{"id":24372,"date":"2024-03-25T11:04:04","date_gmt":"2024-03-25T10:04:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=24372"},"modified":"2024-03-25T18:05:27","modified_gmt":"2024-03-25T17:05:27","slug":"flossbach-von-storch-weist-zoegerliche-ezb-auf-dauerhaft-hoehere-inflation-hin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/flossbach-von-storch-weist-zoegerliche-ezb-auf-dauerhaft-hoehere-inflation-hin\/","title":{"rendered":"Flossbach von Storch : Weist z\u00f6gerliche EZB auf dauerhaft h\u00f6here Inflation hin?"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>Flossbach von Storch<\/strong> :\u00a0 Nachdem die Zentralbanken in der globalen Finanzkrise und der Coronakrise durch den umfangreichen Ankauf von Wertpapieren (Quantitative Lockerung) die Finanzsektoren mit Liquidit\u00e4t geflutet hatten, entziehen sie nun diese Liquidit\u00e4t langsam wieder.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Gunther Schnabl, Senior Advisor beim Flossbach von Storch \u2013 Research Institute<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie bauen den Bestand von Wertpapieren in ihren Bilanzen ab (Quantitative Straffung). Im Gegensatz zur Quantitativen Lockerung geht die Straffung allerdings langsamer voran, so dass die Auswirkung auf die langfristigen Zinsen bisher gering ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die englische Tageszeitung Financial Times hat j\u00fcngst die Quantitative Straffung als \u00abGeldpolitik in Friedenszeiten\u00bb bezeichnet, die jederzeit unterbrochen werden k\u00f6nne, wenn es Probleme gibt. Im besten Fall k\u00f6nnten die Zentralbanken ihre Bilanzen verk\u00fcrzen, ohne dass es zu Turbulenzen auf den Finanzm\u00e4rkten kommt. K\u00f6nnte das auch f\u00fcr die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) gelten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bisher hat die EZB nur teilweise gestrafft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem seit Mitte 2021 die Inflation deutlich angestiegen war, hat die EZB mit deutlichen Zinserh\u00f6hungen signalisiert, dass sie entschlossen die Inflation bek\u00e4mpfen werde. Hingegen hat sie die starke Ausweitung ihrer Bilanz seit Ausbruch der europ\u00e4ischen Finanz- und Schuldenkrise nur bei den langfristigen Krediten an die Gesch\u00e4ftsbanken, kaum aber bei den Wertpapierankaufprogrammen APP und PEPP zur\u00fcckgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bestand des Anleihekaufprogramms APP ist bisher nur langsam geschrumpft, von 3.265 Milliarden Euro im Juni 2023 auf knapp rund 3.000 Milliarden Euro. Der Bestand der Anleihen aus dem Pandemischen Notfallankaufprogramm (auf der Spitze im Juni 2022 waren es 1.700 Milliarden Euro) soll noch bis Mitte dieses Jahres konstant bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bisherige geldpolitische Straffung hat also weitgehend am kurzfristigen Ende der Zinsstrukturkurve stattgefunden. Die Zinsen sind daher bei kurzen Laufzeiten hoher als bei langen \u2013 die Zinsstrukturkurve f\u00e4llt also im Euroland derzeit ab, statt anzusteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kommt eine \u00abOperation Twist\u00bb?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Inflation inzwischen wieder deutlich gesunken ist, pausiert die EZB mit den Leitzinserh\u00f6hungen seit September 2023. F\u00fchrende EZB-Vertreter denken sogar \u00fcber Zinssenkungen im Sommer nach. Hingegen will die Zentralbank die Quantitative Straffung \u2013 also das Verk\u00fcrzen der EZB-Bilanz durch das Auslaufenlassen oder den Verkauf von Wertpapieren \u2013 weiter fortsetzen beziehungsweise sogar forcieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erinnert an die \u00abOperation Twist\u00bb der US-amerikanischen Zentralbank Fed, die in den Jahren 2008 und 2009 kurzfristige US-Staatsanleihen verkaufte und langfristige US-Staatsanleihen kaufte, um durch ein Absenken der langfristigen Zinsen die Konjunktur zu beleben. W\u00e4hrend die Fed damals eine aufsteigende Zinsstrukturkurve flacher machte, scheint die EZB die derzeit absteigende Zinsstrukturkurve flacher oder sogar aufsteigend machen zu wollen. