{"id":22977,"date":"2022-07-06T09:31:26","date_gmt":"2022-07-06T07:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=13831"},"modified":"2022-07-06T09:31:26","modified_gmt":"2022-07-06T07:31:26","slug":"dje-zur-technologie-strukturelle-trends-sind-intakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-zur-technologie-strukturelle-trends-sind-intakt\/","title":{"rendered":"DJE zur Technologie: Strukturelle Trends sind intakt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DJE: Technologiewerte waren die Lieblinge der Investoren. Doch seit Anfang 2022 hat sich das ge\u00e4ndert. In diesem Umfeld werden Profitabilit\u00e4t gegen\u00fcber Wachstum abgewogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Von Ren\u00e9 Kerkhoff, Fondsmanager und Analyst f\u00fcr Internet, Tech &amp; Automotive, DJE Kapital<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange genossen Technologiewerte ein besonderes Umfeld: Bei \u00e4usserst niedrigen Zinsen liess sich Wachstum leicht finanzieren, Wachstum rangierte vor Profitabilit\u00e4t. Und Corona beschleunigte die Digitalisierung ganzer Sektoren und Lebensbereiche. Das hat sich jetzt ver\u00e4ndert: Die strukturellen Treiber, vor allem die Digitalisierung, sind nicht verschwunden, aber der monet\u00e4re R\u00fcckenwind hat sich durch die Zinswende in Gegenwind verwandelt. Wachstum zu finanzieren kostet jetzt mehr. Ausserdem bestehen geopolitische Risiken. In dieser Situation geht vielen Investoren Profitabilit\u00e4t vor Wachstum. Der Markt passt sich aktuell an dieses neue Umfeld an. Der Nasdaq 100, der die Entwicklung der 100 gr\u00f6ssten US-Technologieunternehmen spiegelt, hat seit Jahresanfang gut 31 Prozent verloren, der S&amp;P 500, der Aktienindex der 500 gr\u00f6ssten US-Unternehmen, dagegen \u201enur\u201c 21 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im April stieg die Teuerung in Deutschland auf 8,3 Prozent, in den USA erreichte sie im Mai mit 8,6 Prozent sogar das h\u00f6chste Niveau seit 1981. Ursache sind vor allem h\u00f6here Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme. Somit nimmt der Druck auf die US-Notenbank zu, die Zinsen weiter zu erh\u00f6hen. Daraufhin stiegen die Renditen f\u00fcr 10-j\u00e4hrige Staatsanleihen auf 3,3 Prozent. H\u00f6here Zinsen machen Technologiewerten zu schaffen, weil zuk\u00fcnftige Gewinne mit einem h\u00f6heren Abzinsungsfaktor versehen werden, was wiederum den Gegenwartswert des Unternehmens mindert. Die h\u00f6here Inflation dr\u00fcckt zudem auf die Konsumentenstimmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wachstumserwartungen herunterschrauben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Kombination aus Inflation und schlechter Konsumentenstimmung macht sich in vielen Technologiesegmenten bemerkbar. Unternehmen, die eine hohe Basis aus den Coronajahren gebildet hatten und stark gewachsen sind, m\u00fcssen nun ihre Prognosen f\u00fcr das laufende Jahr zur\u00fccknehmen. Hier sind vor allem Unternehmen aus dem E-Commerce-, Social-Media- und Werbesegment zu nennen, deren Wachstumsraten zur\u00fcckgehen. Nachdem zum Beispiel Snapchat schon im April vorsichtige T\u00f6ne angeschlagen hatte, wurde der Ausblick im Mai aufgrund des schlechten Konjunkturumfeldes und der abnehmenden Konsumdynamik noch einmal reduziert. Snapchat ist als Social-Media-Unternehmen darauf angewiesen, dass Kunden f\u00fcr verschiedene Arten von Anzeigeprodukten auf der Plattform Geld ausgeben. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit werden solche Ausgaben jedoch oft als erste reduziert. Insofern pr\u00fcfen auch viele Technologiekonzerne und Startups nun Kostensenkungsoptionen. So werden Neueinstellungen erst einmal aufgeschoben (Snapchat, Netflix, Microsoft, Facebook, Amazon, Gorillas, Klarna usw.), oder einzelne Mitarbeiter werden sogar entlassen. Tesla etwa k\u00fcndigte einen weltweiten Einstellungsstopp an und pr\u00fcft, die Mitarbeiterzahl um zehn Prozent zu reduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Investoren als Brandbeschleuniger bei Techwerten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Faktor, der wie ein Brandbeschleuniger f\u00fcr den