{"id":23009,"date":"2022-12-12T11:07:03","date_gmt":"2022-12-12T10:07:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.advisorworld.ch\/?p=15835"},"modified":"2022-12-12T11:07:03","modified_gmt":"2022-12-12T10:07:03","slug":"dje-gaskrise-ist-noch-lange-nicht-augestanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/dje-gaskrise-ist-noch-lange-nicht-augestanden\/","title":{"rendered":"DJE : Gaskrise ist noch lange nicht augestanden"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>DJE<\/strong> : Mittelfristige Sch\u00e4tzungen beim Gaspreis lassen wenig Zuversicht mit Blick auf energieintensive Unternehmen in Europa aufkommen. Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien gibt es weiterhin verschiedene H\u00fcrden<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Von Stefan Breintner, Leiter Research und Fondsmanager DJE Gold &amp; Stabilit\u00e4t<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund des zuletzt milden Wetters und einer j\u00fcngst gesunkenen Nachfrage korrigierte der Preis f\u00fcr Erdgas am virtuellen Handelspunkt TTF (Title Transfer Facility) in Rotterdam. Dort ist wegen seines hohen Handelsvolumens der wichtigste Erdgas-Handelsplatz in Europa. Gas verbilligte sich vom Ende August erreichten Jahreshoch in H\u00f6he von 311 Euro pro Megawattstunde auf zuletzt etwa 140 Euro pro Megawattstunde. Trotz dieses deutlichen R\u00fcckgangs ist auch das aktuelle Niveau in einem l\u00e4ngerfristigen historischen Vergleich sehr hoch bzw. f\u00fcr energieintensive Industrien zu hoch: 140 Euro pro Megawattstunde sind beispielsweise mehr als zehn Mal so viel wie der entsprechende Preis Ende November 2020. Energieintensive Unternehmen, die z.B. voll auf Deutschland als Produktionsstandort angewiesen sind, sind damit perspektivisch nicht wettbewerbsf\u00e4hig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warnungen aus der Wirtschaft &#8211; Beispiel BASF<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Wirtschaft mangelt es entsprechend nicht an Warnungen in Richtung der Politik. BASF als (noch) f\u00fchrendes Chemieunternehmen der Welt ist beispielsweise der gr\u00f6sste deutsche Gasverbraucher (Anteil 4%). Planungen von BASF scheinen davon auszugehen, dass man mittelfristig beim Gaspreis mit dem dreifachen Niveau in Europa im Vergleich zu den USA rechnen muss. In diesem Szenario wird es zwangsl\u00e4ufig zu einer deutlichen Reduzierung der Kapazit\u00e4ten in Deutschland bzw. Europa kommen. Zwar gibt es noch bis 2025 eine Jobgarantie in Ludwigshafen, aber eine deutliche Kapazit\u00e4tsreduzierung am deutschen Hauptstandort scheint unausweichlich. Die hieraus resultierenden negativen Netzwerkeffekte auf Zulieferer, Anwohner (Fernw\u00e4rme) und Stadt\/Kommune (Gewerbesteuer) d\u00fcrften derzeit noch massiv untersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>N\u00e4chster Winter k\u00f6nnte kritischer werden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Realistisch ist, dass der Preis f\u00fcr Erdgas perspektivisch hoch bleiben wird bzw. wieder steigt. Problematisch k\u00f6nnte vor allem der Winter 2023\/24 werden. Blackouts oder \u00e4hnliche Horrorszenarien erscheinen im \u00fcbern\u00e4chsten Winter realistischer als 2022\/23. Hintergrund ist, dass es sehr schwierig sein wird, ab M\u00e4rz\/April 2023 die Gasspeicher wieder aufzuf\u00fcllen. Das aktuell dort vorhandene Gas tr\u00e4gt zwar kein Herkunftsschild, aber klar ist, dass der Grossteil russischen Ursprungs ist. Vor dem Krieg in der Ukraine hat Russland an die Europ\u00e4ische Union (EU) insgesamt 155 Mrd. m3 Gas geliefert. Die Lieferungen erfolgten \u00fcber die drei Pipelines Nordstream 1, Yamal (\u00fcber Weissrussland\/Polen) und \u00fcber eine Pipeline durch die Ukraine. Davon ist aktuell nur noch die gr\u00f6sste, diejenige durch die Ukraine, in Teilbetrieb. Realistisch ist, dass 2023 gar kein russisches Gas mehr kommt. Wie die EU ab 2023 bis zu 155 Mrd. m3 Gas ersetzen will, ist mit der Analyse der vorliegenden Daten bzw. der weltweiten LNG-Str\u00f6me nicht ersichtlich. Ohne extremes Sparen bzw. deutliche und anhaltende Verbrauchsreduzierung wird es wohl nicht gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>DJE : Preisdeckel f\u00fcr Gas als L\u00f6sung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritisch zu sehen ist der von der EU-Kommission diskutierte Vorschlag eines Preisdeckels f\u00fcr Erdgas am Knotenpunkt TTF. Eine Preisgrenze im Grosshandel f\u00fcr Liefervertr\u00e4ge im kommenden Monat beschneidet die F\u00e4higkeit der jeweiligen Marktteilnehmer, Risiken abzusichern und k\u00f6nnte negative Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit haben. Bei