{"id":22970,"date":"2022-06-13T09:37:27","date_gmt":"2022-06-13T07:37:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=13532"},"modified":"2024-01-22T17:39:12","modified_gmt":"2024-01-22T16:39:12","slug":"union-investment-rohstoffe-die-neue-energie-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/union-investment-rohstoffe-die-neue-energie-welt\/","title":{"rendered":"Union Investment : Rohstoffe: Die neue Energie-Welt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Union Investment : Wie sich die Preise von Roh\u00f6l, Raffinerieprodukten und Erdgas in den kommenden zw\u00f6lf Monaten entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/advisorworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Von Max Holzer, Leiter Relative Return und Mitglied des Union Investment Committee<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr eine Achterbahnfahrt: In den vergangenen acht Monaten hat sich der Preis f\u00fcr ein Fass Roh\u00f6l der Sorte Brent zun\u00e4chst von rund 70 auf mehr als 130 US-Dollar fast verdoppelt, um anschliessend wieder 20 Prozent abzugeben. Mittlerweile liegt die Notierung bei rund 120 US-Dollar, aber schwankt nach wie vor sp\u00fcrbar. Allzu sehr \u00fcberraschen sollte das nicht. Denn der \u00d6lpreis ist aktuell nicht nur Ausdruck von Angebot und Nachfrage, sondern auch ein Spielball geopolitischer Entwicklungen, getrieben vom Krieg in der Ukraine. Er befindet sich im Spannungsfeld zwischen der hohen Nachfrage nach Energie und dem erkl\u00e4rten Willen, den Abschied von fossilen Energietr\u00e4gern zu beschleunigen, um dem Klimawandel Grenzen zu setzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Durch den Ukraine-Krieg steigt angesichts leerer Lager der Roh\u00f6lpreis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein R\u00fcckblick:<\/strong> Die Corona-Pandemie hatte weltweit zu einem deutlichen R\u00fcckgang der Nachfrage nach Roh\u00f6l und raffinierten \u00d6lprodukten gef\u00fchrt. Die Menschen fuhren weniger Auto und flogen seltener oder gar nicht mehr in den Urlaub. Auch in der Industrie war die Stimmung mau und daher der Energiebedarf deutlich reduziert. Um den Preis stabil zu halten, reagierte die Organisation erd\u00f6lexportierender L\u00e4nder (OPEC) und setzte- der niedrigen Nachfrage ein niedriges Angebot entgegen. Sie k\u00fcrzte die Produktion. Als dann das Pandemiegeschehen langsam in den Hintergrund trat und die Nachfrage wieder anstieg, die Produktion aber zun\u00e4chst gleich blieb, setzte der \u00d6lpreis zu einem kleinen H\u00f6henflug an. Die Lager leerten sich. Dann begann der Krieg in der Ukraine und der \u00d6lpreis ging f\u00f6rmlich durch die Decke. Zur ohnehin erh\u00f6hten Nachfrage kam die Unsicherheit angesichts drohender Lieferstopps und etwaiger Embargos vor dem Hintergrund leerer Lager.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt, dass die \u00d6lbranche vor dem Hintergrund der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft sehr lange nicht mehr investiert hat. Erneuerbare Energien sollen auf Sicht \u00d6l und Gas ersetzen. Warum also noch viel Geld in die Hand nehmen, um ein neues \u00d6lfeld zu erschliessen? Die Folge: Die F\u00f6rderkapazit\u00e4t kann nicht mehr ohne weiteres hochgefahren werden. Die \u00d6lunternehmen hat das in eine komfortable Situation gebracht. Die Kosten sind niedrig, weil wenig investiert wurde, aber die Cashflows dank der kr\u00e4ftigen Nachfrage und der hohen Preise immens. Kein Wunder, dass Aktien von \u00d6lkonzernen in den vergangenen Monaten sehr gut abgeschnitten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichtsdestotrotz haben die Geschehnisse in der Ukraine und die Folgen f\u00fcr den Weltmarkt deutlich