Technologiesektor wirkt, sind die Investoren, die ihre zum Teil starke \u00dcbergewichtung in dem Sektor reduzieren. In Hochzeiten der Corona-Pandemie, als viele Menschen im Home-Office sassen, stemmten nicht-professionelle Investoren rund 30 Prozent des Handelsvolumens der sogenannten \u201eCorona-Gewinner\u201c, darunter Unternehmen wie Peloton, Netflix oder Zoom, \u00fcber Trading-Plattformen wie Robinhood. Nun sind es unter zehn Prozent des Handelsvolumens, und die meisten Anleger werden ihre Positionen mit Verlusten verkauft haben. Aber auch professionelle Investoren haben in den letzten Monaten den Abverkauf befeuert und die Sektor-Rotation angeheizt. Laut Goldman Sachs haben Hedge-Fonds im ersten Quartal die Sektoren Technologie, zyklische Konsumg\u00fcter und Dienstleistungen um 15 Prozent abgebaut und Energie, Rohstoffe, Industrie und Banken um 13 Prozent aufgebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier muss man allerdings genauer differenzieren. Manche von der Pandemie befeuerten Trends sind verschwunden, andere jedoch haben noch an Momentum gewonnen und werden das Umsatzwachstum der Unternehmen treiben. Somit hinkt der Vergleich mit der \u201eDotcom-Blase\u201c von vor knapp 20 Jahren etwas. Einige Gesch\u00e4ftsmodelle von damals existierten nur auf dem Papier, waren unprofitabel oder nicht real. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das ge\u00e4ndert. Beg\u00fcnstigt durch die Demografie und das sich \u00e4ndernde Kundenverhalten gab es eine nachhaltige Wende hin zu digitalen Technologien und Dienstleistungen, die nun \u00fcberproportional profitabel sind und meistens h\u00f6here Margen erwirtschaften als klassische Unternehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fusionen und \u00dcbernahmen gewinnen an Fahrt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den aktuellen Abverkauf und die somit deutlich g\u00fcnstigeren Bewertungen in einer Branche, in der strukturell zugrundeliegende Trends intakt sind, k\u00f6nnten sich nun Fusionen und \u00dcbernahmen h\u00e4ufen. Auf dem H\u00f6hepunkt der Dotcom-Blase hatten die Technologiewerte im S&amp;P 500 ein Kurs-Gewinn-Verh\u00e4ltnis (KGV) von 62,3, das heutige KGV im Nasdaq 100 liegt dagegen bei 24,1. Auch die EBIT-Margen liegen heute im Nasdaq 100 mit 20,1 Prozent oberhalb des S&amp;P 500 mit 16,1 Prozent, obwohl einige der Nasdaq-Unternehmen noch keine Gewinne machen. Von 2015 bis heute konnten sich die durchschnittlichen Ums\u00e4tze der Nasdaq-Werte fast verdoppeln, die aus dem S&amp;P 500 stiegen dagegen nur um 48 Prozent. Die Nettoschulden zu EBITDA liegen im Nasdaq 100 bei 0,65x und im S&amp;P 500 bei 1,0x. Diese Vergleiche zeigen, dass die Tech-Werte besser aufgestellt sind als fr\u00fcher und durch die wirtschaftlich guten Jahre auch gewisse Cash-Polster aufgebaut haben, um in schlechteren Zeiten Liquidit\u00e4t f\u00fcr Aktienr\u00fcckkaufe, Dividenden oder Zuk\u00e4ufe zu haben. Auch f\u00fcr Private-Equity-Investoren k\u00f6nnte der Abverkauf interessant sein. Die Beteiligungsgesellschaft Argos Wityu, die Private-Equity-Transaktionen rund um europ\u00e4ische Unternehmen analysiert, konstatiert eine Angleichung der Bewertungen unterschiedlicher Branchen. Zahlten K\u00e4ufer f\u00fcr Technologiefirmen im Schlussquartal 2021 noch vier EBITDA-Betr\u00e4ge mehr als f\u00fcr andere Industrieunternehmen, schrumpfte die Differenz im ersten Quartal auf einen EBITDA-Betrag. Denn das Interesse f\u00fcr renditestarke Transaktionen in der Private-Equity-Branche ist weiterhin hoch. So meldete Advent, eine angels\u00e4chsische Beteiligungsgesellschaft, j\u00fcngst den Abschluss eines neuen Fonds \u00fcber 25 Milliarden Dollar. Er gilt als zweitgr\u00f6sster Fonds der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachfage nach Cybersicherheit-L\u00f6sungen w\u00e4chst<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Technologiesektor sind vor allem Unternehmen attraktiv, die sich auf Cybersecurity spezialisiert haben. Durch die wachsende Digitalisierung der Unternehmen und den aktuellen Konflikt in der Ukraine steigt weltweit auch die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Cyber-Attacken. Mussten