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wurden nicht \u00abnur\u00bb Leitzinssenkungen angedeutet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine aufsteigende Zinsstrukturkurve k\u00f6nnte die Banken im Euroraum stabilisieren, weil die kurzfristigen Finanzierungskosten sinken, w\u00e4hrend die Zinsen im langfristigen Neugesch\u00e4ft als wichtige Einkommensquelle steigen. Andererseits w\u00fcrden steigende langfristige Zinsen die ohnehin schwache Nachfrage nach Unternehmens- und Immobilienkrediten weiter d\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00fcrden durch hohe Zinsen die Immobilienpreise weiter gedr\u00fcckt, dann k\u00f6nnten aufgrund des fallenden Wertes der Sicherheiten m\u00f6gliche Kreditausf\u00e4lle die Banken destabilisieren. Steigende Zinsen auf Staatsanleihen k\u00f6nnten hoch verschuldete Eurostaaten wie Griechenland und Italien in Bedr\u00e4ngnis bringen, sodass die EZB wieder gezwungen sein k\u00f6nnte, mit erneuten Ank\u00e4ufen von Staatsanleihen den Euro zu retten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das spricht daf\u00fcr, dass die angedeuteten Leitzinssenkungen auch erneute Ank\u00e4ufe von Wertpapieren durch die EZB, also auch Zinssenkungen am langen Ende der Zinsstrukturkurve signalisieren, selbst wenn derzeit noch das Gegenteil angek\u00fcndigt ist. Wenn das der Fall w\u00e4re, dann d\u00fcrfte es aus vier Gr\u00fcnden einen neuen Schub bei der Inflation geben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vier Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Inflationsschub<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erstens <\/strong>gibt es noch sehr viel \u00dcberschussliquidit\u00e4t im Bankensystem. Die Einlagen der Gesch\u00e4ftsbanken bei der EZB beziehungsweise bei den Zentralbanken des Eurosystems liegen noch deutlich \u00fcber den notwendigen Mindestreserven. W\u00fcrde die \u00dcberschussliquidit\u00e4t nicht weiter konsequent reduziert, sondern wieder erh\u00f6ht, dann w\u00fcrden die langfristigen Zinsen wieder sinken und das Kreditvolumen wieder schnell wachsen. Zus\u00e4tzliche Investitionen und mehr Konsum w\u00fcrden die Inflation wieder nach oben treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zweitens <\/strong>w\u00fcrde ein neues Ausgabenpotenzial f\u00fcr die Eurostaaten geschaffen, das nicht nur \u00fcber eine zus\u00e4tzliche Staatsnachfrage den Inflationsdruck wieder anheizen w\u00fcrde. Eine weiterhin hohe Nachfrage der Eurostaaten auf dem Arbeitsmarkt w\u00fcrden den aktuellen Arbeitskr\u00e4ftemangel weiter verst\u00e4rken und die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften hochhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Inflation w\u00fcrde dann, <strong>drittens<\/strong>, \u00fcber weiter stark wachsende Lohnst\u00fcckkosten hochgehalten, weil sich die aktuelle Lohn-Preis-Spirale weiterdrehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Viertens <\/strong>w\u00fcrde der Verfall der Immobilienpreise einged\u00e4mmt, der derzeit einen deflation\u00e4ren Druck im Euroraum verursacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sind die Schmerzen von Zinserh\u00f6hungen zu hoch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EZB k\u00f6nnte mit dem Anvisieren von Leitzinssenkungen also andeuten, dass sie mit ihrer Strategie der geldpolitischen Straffung bereits an Grenzen gestossen ist, obwohl die Kerninflation mit 3,1 Prozent im Februar 2024 immer noch deutlich \u00fcber dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon allein die bisher erfolgten Zinserh\u00f6hungen am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve haben in Deutschland eine Krise am Immobiliensektor eingeleitet, die mit einer sehr schwachen Konjunktur einhergeht. Aufgrund der hohen Einlagen der Gesch\u00e4ftsbanken beim Eurosystem haben die EZB und die Deutsche Bundesbank schmerzliche Verluste erlitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit die Quantitative Straffung keine Unruhe auf den Finanzm\u00e4rkten erzeugt, k\u00f6nnte sich deshalb die EZB im Verlauf des Jahres 2024 daf\u00fcr entscheiden, dauerhaft mehr als zwei Prozent Inflation zuzulassen. Auch die j\u00fcngste Ank\u00fcndigung der EZB, im Rahmen ihrer neuen Strategie wieder Anleihen zu kaufen, deutet darauf hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: InvestmentWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flossbach von Storch :\u00a0 Nachdem die Zentralbanken in der globalen Finanzkrise und der Coronakrise durch den umfangreichen Ankauf von Wertpapieren (Quantitative Lockerung) die Finanzsektoren mit Liquidit\u00e4t geflutet hatten, entziehen sie nun diese Liquidit\u00e4t langsam wieder.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":24373,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":null,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[75],"tags":[189,308],"class_list":["post-24372","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-zentralbanken","tag-ezb","tag-flossbach-von-storch"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24372"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24372\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24376,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24372\/revisions\/24376"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}