gemacht, dass wir f\u00fcr den \u00d6lausstieg noch nicht bereit sind. Verschiebungen auf der Angebotsseite k\u00f6nnen eine erhebliche Preisreaktion zur Folge haben. Zumindest mit Blick auf Roh\u00f6l l\u00e4sst sich aber konstatieren, dass sich die Lage etwas beruhigt hat. Die Freigabe der strategischen Reserven etwa durch die USA hat den Markt entspannt, die OPEC hat die Produktion wieder nach oben angepasst und das russische \u00d6l findet alternative Wege zur\u00fcck in den Weltmarkt. Statt wie zuvor nach Westen fliesst es nun nach Osten zu asiatischen Abnehmern wie China und Indien. Sie kaufen das \u00d6l mit einem erheblichen Abschlag von rund 35 US-Dollar pro Fass. Grunds\u00e4tzlich ist die Versorgungslage intakt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage:<\/strong> Warum sp\u00fcrt der Verbraucher von dem verbesserten Angebot so wenig? Die Antwort ist in der Tat diffizil. Denn tats\u00e4chlich hat sich der Preis der raffinierten Produkte von der Entwicklung des \u00d6lpreises etwas abgekoppelt. Die hohen Kosten an der Zapfs\u00e4ule sind nicht zuletzt darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Russland nicht nur ein bedeutender \u00d6lexporteur ist, sondern auch viele \u00d6lprodukte ins Ausland verkauft. Zu den 2,7 Millionen Barrel (Fass) Roh\u00f6l, die Russland in die EU exportiert, kommen noch 2,3 Millionen Barrel raffinierte Produkte, also zum Beispiel Diesel oder Benzin. Und diese Produkte lassen sich nicht ohne weiteres ersetzen, weil sie in der Regel m\u00f6glichst nah beim Endkonsumenten raffiniert werden. Da durch den Krieg auch einige Raffinerien ausfallen, herrscht bei den verbliebenen Standorten Hochbetrieb, und die Margen sind auf ein Rekordniveau geklettert. Darum wird auch die Absenkung der Mineral\u00f6lsteuer nur, wenn \u00fcberhaupt, mit Verz\u00f6gerung zur Entlastung der Verbraucher beitragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Urlaubssaison steigert die Nachfrage zus\u00e4tzlich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Problematisch ist, dass sich die Situation in den kommenden Wochen wenig verbessern d\u00fcrfte. Millionen Europ\u00e4er fiebern auf ihren Urlaub hin, f\u00fcr viele ist es nach den Corona-Jahren die erste echte Auszeit \u2013 und die wird sich kaum jemand nehmen lassen, auch nicht aus Kostengr\u00fcnden. Hinzu kommt, dass China seine Corona-Massnahmen zunehmend lockert, so dass auch im Reich der Mitte wieder mehr \u00d6l ben\u00f6tigt werden d\u00fcrfte. Das bedeutet eine erh\u00f6hte Nachfrage, die auf niedrige Lagerbest\u00e4nde, knappe Raffineriekapazit\u00e4ten und ein eingeschr\u00e4nktes Angebot trifft. Und weil von der Nachfrage auch die Vorprodukte betroffen sind, sollte auch der \u00d6lpreis in den kommenden Monaten auf einem erh\u00f6hten Niveau bleiben.<br \/>\nDie gute Nachricht ist, dass sich ab dem Sp\u00e4tsommer die Situation sukzessive entspannen sollte. Denn zwei Effekte sind zu erwarten: Das Angebot erweitert sich stetig, denn die OPEC ebenso wie die USA bauen ihre F\u00f6rderung aus. Gleichzeitig schl\u00e4gt der teure Spritpreis dem Verbraucher auf das Portemonnaie, zumal dann auch Ma\u00dfnahmen wie etwa der Tankrabatt wegfallen. Das bedeutet, dass die Nachfrage langsam zur\u00fcckgeht. Das Ganze passiert in einer Zeit, in der saisonal bedingt ohnehin weniger \u00d6l gebraucht wird als etwa im Hochsommer \u2013 zumal viele Menschen aus Furcht vor Versorgungsengp\u00e4ssen ihre \u00d6ltanks in diesem Jahr eher fr\u00fcher als sonst f\u00fcllen d\u00fcrften. Unter dem Strich sollte der Preis f\u00fcr \u00d6l also sukzessive fallen. Bis zum Jahresende 2022 sollte ein Fass der Sorte Brent etwa 95 US-Dollar kosten. In zw\u00f6lf Monaten k\u00f6nnte