{"id":22982,"date":"2022-07-18T14:44:12","date_gmt":"2022-07-18T12:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=14019"},"modified":"2022-07-18T14:44:12","modified_gmt":"2022-07-18T12:44:12","slug":"dje-autoaktien-sind-ein-selektives-investment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-autoaktien-sind-ein-selektives-investment\/","title":{"rendered":"DJE: Autoaktien sind ein selektives Investment \u00a0"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DJE: Die globale Automobilproduktion w\u00e4chst auf \u00e4hnlichem Niveau wie das globale BIP \u2013 allerdings gibt es seit 2019 eine Abkopplung des langfristigen Trends.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Philipp Stumpfegger, Portfolio Manager &amp; Sektoranalyst Automotive und Industrials, DJE Kapital AG<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> Die Wachstumsaussichten des Autosektors haben sich jedoch nicht strukturell ver\u00e4ndert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nimmt man den Corona-Ausbruch 2020 als Startpunkt: Hier wurde nach dem scharfen Einbruch die schnelle Erholung von der Industrie zun\u00e4chst massiv untersch\u00e4tzt. Auch wurden Bestellungen von Zuliefererteilen &#8211; unter anderem Halbleitern &#8211; deutlich gek\u00fcrzt. Die Halbleiterindustrie vergab die freien Kapazit\u00e4ten an andere, vor allem durch den Homeoffice-Trend boomende Industrien wie die PC- und Elektronikbranche. Somit war der \u201ePerfekte Sturm\u201c f\u00fcr die Automobillieferketten programmiert. Der Zugriff auf die ben\u00f6tigten Kapazit\u00e4ten ging verloren. Dieses Thema zieht sich seit 2021 wie ein roter Faden durch die Autoindustrie und ist der Hauptgrund f\u00fcr die diversen Produktionsk\u00fcrzungen in den letzten 18 Monaten. Bis heute befindet sich die Branche in einem Zustand mit k\u00fcnstlich verknappten Produktionsvolumina, auch wenn sich die Situation nun nach und nach verbessert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Knappheit f\u00fchrt zu Rekordmargen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lieferkettenproblematik hat der Autoindustrie eine noch nie dagewesene Preisdisziplin (keine Rabatte!) erm\u00f6glicht, welche sich unter anderem in massiv gestiegenen Gebraucht- und Neuwagenpreisen spiegelt. Vielen Autoherstellern haben das eingeschr\u00e4nkte Angebot und die boomende Nachfrage zu Rekordmargen verholfen \u2013 Mercedes beispielsweise f\u00fchlte sich aufgrund der starken Nachfrage und langen Lieferzeiten im Februar sogar gezwungen, einen Bestellstopp f\u00fcr die E-Klasse auszurufen &#8211; ein absolutes Novum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Informationslage zu Halbleiterlieferketten, basierend sowohl auf pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen mit Branchenvertretern als auch auf Lagerbestandsdaten, deutet zuletzt auf eine deutliche Entspannung am Markt hin. Die Produktionseinschr\u00e4nkungen h\u00e4ngen derzeit an einer relativ geringen Anzahl von Bauteilen, wie beispielsweise Microcontrollern, w\u00e4hrend in vielen anderen Bereichen mittlerweile wieder signifikante Lagerbest\u00e4nde vorhanden sind. Die Lieferkettenengp\u00e4sse sollten sich somit im Laufe des zweiten Halbjahres und 2023 deutlich verbessern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei einer potenziell anstehenden Volumenerholung dr\u00e4ngen sich jedoch diverse Fragen auf: Hat die Branche aus vergangenen Fehlern gelernt und ist die aktuelle Preisdisziplin nachhaltig? Inwiefern st\u00fctzen hier Aufholeffekte aus ausgefallener Produktion der letzten Jahre die Nachfrage? Welche Rolle spielt eine zunehmend wahrscheinlicher werdende Rezession in diesem Szenario?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Margen werden unter Druck geraten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entgegen diverser Beteuerungen der Autoindustrie ist davon auszugehen, dass in einem Szenario, in dem das Angebot nicht mehr limitiert ist, auch die Preisdisziplin wieder abrupt schwinden wird und die Margen der Autohersteller deutlich unter Druck kommen werden. Insbesondere bei den Volumenherstellern wird dies der Fall sein. In der Vergangenheit hatten Luxusmarken oder auch die Oberklasse-Modelle der Premiumhersteller\u00a0 jedoch weniger Probleme, ihre Margennivaus zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das derzeit relativ geringe Produktionsniveau, der Nachfragestau der letzten Jahre\u00a0 sowie das ansteigende Durchschnittsalter der PKW-Flotten in den USA und Europa sollten unterst\u00fctzend wirken. Zudem sollte auch der operative Hebel bei h\u00f6heren Produktionsmengen und Effizienzgewinnen nach dem Lieferkettenchaos helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zunehmend realistisch erscheinende Rezessionsszenario in Europa und potenziell auch in den USA wirkt perspektivisch deutlich d\u00e4mpfend auf die Volumenerholung. Autonachfrage ist traditionell hoch zyklisch \u2013 ein klassisches \u201ediskretion\u00e4res Konsumgut\u201c, welches zudem ein absolut gesehen hohes Preisschild tr\u00e4gt. Daher besteht schnell das Risiko, dass solche Ausgaben aufgeschoben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die Auftragsb\u00fccher der Autokonzerne aktuell noch sehr gut gef\u00fcllt sind, werden erste Signale eines potenziellen Abschwungs sichtbar. Volkswagen beispielsweise sieht erste Anzeichen einer sich abschw\u00e4chenden Nachfrage in Europa. Auch klassische