Unternehmen fr\u00fcher in analogen Werkschutz investieren, um ihr Warenlager zu sch\u00fctzen, brauchen sie heute digitale Sicherheitssysteme. Die Nachfrage an Cyber-Security-L\u00f6sungen wird mindestens so stark steigen wie die Digitalisierungsrate in den Unternehmen, einfach um geistiges Eigentum zu sch\u00fctzen. Der Branche stehen dadurch hohe Investitionen bevor, sodass die weltweiten Ums\u00e4tze mit Cybersicherheit bis ins Jahr 2026 um knapp 60 Prozent auf 345 Milliarden Dollar steigen k\u00f6nnten. Schon im Januar k\u00fcndigte US-Pr\u00e4sident Joe Biden an, dass Unternehmen und Regierungseinrichtungen bis 2025 ihr Netzwerk auf eine Zero-Trust-Architektur umstellen m\u00fcssten. Platzhirsch f\u00fcr vertikale Sicherheitsl\u00f6sungen ist Palo Alto mit einem Marktanteil von knapp 20 Prozent, gefolgt von Fortinet und Cisco.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cloud- und Softwaresektor boomt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spannende Investitionsm\u00f6glichkeiten gibt es auch f\u00fcr Cloud- und Software-Anbieter, da sich diese oft durch hohe Margen und wiederkehrende Ums\u00e4tze auszeichnen. Der Trend zur Cloud ist ungebrochen und hat sich zuletzt sogar noch einmal beschleunigt. Haben Unternehmen ihre Server fr\u00fcher oft selbst betrieben, greifen sie nun f\u00fcr die Cloud fast ausschliesslich auf externe Anbieter zur\u00fcck. Dies bietet den Vorteil, dass Kapazit\u00e4ten nicht lokal bereitgestellt werden m\u00fcssen und bei Bedarf einfach angepasst werden k\u00f6nnen. Die Kosten f\u00fcr das Betreiben oder die Anschaffung der Server entfallen. Auch Software k\u00f6nnte weiter Potenzial haben. Eine der grossen Ver\u00e4nderungen der vergangenen Jahre war die Umstellung vom Kaufen aufs Abonnieren von Software \u2013 Stichwort \u201eSoftware as a Service\u201c (SaaS). Fr\u00fcher haben Kunden eine Softwarelizenz individuell gekauft und lokal installiert. Heute nutzen Unternehmen oder Privatpersonen eine Anwendung \u00fcber das Internet und zahlen f\u00fcr die Nutzung, nicht f\u00fcr das Programm selbst. Updates und Wartung der Software entfallen, und das Unternehmen, das SaaS-Service zur Verf\u00fcgung stellt, erh\u00e4lt eine monatliche Geb\u00fchr. Die Vorteile sind kalkulierbare, wiederkehrende Einnahmen, ein stabiler Cashflow und dauerhafte Kundenbindungen \u2013 aber auch eine gewisse Abh\u00e4ngigkeit. Einige Softwareunternehmen, darunter Adobe, Salesforce, Intuit oder Autodesk k\u00f6nnen \u00fcber 90 Prozent ihrer Ums\u00e4tze als wiederkehrend verbuchen. Solche verl\u00e4sslichen Einnahmen sind f\u00fcr Investoren gerade dann interessant, wenn die konjunkturelle Lage ungewiss ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zurzeit muss man genau analysieren, welche Technologieunternehmen eine Investition lohnen k\u00f6nnten. Allerdings bietet jeder Abverkauf auch Chancen, und teilweise sind Unternehmen weit unter ihre durchschnittliche Bewertung der letzten Jahre gerutscht. Selektive Analysen und Auswahlverfahren sind daher \u00e4usserst wichtig. Eine eventuelle Rezession k\u00f6nnte den Technologiewerten sogar helfen: Die Inflation w\u00fcrde sich abk\u00fchlen, der Druck von der Zinsseite ginge zur\u00fcck, und Wachstum liesse sich wieder g\u00fcnstiger finanzieren. Was zudem f\u00fcr Technologietitel spricht: Sie sind weniger abh\u00e4ngig von Rohstoffpreisen und Lieferketten und k\u00f6nnen Preiserh\u00f6hungen meistens gut an den Kunden weitergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE: Technologiewerte waren die Lieblinge der Investoren. Doch seit Anfang 2022 hat sich das ge\u00e4ndert. In diesem Umfeld werden Profitabilit\u00e4t gegen\u00fcber Wachstum abgewogen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":13833,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[176,272],"class_list":["post-22977","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-dje","tag-stefan-breintner"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22977","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22977"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22977\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}