f\u00fcr den Endverbraucher tragbar und daher nicht nachhaltig sein d\u00fcrfte. Allerdings sind die Forward-Kontrakte f\u00fcr 2023 mit 120 Euro\/MWh sowie f\u00fcr 2024 mit 90 Euro\/MWh ebenfalls auf sehr hohen Niveaus. Zwar ist \u2013 sofern es nicht zu einer Eskalation im Ukraine-Konflikt kommt \u2013 mit einer Normalisierung des Gaspreises zu rechnen, jedoch ist die Stromversorgung in Europa nach wie vor angespannt, insbesondere im Falle eines vorgezogenen Kohleausstiegs. Nuklearstrom aus Frankreich ist das R\u00fcckgrat der Grundlasterzeugung in dieser Dekade. Die Reaktorflotte ist aber mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren nicht mehr die j\u00fcngste. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass weitere ungeplante Stillst\u00e4nde in den Folgejahren erforderlich sein werden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Europ\u00e4ische Stromversorger sollten vom hohen Strompreis profitieren<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Hintergrund sollte der Strompreis auf hohem Niveau verharren. Hiervon w\u00fcrden dann vor allem europ\u00e4ische Stromerzeuger wie Fortum, Verbund, RWE oder Uniper profitieren. RWEs Stromerzeugung fokussiert sich zwar mittlerweile auf erneuerbare Energien mit langfristig vertraglich festgesetzten Erzeugerpreisen. Jedoch ist die RWE-Aktie im Gegensatz zu den anderen Versorgern bislang nicht so stark gestiegen und profitiert zumindest teilweise von hohen Strompreisen. So ist in diesem Jahr knapp zehn Prozent der RWE-Stromproduktion f\u00fcr 2022 Jahr nicht \u201eabgehedged\u201c und kann zu sehr hohen Preisen im Spotmarkt verkauft werden. Zudem ist ein Teil der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (14-17 TWh) frei verf\u00fcgbar und kann am Markt ebenfalls zu hohen Preisen verkauft werden. Ferner besitzt RWE einen deutlichen Bewertungsabschlag zu anderen Stromerzeugern aus erneuerbaren Energien, welcher sich im Falle eines vorgezogenen Kohleausstiegs reduzieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der angespannten Lage bei der Stromerzeugung k\u00f6nnten auch Hersteller von Windturbinen oder Gaskraftwerken profitieren. So litt z.B. Siemens Energy jahrelang unter der Investitionsr\u00fcckhaltung europ\u00e4ischer Stromversorger in Gaskraftwerke, weil es sich nicht mehr rechnete. Die Belegschaft musste abgebaut werden. Nun muss die Politik aber handeln, um die Versorgungssicherheit in Europa nicht zu gef\u00e4hrden. F\u00fcr einen vorgezogenen Kohleausstieg ist der Bau neuer Gaskraftwerke als Br\u00fcckentechnologie erforderlich. Hier m\u00fcssen festverg\u00fctete Kapazit\u00e4tsm\u00e4rkte analog zu Grossbritannien geschaffen werden, um sichere Investitionsrahmenbedingungen zu schaffen. Zudem ist ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien geboten. Hierf\u00fcr ben\u00f6tigt man sowohl Solar als auch Wind. Beide Erzeugungsarten erg\u00e4nzen sich gut, da Sonne vor allem im Sommer scheint, w\u00e4hrend Wind vor allem im Winter weht. Sowohl bei erneuerbaren Energien, vor allem Offshore Wind, als auch bei Gaskraftwerken, ist Siemens Energy gut positioniert. Die n\u00e4chsten Quartale k\u00f6nnten jedoch aufgrund der aktuell noch schlechten Auftragslage und einiger hausgemachter Probleme in der erneuerbaren-Sparte Siemens Gamesa weiter schwierig bleiben.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausserordentlich gute Gewinnperspektive bei europ\u00e4ischen \u00d6l- und Gastiteln<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausserordentlich gut stellt sich aktuell die Gewinnperspektive bei den europ\u00e4ischen \u00d6l- und Gaswerten dar: Equinor aus Norwegen beispielsweise d\u00fcrfte aufgrund der hohen Gaspreise im 4. Quartal 2021 ein historisches Rekordergebnis einfahren. Equinor kann in gewisser Weise als Hedge-Investment gesehen werden, wenn es zu einer Eskalation im Ukraine-Konflikt kommt. Kein anderes europ\u00e4isches \u00d6l- und Gasunternehmen d\u00fcrfte eine so hohe Sensitivit\u00e4t zum Gaspreis haben wie Equinor. Doch auch breiter aufgestellte europ\u00e4ische \u00d6l- und Gaskonzerne wie BP, Royal Dutch Shell oder Total Energies profitieren von den hohen \u00d6l- und Gaspreisen und d\u00fcrften nicht nur sehr gute Zahlen f\u00fcr das 4. Quartal 2021 liefern, sondern auch im Gesamtjahr 2022 erneut hohe Gewinne generieren. Der freie Cash Flow d\u00fcrfte dabei im Gesamtjahr 2021 einen historischen Rekordwert erreicht haben und k\u00f6nnte 2022 sogar noch \u00fcbertroffen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Europas \u00d6l-Multis stecken gerade in einem massiven Umbau, weg vom traditionellen Gesch\u00e4ft hin zu erneuerbaren Energien. Bis 2030 k\u00f6nnten diese bis zu 40 Prozent ihrer Investitionen in erneuerbare Energien stecken, etwas mehr als viermal so viel wie heute. Durch die aktuell sehr hohe Mittelgenerierung kann diese Transformation auch problemlos finanziert werden und im Vergleich zu einstigen Grossprojekten im \u00d6l- und Gasgesch\u00e4ft sind die Investitionen in Wind- und Solarparks etc. auch nicht besonders gross.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der europ\u00e4ische \u00d6l- und Gassektor wird inzwischen aus ESG- und Nachhaltigkeitsgr\u00fcnden von vielen institutionellen Anlegern gemieden. Rein aus dem Investitionsblickwinkel bleibt die Branche aber sehr spannend, denn ins klassische \u00d6l- und Gasgesch\u00e4ft wird wenig investiert, was auch f\u00fcr l\u00e4ngerfristig hohe \u00d6lpreise spricht. Dar\u00fcber hinaus sind die Investitionen in erneuerbare Energien nicht so gross wie ehemalige Investitionen in grosse \u00d6l- und Gasprojekte. Relativ gesehen sind Unternehmen wie Equinor oder Totalenergies bei der Transformation schon relativ weit fortgeschritten und in ihrer Branche auch mit am besten bzgl. der ESG- und Nachhaltigkeitskriterien bewertet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE: Bereits seit September 2020 sind die Strompreise an den Terminb\u00f6rsen stetig gestiegen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":9710,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[176],"class_list":["post-22927","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-dje"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22927"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22927\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}