Indikatoren f\u00fcr Konsumg\u00fcter, wie beispielsweise das Verbrauchervertrauen, sehen aktuell denkbar ung\u00fcnstig f\u00fcr den Sektor aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gasversorgung in der deutschen Autoindustrie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Autoproduzenten in Deutschland, in die sich mittlerweile auch Tesla einreiht, gibt es ein zus\u00e4tzliches Thema, das f\u00fcr Verwerfungen sorgen k\u00f6nnte \u2013 die Gasversorgung der Industrie, welche bei einem anhaltenden russischen Lieferstopp staatlich rationiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die direkte Abh\u00e4ngigkeit der deutschen Autoindustrie von Gas ist auf den ersten Blick mit Sicht\u00a0 auf Verbrauchsdaten und Kosten relativ \u00fcberschaubar. Volkswagen beispielsweise ist mit eigenen erneuerbaren Energien und einem eigenen Kohlekraftwerk in Wolfsburg energieautark, jedoch liegt der Teufel im Detail. Bei erheblichen Einschr\u00e4nkungen in der Gasversorgung ist anzunehmen, dass manche betroffenen Zulieferer, wie die Chemieindustrie, Probleme bekommen und somit auch die Hersteller wieder mit Lieferkettenproblemen zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E-Mobilit\u00e4t schreitet weiter voran<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abseits von der aktuell brisanten Rezessions- und Gasversorgungsthematik schreiten auch die langfristigen Dekarbonisierungspl\u00e4ne der Europ\u00e4ischen Union weiter voran. Ende Juni wurde im Rahmen des \u201eFit for 55\u201c-Programms das faktische Verbrenner-Aus f\u00fcr Neufahrzeuge ab 2035 beschlossen und somit der ohnehin schon eingeschlagene Weg in Richtung Elektrifizierung der Flotten weiter gest\u00e4rkt. Potenzielle Ausnahmen k\u00f6nnten hier noch die Verwendung von E-Fuels bieten, welche explizit offengelassen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Autoaktien eher selektiv interessant<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autoaktien beziehungsweise der europ\u00e4ische Autosektor sind seit dem Jahreshoch im Januar mittlerweile um rund 30 Prozent gefallen. Mit Hinblick auf eine m\u00f6gliche Rezession in Europa ist der Kursverfall historisch betrachtet (gemessen an Rezessionen seit 1990) bisher noch moderat ausgefallen. Im Durchschnitt liegt der Kursverfall vom Vorrezessionshoch auf Rezessionstiefs im Autosektor bei nahezu 53 Prozent \u2013 somit sind historisch betrachtet die technischen Tiefstst\u00e4nde noch nicht erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Generell ist in einem rezessiven Szenario in zyklischen Sektoren Vorsicht geboten, vor allem, da sich im Autosektor die Analystensch\u00e4tzungen f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr durchaus als zu optimistisch entpuppen k\u00f6nnten. Somit sind selektive Investitionen in den Sektor ratsamer als in der Breite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Autohersteller versus Zulieferer <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Autozuliefereraktien weisen relativ zu den Autolherstelleraktien aufgrund der fehlenden Preissetzungsmacht \u00fcber die letzten 24 Monate eine deutlich schlechtere Performance auf und bieten somit vermeintliches Aufholpotenzial. Aufgrund der vermutlich anstehenden Rezession ist es da\u00fcr aber noch zu fr\u00fch, auch wenn die Entspannung der Lieferketten bei Halbleitern isoliert f\u00fcr eine Volumenerholung spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei zinssensitiven Firmen mit Start-up Charakter, also mit hohen Bewertungen und ohne nennenswerte Gewinne, bleibt Skepsis auch nach signifikanten Kursabschl\u00e4gen im aktuellen Marktumfeld weiter angebracht. Starke Bilanzen, \u00fcber die die meisten deutschen Autokonzerne verf\u00fcgen, sind in unruhigen Zeiten von grossem Vorteil, da diese auch f\u00fcr Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe genutzt werden k\u00f6nnen (siehe z.B. BMW).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werte mit unternehmensspezifischen Sondersituationen k\u00f6nnen sich oft anders entwickeln als der Gesamtmarkt. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Porsche Holding AG \u2013 die Holdinggesellschaft der Familien Porsche und Pi\u00ebch, welche mit einem Abschlag von 31 Prozent zu ihrem inneren Wert (Net-Asset-Value) handelt. Dieser Wert setzt sich in erster Linie aus nahezu 32 Prozent der Volkswagenaktien und einer Netto-Cash-Position zusammen. Der anstehende B\u00f6rsengang der Porsche AG, also des operativen Porsche-Autogesch\u00e4fts, kann diesen Abschlag zum inneren Wert transparenter machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig in einem inflation\u00e4ren Umfeld ist \u2013 wie in allen Branchen \u2013 eine starke Preissetzungsmacht. Das findet man weniger bei Volumenherstellern, daf\u00fcr aber bei Luxusherstellern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE: Die globale Automobilproduktion w\u00e4chst auf \u00e4hnlichem Niveau wie das globale BIP \u2013 allerdings gibt es seit 2019 eine Abkopplung des langfristigen Trends.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":11820,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[176,713],"class_list":["post-22982","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-dje","tag-philipp-stumpfegger"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22982"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22982\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}