der Preis dann bei 80 US-Dollar liegen \u2013 vorausgesetzt wir sehen keine weitere Eskalation im Ukraine-Krieg, etwa durch die Beteiligung weiterer Kriegsparteien, und auch keinen sprunghaften Anstieg der Nachfrage aus China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gaspreis bleibt dauerhaft auf h\u00f6herem Niveau<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als bei \u00d6l werden wir uns beim Thema Gas an strukturell h\u00f6here Preise gew\u00f6hnen m\u00fcssen. Bislang waren die Europ\u00e4er in der komfortablen Situation, aus Russland g\u00fcnstig mit Pipeline-Gas versorgt zu werden. Doch der russische Einmarsch in der Ukraine \u00e4nderte alles. Das Risiko der enormen Abh\u00e4ngigkeit Europas von Russland trat offen zutage und das Thema Energiesicherheit r\u00fcckte f\u00fcr Politiker, Unternehmen und Privathaushalte auf der Agenda ganz nach oben. Denn einerseits k\u00f6nnte Russland jederzeit die Gaslieferungen stoppen und so Europas Wirtschaft in eine tiefe Rezession st\u00fcrzen. Andererseits sind die Gasexporte eine wichtige Einnahmequelle Russlands, die auch f\u00fcr die Finanzierung des Angriffskriegs genutzt wird. Bis Februar hatten manche L\u00e4nder, darunter Deutschland, die Abh\u00e4ngigkeit nicht als Problem empfunden. Nun aber gibt es akuten Handlungsdruck. Ein Schl\u00fcssel: Die grossangelegte \u2013 und im Kampf gegen den Klimawandel ohnehin dringend ben\u00f6tigte \u2013 Energiewende, die durch die aktuellen Entwicklungen nochmals an Bedeutung gewinnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis eine fl\u00e4chendeckende und ausreichende Versorgung mit gr\u00fcner Energie in Reichweite r\u00fcckt, m\u00fcssen sich die Europ\u00e4er ihr Gas in Form von Fl\u00fcssiggas auf dem Weltmarkt besorgen. Dabei konkurrieren sie mit den asiatischen Staaten. Das ist deutlich sp\u00fcrbar: Im Jahresvergleich hat sich der Gaspreis vervierfacht. Bislang war Gas in Europa meist etwas g\u00fcnstiger als in Asien. Diese Zeiten d\u00fcrften vorbei sein. Kurz gesagt muss Europa einen h\u00f6heren Preis als die asiatischen Staaten bezahlen, um das Gas geliefert zu bekommen. Zur Wahrheit geh\u00f6rt auch, dass die asiatischen Staaten ihren Strom durch die Verfeuerung von Kohle erzeugen d\u00fcrften, wenn durch die Nachfrage aus Europa Gas f\u00fcr sie nicht mehr erschwinglich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine schnelle Linderung ist hier kaum zu erwarten. Bis neue Quellen, etwa in Katar, erschlossen sind, d\u00fcrfte es noch einige Jahre dauern. Dem Bau neuer Anlagen und der Erschliessung neuer Gasfelder steht zudem der politische Wille zur Energiewende samt Abschied von fossilen Brennstoffen entgegen. Insbesondere mit Blick auf Gas heisst es also, die Z\u00e4hne zusammenzubeissen und den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, um zumindest \u00fcber eine geringere Nachfrage den Preis zu mindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: InvestmentWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Union Investment : Wie sich die Preise von Roh\u00f6l, Raffinerieprodukten und Erdgas in den kommenden zw\u00f6lf Monaten entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":23194,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":null,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[758],"tags":[231,127],"class_list":["post-22970","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rohstoffe","tag-china","tag-union-investment"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22970"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23196,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22970\/revisions\/23196"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}