{"id":22993,"date":"2022-09-19T10:20:17","date_gmt":"2022-09-19T08:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=14651"},"modified":"2022-09-19T10:20:17","modified_gmt":"2022-09-19T08:20:17","slug":"dje-zu-e-commerce-ein-interessanter-struktureller-trend-fuer-anleger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-zu-e-commerce-ein-interessanter-struktureller-trend-fuer-anleger\/","title":{"rendered":"DJE zu E-Commerce: Ein interessanter struktureller Trend f\u00fcr Anleger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">DJE: Der Online-Handel erlebte durch die Corona-Pandemie einen enormen Schub. Mit der R\u00fcckkehr von mehr Normalit\u00e4t d\u00fcrfte sich dieses Wachstum zwar abschw\u00e4chen. Der strukturelle Trend bleibt aber intakt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Ren\u00e9 Kerkhoff, Fondsmanager und Analyst Internet, Software &amp; E-Commerce, DJE Kapital<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Plattformen profitieren besonders, denn Netzwerkeffekte sind in der digitalen Welt die Skaleneffekte der analogen Massenproduktion. Bei Bezahlsystemen haben Banken das Nachsehen, und die Bedeutung von Bargeld schwindet zugunsten digitaler Geldb\u00f6rsen. Mit \u201eBuy now pay later\u201c verbreitet sich ein komfortables, aber zweischneidiges Bezahlangebot in Form von Konsumentenkrediten unter neuem Namen. F\u00fcr Anleger sind E-Commerce- und Payment-Titel aufgrund des strukturellen Trends interessant. Eine genaue Analyse ist bei diesen konsumnahen Titeln im aktuell schwierigen Marktumfeld allerdings unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Trend zur Digitalisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange Zeit profitierte der Onlinehandel weltweit von der Corona-Pandemie und beschleunigte weltweit eine strukturelle Ver\u00e4nderung im Einkaufsverhalten der Konsumenten: Haben sie erst einmal ein Konto bei einem Onlineh\u00e4ndler er\u00f6ffnet und sind mit den Abl\u00e4ufen vertraut, d\u00fcrfte die Nutzung tendenziell zunehmen. Durch diese neu gewonnene Vertrautheit mit dem E-Commerce, hinweg \u00fcber alle Altersklassen, konnte sich der weltweite Online-Umsatzanteil von knapp 15% im Jahr 2019 auf 21% im Jahr 2021 steigern. In Hochzeiten der Corona-Pandemie lag das Quartalswachstum teilweise sogar bei \u00fcber 50%, da Konsumenten durch zahlreiche Lockdowns keine andere M\u00f6glichkeit hatten, als online einzukaufen. Dies befeuerte die Aktien aus diesem Segment, die sich teilweise vervielfachten. Zugleich erh\u00f6hte sich der Druck auf station\u00e4re H\u00e4ndler, st\u00e4rker in den E-Commerce zu investieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14652 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/8beecc0113a1fd56c923092b3efb2054.png\" alt=\"19092022\" width=\"532\" height=\"581\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund der hohen Wachstumsraten wurden allerdings auch die Basiseffekte h\u00f6her, was es f\u00fcr die Unternehmen schwierig machte, das Wachstum zu halten. Dieser Effekt, gepaart mit einer hohen Inflation, der Wieder-\u00d6ffnung des station\u00e4ren Handels und schlechten Konjunkturaussichten, sorgte f\u00fcr eine Normalisierung der Online-Nachfrage und liess das Wachstum im ersten Halbjahr 2022 auf knapp sieben Prozent absinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings sah man hier auch Unterschiede in den Kategorien und Produktgruppen. So verkaufen sich beispielsweise Luxusartikel auch weiterhin gut. Im zweiten Halbjahr 2022 werden die hohen Basiseffekte zwar nachlassen, was auf ein besseres Wachstum schliessen l\u00e4sst. Die anderen Risiken bleiben allerdings weiterhin bestehen. Nichtsdestotrotz sind die genannten strukturellen Treiber dieser Entwicklung intakt, und der E-Commerce-Anteil k\u00f6nnte sich laut Prognosen allein in den USA bis 2025 auf mehr als 30 Prozent erh\u00f6hen, was einem durchschnittlichen Wachstum von 13 Prozent pro Jahr entspr\u00e4che. Langfristig sind Penetrationsraten