einem zu tief gesetzten Preisdeckel im Grosshandel ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die EU letztendlich unattraktiver f\u00fcr Energieimporteure wird und diese auf andere, weniger regulierte M\u00e4rkte ausweichen. Nach den j\u00fcngsten Vorschl\u00e4gen der EU-Kommission soll der Preisdeckel wohl aber bei 275 Euro pro Megawattstunde liegen. Dieses Niveau wurde 2022 nur an sehr wenigen Tagen \u00fcberschritten. Der Gaspreisdeckel w\u00fcrde demzufolge nur bei extremen Preisspitzen greifen. Die grossen europ\u00e4ischen \u00d6l- und Gaskonzerne haben im Hinblick auf die Gewinnentwicklung allesamt ein hohes Exposure zur Preisentwicklung am Knotenpunkt TTF, das heisst deren realisierte Preise basieren oft \u00fcberwiegend auf dem TTF-Preis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fl\u00fcssiggas-Kapazit\u00e4ten vorhanden, aber nicht genutzt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl das Angebot von Fl\u00fcssiggas (LNG) gesch\u00e4tzt um mehr als 20 Prozent (gegen\u00fcber dem Niveau aus 2020) auf ca. 450 Mio. Tonnen im Jahr 2025 w\u00e4chst, d\u00fcrfte die weltweite Nachfrage nach Fl\u00fcssiggas das Angebot auch in den kommenden Jahren klar \u00fcbersteigen. Nach aktuellen Prognosen zum Ausbau der Kapazit\u00e4ten werden Angebot und Nachfrage im weltweiten LNG-Markt fr\u00fchestens 2026 wieder im Gleichgewicht sein. Defizitsituationen an Energiem\u00e4rkten bedeuten im Regelfall hohe Preise. Daher ist davon auszugehen, dass die Preise f\u00fcr LNG strukturell \u00fcber viele Jahre hinweg auf hohem Niveau bleiben werden. Demzufolge bleiben auch die Gewinnaussichten f\u00fcr die f\u00fchrenden LNG-Produzenten unver\u00e4ndert gut. Deutschland will bereits im kommenden Jahr mithilfe der bis zu f\u00fcnf schwimmenden LNG-Terminals insgesamt etwa 25 Mrd. m3 Fl\u00fcssiggas importieren. Gel\u00e4nge dies, h\u00e4tte Deutschland damit mehr als 50 Prozent der russischen Gasimporte (Referenzjahre 2020\/21) durch Fl\u00fcssiggasimporte ersetzt &#8211; allerdings zu massiv h\u00f6heren Preisen. Die Schl\u00fcsselrolle beim Export bzw. der LNG-Versorgung f\u00fcr Deutschland und Europa spielen dabei die USA bzw. die dort ans\u00e4ssigen Produzenten. Generell haben die meisten Produzenten den \u00fcberwiegenden Anteil ihrer Kapazit\u00e4ten \u00fcber Langfristvertr\u00e4ge &#8211; in der Regel 20 Jahre &#8211; verkauft. Bereits angestossene Erweiterungsprojekte und Effizienzsteigerungen schaffen aber \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten, die dann zu voraussichtlich hohen Preisen verkauft werden k\u00f6nnen. Klarer Treiber f\u00fcr das Gesch\u00e4ft der US-LNG-Produzenten ist der politische Druck in Europa, sich dauerhaft unabh\u00e4ngig von russischem Gas zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>DJE : Erneuerbare Energien brauchen wirtschaftlich gutes Fundament<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die europ\u00e4ische Energiekrise dauerhaft zu l\u00f6sen, muss aber nicht nur eine neue Gas-Infrastruktur aus- und aufgebaut werden. Auch die Erneuerbaren Energien m\u00fcssen massiv ausgebaut werden. Ohne ein wirtschaftlich gesundes Fundament wird der Ausbau der Erneuerbaren allerdings schwierig, und f\u00fcr die \u00dcbergangszeit sind die fossilen Brennstoffe nicht zu ersetzen. Zwar hat sich deutsche Regierung zum Ziel gesetzt, den Ausbau der Erneuerbaren zu beschleunigen, wobei bis 2030 der Stromverbrauch zu 80 Prozent daraus gedeckt werden soll. Doch der Ausbau kommt nicht entscheidend voran \u2013 Knackpunkt sind die langen Genehmigungsverfahren, die den Ausbau ausbremsen. Angesichts dessen erw\u00e4gt Bundeswirtschaftsminister Habeck Staatsgarantien f\u00fcr die Wind- oder Solarbranche. Denkbar seien Produktions- oder Abnahmegarantien. Aber auch eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren w\u00e4re ein erster wichtiger Schritt und d\u00fcrfte 2023 auch kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritisch f\u00fcr die ambitionierten Zielsetzungen der Politik sind auch die Kapazit\u00e4ten bei den Unternehmen beispielsweise der Wind-, Solar- und Wasserstoffbranche. Wesentliche Komponenten f\u00fcr Solar- und Windparks werden aktuell \u00fcberwiegend in China gefertigt. Bei einer Verschlechterung der Handelsbeziehungen mit China w\u00fcrde das Ausbauziel bei den Erneuerbaren in weite Ferne r\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: AdvisorWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DJE : Mittelfristige Sch\u00e4tzungen beim Gaspreis lassen wenig Zuversicht mit Blick auf energieintensive Unternehmen in Europa aufkommen. 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