{"id":22965,"date":"2022-05-24T09:19:33","date_gmt":"2022-05-24T07:19:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=13263"},"modified":"2022-05-24T09:19:33","modified_gmt":"2022-05-24T07:19:33","slug":"dje-oelkonzerne-und-die-not-zum-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-oelkonzerne-und-die-not-zum-wandel\/","title":{"rendered":"DJE: \u00d6lkonzerne und die Not zum Wandel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DJE: W\u00e4hrend die \u00d6lpreise in den letzten Monaten immer weiter stiegen, sind die Investitionen in neue \u00d6l- und Gasprojekte ins Stocken geraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Von Stefan Breintner, Leiter Research und Portfoliomanagement, DJE Kapital AG<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Investoren meiden zunehmend Industrien, welche fossile Brennstoffe und hohe CO2-Emissionen produzieren. Dies d\u00fcrfte die Preise f\u00fcr ein Barrel \u00d6l nachhaltig st\u00fctzen. Es k\u00f6nnte auch dazu beitragen, den \u00dcbergang zu erneuerbaren Energien erheblich zu beschleunigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit gibt es einen Boom bei den Roh\u00f6lpreisen: Seit Jahresauftakt verteuerten sich die Kontrakte f\u00fcr das US-Crude Oil um mehr als 40 Prozent, w\u00e4hrend das in Europa \u00fcblichere \u00d6l der Nordseemarke Brent eine Preissteigerungsrate von 35 Prozent verzeichnete. \u00dcber weiterhin hohe bzw. steigende Roh\u00f6lpreise freuen sich die grossen \u00d6lkonzerne wie Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell oder TotalEnergies, die derzeit rekordhohe Cash Flows generieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon vor Beginn der Covid-Pandemie war der Trend von sinkenden Investitionen in neue \u00d6lprojekte sichtbar. Dies l\u00e4sst sich unter anderem anhand der Bohraktivit\u00e4ten messen. Die US-Energiebeh\u00f6rde EIA ver\u00f6ffentlicht hier monatliche Auswertungen. Diese zeigen, dass die Bohraktivit\u00e4ten zwar wieder zunehmen, jedoch weiterhin unterhalb des Vor-Covid-Niveaus verharren. Dar\u00fcber hinaus sinkt weiterhin die Anzahl von gebohrten, aber nicht vollst\u00e4ndig abgeschlossenen Bohrl\u00f6chern. Die Reserven an vorhandenen Bohrprojekten sinken also ebenfalls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch hohe Investitionsanstrengungen in neue F\u00f6rder- und Bohraktivit\u00e4ten von den grossen Energieunternehmen bleiben bislang gr\u00f6sstenteils aus. Dies l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass auch Energiekonzerne \u201egr\u00fcner\u201c werden m\u00f6chten und daher bereits damit begonnen haben, ihre Produktportfolios von fossilen Brennstoffen hin zu CO2-\u00e4rmeren Energiequellen zu diversifizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus haben Unternehmen aus dem Sektor keine guten Erfahrungen damit gemacht, innerhalb k\u00fcrzester Zeit hohe Investitionen in F\u00f6rderaktivit\u00e4ten zu t\u00e4tigen. In den Jahren 2011 bis 2014 investierten sie hohe Summen in F\u00f6rderprojekte, welche sich aber nicht wie gew\u00fcnscht auszahlten. Im benannten Zeitraum stiegen die Produktionsvolumen schneller als die globale Nachfrage, was schlussendlich dazu f\u00fchrte, dass der \u00d6lpreis erst seitw\u00e4rts tendierte, bevor er sich im Jahr 2014 von 100 US-Dollar auf 50 US-Dollar halbierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der ESG-Trend trug einen erheblichen Teil dazu bei, dass die Branche unattraktiver f\u00fcr viele Investoren wurde und Investitionen aufgrund von versch\u00e4rften ESG-Richtlinien nicht mehr in \u00d6lprojekte get\u00e4tigt wurden.<\/p>\n<p><strong>Hohe Preise f\u00fchren zum Umdenken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die stark gestiegenen \u00d6lpreise f\u00fchrten in den letzten Monaten auch dazu, dass ein Umdenken bei vielen Staaten stattfand. Fossile Brennstoffe werden weiterhin ben\u00f6tigt, um den \u00dcbergang hin zu erneuerbaren Energien nachhaltig stemmen zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus kann man weiterhin davon ausgehen, dass der Gipfel der globalen \u00d6lnachfrage erst nach 2030 erreicht sein wird, unter der Voraussetzung, dass Investitionen in erneuerbare Energien weiterhin stark gef\u00f6rdert und ausgebaut werden. Bis dahin werden weitere Investitionen in die Branche von N\u00f6ten sein, um die globale Nachfrage entsprechend bedienen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die globale Nachfrage zu drosseln, k\u00f6nnte jedoch der Wirtschaftszyklus als eine Art &#8220;Joker&#8221; einspringen. \u00dcber die letzten Wochen verdichteten sich die Anzeichen, dass die Wachstumsdynamik in den wichtigsten Volkswirtschaften weiter abnimmt. Zentralbanken straffen die Geldpolitik in einem Ausmass, dass wir seit den 70-er Jahren nicht mehr gesehen haben, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Wenn diese Straffung der Geldpolitik nun aber zu einer Rezession zum Jahreswechsel 2023 f\u00fchren sollte, w\u00fcrde sich die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen wiederum drastisch verringern. Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass Zentralbanken den schmalen Grat zwischen geldpolitischer Straffung und abflachendem Wirtschaftswachstum falsch einsch\u00e4tzen und die Wirtschaft in eine Rezession st\u00fcrzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schulden reduziert<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade viele US-\u00d6lkonzerne haben die steigenden Roh\u00f6lpreise und die steigenden Gewinne genutzt, um ihre Schuldenlast zu reduzieren. Dies war auch dringend n\u00f6tig, da gerade US-\u00d6lkonzerne stark verschuldet waren und der kurzzeitige \u00d6lpreis-Crash im M\u00e4rz 2020 dazu f\u00fchrte, dass die betroffenen Unternehmen kurz vor der Zahlungsunf\u00e4higkeit standen. Aktuell zahlt sich der Schuldenabbau aus den vergangenen beiden Jahren umso mehr aus, da die Refinanzierung von Verbindlichkeiten durch steigende Kapitalmarktzinsen in den vergangenen Monaten wieder teurer geworden ist. Dar\u00fcber hinaus sind die Dividendenrenditen bei Titeln aus der Branche attraktiv und liegen oftmals \u00fcber vier Prozent. Aufgrund der fundamentalen Lage, struktureller Angebotsengp\u00e4sse und damit in Zukunft hoher \u00d6lpreise erscheint es realistisch, dass diese hohen Dividenden auch in Zukunft gezahlt werden. Viele Unternehmen setzten auch noch auf ausgiebige Aktienr\u00fcckkaufprogramme. Aktuell kaufen einige Unternehmen wie Chevron, Equinor oder TotalEnergies, aktiv eigene Aktien zur\u00fcck. Bei \u00d6lpreisen \u00fcber 90 US-Dollar sollte dies in den kommenden Jahren anhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In die nahe Zukunft blickend, versprechen die grossen Player, am Markt ihre Investitionen \u00fcber die kommenden Jahre wieder leicht ausbauen zu wollen, jedoch weitaus diversifizierter als in den vergangenen Jahren, wie beispielsweise 2011 bis 2014, einer Zeit, in der die Investitionen in F\u00f6rderprojekte ihren letzten H\u00f6hepunkt erreichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Investitionserwartungen der \u00d6lbranche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Statistik von Statista wurden Ende letzten Dezembers 131 F\u00fchrungskr\u00e4fte aus dem \u00d6l- und Gassektor zu ihren Einsch\u00e4tzungen auf Investitionen in ihren Unternehmen im Vergleich zu 2021 befragt. 78 Prozent der befragten Verantwortlichen erwarten eine leichte oder deutliche Erh\u00f6hung der Investitionsausgaben im Vergleich zu 2021. Hervorzuheben gilt es hierbei auch, dass es sich bei der Statistik lediglich um US-Unternehmen aus dem Bereich Produktion (Upstream) handelt, also genau um die Marktteilnehmer, welche schlussendlich in der Lage sind, die Produktion kurzfristig zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten Monate werden zeigen, ob die angek\u00fcndigten Investments in neue Bohrprojekte tats\u00e4chlich in die Tat umgesetzt werden und ob diese Bem\u00fchungen ausreichen, um die globale Nachfrage ausreichend bedienen zu k\u00f6nnen. Das Investmenthaus Goldman Sachs geht derzeit jedoch davon aus, dass wir einen grossen Unterschied zu fr\u00fcheren Investitionszyklen in der Branche der fossilen Brennstoffe sehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend wir in vergangenen Investitionszyklen bei Energiepreisen auf solch hohem Niveau eine Verdoppelung der Investitionen innerhalb von zwei oder drei Jahren gesehen haben, werden wir dieses Mal \u00fcber die n\u00e4chsten zwei bis drei Jahre wohl maximal eine Steigerung bei den Investitionen von 20 bis 30 Prozent sehen. Die strukturellen Rahmenbedingungen machen sich also bemerkbar. Hier wird das Dilemma der \u00d6lkonzerne sichtbar: Investitionen in erneuerbare Energien oder CO2-freundlichere Technologien sind zwar bei weitem nicht so rentabel wie Investitionen in das klassische \u00d6l\/Gas-Gesch\u00e4ft, zur Einhaltung von Klimazielen f\u00fchrt hieran aber kein Weg vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Energiebranche entwickelt sich also ebenfalls weiter und \u00d6lkonzerne gestalten ihre CAPEX-Ausgaben nachhaltiger. TotalEnergies sieht beispielsweise vor, 25 bis 50 Prozent seines Investmentbudgets \u00fcber die n\u00e4chsten vier Jahre in erneuerbare Energien und CO2-arme Energiegewinnung zu allokieren, Royal Dutch Shell sieht vor, bis zum Jahr 2025 die H\u00e4lfte des Investitionsbudgets demselben Bereich zuzuwenden, der britische Energiekonzern BP steckt sich dasselbe Ziel bis 2030. Generell hinken die US-Konzerne bei den Investitionen in erneuerbare Technologien den europ\u00e4ischen Unternehmen massiv hinterher. Hohe Energiepreise k\u00f6nnen dazu beitragen, den Wandel in eine CO2-neutralere Gesellschaft zu beschleunigen. Ganz getreu dem Motto: Je teurer die fossilen Brennstoffe sind, desto billiger werden die erneuerbaren und CO2-freundlicheren Alternativen in Relation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE: W\u00e4hrend die \u00d6lpreise in den letzten Monaten immer weiter stiegen, sind die Investitionen in neue \u00d6l- und Gasprojekte ins Stocken geraten.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":13265,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[176,272],"class_list":["post-22965","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-dje","tag-stefan-breintner"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22965","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22965"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22965\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22965"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22965"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22965"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}