von \u00fcber 45 Prozent denkbar, wie sie in einigen Teilen Asiens schon erreicht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erfolgsmodell Plattform<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Plattformmodelle und Online-Marktpl\u00e4tze sind klare Profiteure dieses Trends, da sie vom grossen Skalierungspotenzial besonders profitieren. In diesen digitalen \u00d6kosystemen profitieren die Unternehmen von Netzwerkeffekten. Diese sind f\u00fcr die digitale \u00d6konomie das, was Skaleneffekte f\u00fcr die industrielle Massenproduktion darstellen. Die meisten dieser digitalen \u00d6kosysteme erstrecken sich \u00fcber mehrere Branchen und beziehen verschiedene Industriezweige, Partner, Kunden und Unternehmen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige der grossen Online-Marktpl\u00e4tze (Amazon, Alibaba, eBay) entdeckten die Vorteile des Netzwerk-effektes f\u00fcr sich sehr fr\u00fch und bauten ihre Plattformen entsprechend aus. So \u00f6ffnete zum Beispiel Amazon seine Plattform fr\u00fchzeitig f\u00fcr andere Unternehmen und stellte den Kunden in den Vordergrund, um ihm dieses \u00d6kosystem anzubieten. Dadurch konnten externe Unternehmen ihre Produkte auf Amazon anbieten und auch die Logistik und verschiedene andere Dienstleistungen von Amazon nutzen. Amazon selber nutzte die neu gewonnenen Informationen und Datenpunkte, um das gesamte \u00d6kosystem zu erweitern und eine Vielzahl von neuen Gesch\u00e4ftsmodellen einzuf\u00fchren (Cloud-Infrastruktur, Prime, Bezahlsysteme, Werbung, Gesundheitsangebote). Dieses \u00d6kosystem bietet dem Kunden ein einheitliches und einfach zu bedienendes System, das durch eine Vielzahl von Dienstleistungen, Produkten und Erkenntnissen einen Mehrwert bedeutet. Zudem erm\u00f6glicht das System den Plattformen, exponentiell zu wachsen und das normale Marktwachstum zu \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der station\u00e4re Handel wird digital<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Corona-Pandemie fand allerdings auch ein Umdenken bei den station\u00e4ren H\u00e4ndlern statt. Denn nicht nur f\u00fcr die genannten Grossunternehmen ist die Umstellung auf eine Plattform\u00f6konomie sinnvoll, sondern auch f\u00fcr kleinere H\u00e4ndler. Denn schliesst sich ein H\u00e4ndler einem Marktplatz an, muss er nicht selbst m\u00fchsam einen Webshop aufbauen und pflegen, sondern braucht dort dort lediglich relevante Produktdaten hinzuzuf\u00fcgen, um seine Produkte oder Services auf einer der grossen Plattformen anzubieten. Dieses Umdenken sollte dem E-Commerce-Wachstum in Zukunft weiterhin grosses Potenzial verschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines der grossen Probleme des Online-Handels sollte man allerdings nicht vernachl\u00e4ssigen: In Deutschland allein werden nach Untersuchungen pro Jahr fast 500 Millionen bestellte Artikel zur\u00fcckgeschickt. Im Schnitt wird jede sechste Bestellung retourniert, in der Mode sogar jede zweite. Dies verursacht im Durchschnitt f\u00fcr den H\u00e4ndler 20 Euro Retourkosten und mindert die Margen der E-Commerce-Unternehmen. Retouren bedeuten nicht nur einen entgangenen Umsatz, sie verursachen auch Personal- und Prozesskosten. Allerdings sehen H\u00e4ndler in digitalen Technologien wie zum Beispiel der Gr\u00f6ssenermittlung bei Mode ein grosses Potenzial, um die Anzahl der Retouren in Zukunft zu reduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E-Commerce-Zahlungswege: Banken gehen leer aus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Technologie im Zusammenhang mit E-Commerce-Plattformen ist die Zahlungsabwicklung. An den Banken geht die neue Entwicklung der Zahlungsdienstleistungsbranche allerdings komplett vorbei, auch wenn sie versuchen, mit Paydirekt und Euro-Kartensystemen in den Markt zu dr\u00e4ngen. Sie k\u00f6nnen die innovative und hochtechnische Entwicklung nicht mehr f\u00fcr sich abbilden und werden das Feld den grossen Tech-Konzernen \u00fcberlassen m\u00fcssen. Diese interessieren sich verst\u00e4rkt f\u00fcr den digitalen Zahlungsverkehr und investieren hohe Summen in Forschung und Entwicklung, um am wachsenden Markt zu partizipieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wallet statt Geldbeutel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bargeld wird in Deutschland immer seltener genutzt. Im Jahr 2021 wurden nur noch 55 Prozent aller t\u00e4glichen Zahlungen bar get\u00e4tigt. 2020 lag der Anteil der Barzahlungen noch bei 61 Prozent; im Jahr 2017 waren es noch 74 Prozent. Die beiden Pandemiejahre haben den Alltag von Konsumenten ver\u00e4ndert &#8211; auch beim Einkaufen und Bezahlen. Online-Eink\u00e4ufe sowie bargeld- oder kontaktloses Bezahlen werden immer beliebter. Kartenzahlungen machen mittlerweile einen Anteil von knapp 31 Prozent aus; 2017 waren es nur 23 Prozent. Es ist sehr wahrscheinlich, dass immer mehr Deutsche k\u00fcnftig ihren physischen Geldbeutel gegen eine elektronische Wallet austauschen. Im E-Commerce ist das auch schon der Fall. Im Jahr 2021 wurden dort ein Drittel der Transaktionen \u00fcber eine digitale Wallet abgewickelt, 2019 lag dieser Wert noch bei 23 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Heute kaufen, morgen bezahlen: Eine neue Schuldenfalle?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein neuer Wachstumsmarkt der digitalen Wallet-Anbieter ist der Bereich \u201eBuy now pay Later\u201c (BNPL). Laut eines Global Payments-Reports aus dem Jahr 2021 wird die Zahlungsmetode BNPL (in Europa mit als erstes von Klarna eingef\u00fchrt) bis 2025 zehn Prozent aller E-Commerce-Transaktionen ausmachen. Dies entspricht mehr als einer Verdreifachung des aktuellen Anteils von knapp drei Prozent. Somit k\u00f6nnte das Umsatzvolumen von BNPL von 159 Mrd. US-Dollar im Jahr 2021 auf knapp 420 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 ansteigen, was einem Wachstum von fast 30 Prozent pro Jahr entspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch PayPal, einer der gr\u00f6ssten westlichen digitalen Wallet-Anbieter, bietet nun seinen Kunden ein BNPL-Modell an, um die Flexibilit\u00e4t beim Einkauf zu erh\u00f6hen. Entscheiden sich Kunden f\u00fcr diese Zahlungsmethode, so k\u00f6nnen sie ihren Einkauf \u00fcber ein, drei, sechs, zw\u00f6lf oder gar 24 Monatsraten finanzieren. Somit binden die Unternehmen die Kunden l\u00e4nger an die Wallet und k\u00f6nnen so weitere Daten \u00fcber das Einkaufverhalten der Kunden gewinnen und ihren durchschnittlichen Umsatz pro Kunde mit Zusatzfunktionen erh\u00f6hen. Das schnelle Wachstum der BNPL-Anbieter wie Klarna, PayPal, Afterpay oder Affirm birgt allerdings auch neue Risiken, die vor allem bei j\u00fcngeren Kunden zu beobachten sind. Durch die vermehrte Nutzung von BNPL, gepaart mit hohen Zinsen der Anbieter, k\u00f6nnen sich Konsumenten auch schneller verschulden oder Produkte kaufen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten k\u00f6nnen. Somit k\u00f6nnte hier k\u00fcnftig auch regulatorischer Druck auf die Unternehmen zukommen, um diese Kreditvergabe st\u00e4rker zu kontrollieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wachstumstrends mit Schatten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">E-Commerce und Payment sind strukturelle Wachstumstrends. Durch den k\u00fcrzlichen Abverkauf der Technologiewerte an den Weltb\u00f6rsen sind diese allerdings verst\u00e4rkt unter Druck geraten. Zudem muss im aktuellen Marktumfeld auch genau differenziert werden, da eine Rezession nat\u00fcrlich konsumnahe Sektoren st\u00e4rker treffen w\u00fcrde. Bei allen Wachstumsaussichten sollten Anleger also hier besonders im Auge behalten, wie sich Marktumfeld, Konsumentenpreise und Konsumverhalten entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE: Der Online-Handel erlebte durch die Corona-Pandemie einen enormen Schub. Mit der R\u00fcckkehr von mehr Normalit\u00e4t d\u00fcrfte sich dieses Wachstum zwar abschw\u00e4chen. 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