{"id":27556,"date":"2025-01-29T13:15:38","date_gmt":"2025-01-29T12:15:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=27556"},"modified":"2025-01-30T11:27:16","modified_gmt":"2025-01-30T10:27:16","slug":"flossbach-von-storch-notenbanken-was-bringt-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/flossbach-von-storch-notenbanken-was-bringt-2025\/","title":{"rendered":"Flossbach von Storch : Notenbanken &#8211; Was bringt 2025?"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>Flossbach von Storch<\/strong> : Bei US Federal Reserve (<strong>Fed<\/strong>) und Europ\u00e4ischer Zentralbank (<strong>EZB<\/strong>) stehen die ersten Zinssitzungen im neuen Jahr an. Was Anlegerinnen und Anleger erwarten k\u00f6nnen.<\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong><a href=\"\/ch\/newsletter\" rel=\"nofollow\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><b>Von Julian Marx, Research Analyst bei der Flossbach von Storch SE<br \/>\n<\/b><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete: Die EZB befindet sich unver\u00e4ndert auf der Suche nach der richtigen Balance in ihrer geldpolitischen Ausrichtung. Dabei ist das Ziel, allzu hohe Inflationsraten m\u00f6glichst rasch nach unten zu dr\u00fccken, zuletzt einer neuen Zielsetzung gewichen \u2013 diese sieht eine nachhaltige Stabilisierung der Teuerungsraten um das Zwei-Prozent-Inflationsziel vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Nachjustieren der EZB-Kommunikation bedeutet allerdings (noch) nicht, dass das Zwei-Prozent-Inflationsziel bereits erreicht ist. Sichtbar wird dies an einer nach wie vor erh\u00f6hten Kerninflation in der Eurozone, die j\u00fcngst noch immer bei 2,7 Prozent lag. Insofern bestehen unver\u00e4ndert gewisse Aufw\u00e4rtsrisiken f\u00fcr die Teuerungsraten im Euroraum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00fchsam ern\u00e4hrt sich das Eichh\u00f6rnchen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist das Pendel in der Betrachtung der EZB zuletzt mehr und mehr in Richtung m\u00f6glicher Abw\u00e4rtsrisiken umgeschlagen. Einerseits, weil die Euro-W\u00e4hrungsh\u00fcter von deutlich geringeren Lohnsteigerungen und damit auch einer insgesamt niedrigeren Inflation im Jahr 2025 ausgehen. Nach Sch\u00e4tzungen der EZB-Mitarbeiter d\u00fcrfte die Lohninflation im Euroraum in 2024 mit zeitweise 5,4 Prozent ihren H\u00f6hepunkt erreicht haben, bevor sie im Laufe des Jahres 2025 allm\u00e4hlich auf durchschnittlich 3,2 Prozent sinkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daneben betonte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane noch einmal, dass die EZB auch daf\u00fcr Sorge tragen m\u00fcsse, dass die Wirtschaft nicht zu langsam w\u00e4chst. Denn dann st\u00fcnden die Notenbanker nur vor einem neuen Problem. In diesem Fall k\u00f6nnte sich die Inflation n\u00e4mlich unter dem Zielwert von zwei Prozent stabilisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gegenw\u00e4rtig das Risiko eines schwachen Eurozonen-Wachstums ist, <b>zeigen die Wachstumssch\u00e4tzungen der EZB-Mitarbeiter aus dem vergangenen Dezember.<\/b> Zum dritten Mal in Folge revidierten sie ihre Projektionen f\u00fcr 2025 nach unten und erwarten nunmehr ein bescheidenes Wachstum von 1,1 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Umfeld erscheint die grunds\u00e4tzliche Stossrichtung aus EZB-Sicht zwar klar, und den zur\u00fcckliegenden Senkungen des EZB-Einlagenzins auf ein Niveau von 3,0 Prozent d\u00fcrften dieses Jahr weitere folgen \u2013 die erste Zinssenkung des Jahres haben die Marktteilnehmer bereits f\u00fcr diesen Donnerstag eingepreist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weitere Umsetzung des angestrebten geldpolitischen Pfads wird sich allerdings erst im Jahresverlauf konkretisieren. Die EZB war diesbez\u00fcglich sehr deutlich und m\u00f6chte davon absehen, sich vorab auf die Geschwindigkeit und das Ausmass der geldpolitischen Lockerung festzulegen. So wie das Eichh\u00f6rnchen m\u00fchsam Nuss f\u00fcr Nuss knackt, bleibt also auch die EZB ihrem datenabh\u00e4ngigen \u201emeeting-by-meeting\u201c-Ansatz treu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die grosse Unbekannte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Vereinigten Staaten von Amerika sehen sich die US-Notenbanker derzeit <b>einer Gemengelage gegen\u00fcber, die nennenswert von derjenigen im Euroraum abweicht. <\/b>Nach aktuellen Sch\u00e4tzungen des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) k\u00f6nnte die US-Wirtschaft in 2025 um 2,7 Prozent wachsen und den Schwung aus dem Vorjahr mitnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine leidige Begleiterscheinung haben die robusten Wachstumsaussichten dann aber doch. Denn die Inflation erweist sich nach wie vor als \u00e4usserst hartn\u00e4ckig. Nach Einsch\u00e4tzung der Fed k\u00f6nnte die US-Inflation im vierten Quartal 2025 mit 2,5 Prozent weiter ein gutes St\u00fcck \u00fcber dem Zwei-Prozent-Ziel liegen. Damit ist vorerst auch kein unmittelbarer Handlungsdruck gegeben, die US-Leitzinsen von ihrer derzeitigen Bandbreite von 4,25 bis 4,50 Prozent sp\u00fcrbar weiter zu senken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bestehende Spannungsfeld schl\u00e4gt sich auch sichtbar in den aktuellen Markterwartungen f\u00fcr das laufende Jahr nieder. W\u00e4hrend die Zinsen nach Ansicht der Marktteilnehmer beim ersten Zinsentscheid des Jahres konstant gehalten werden d\u00fcrften, wird auch f\u00fcr das restliche Jahre mit lediglich zwei Zinssenkungen gerechnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr all diejenigen, die ein bisschen \u201erumspinnen\u201c m\u00f6chten, lassen sich derzeit sogar Szenarien kreieren, in denen die US-Notenbank gezwungen sein k\u00f6nnte, den Zinsschalter nach drei Zinssenkungen im vergangenen Jahr wieder umzulegen \u2013 auch deswegen, weil bei allen \u00dcberlegungen zur<b> US-Geldpolitik derzeit eine grosse Unbekannte besteht, und die heisst Donald Trump.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im November 2024 liess US-Notenbankchef Jerome Powell verlauten, dass die Wahl des US-Pr\u00e4sidenten kurzfristig keine Auswirkungen auf die geldpolitischen Entscheidungen haben wird. Das k\u00f6nnte sich mit der zur\u00fcckliegenden Vereidigung Trumps aber allm\u00e4hlich \u00e4ndern. Vorausgesetzt, dass sich \u201eTweets\u201c und Drohgeb\u00e4rden in konkrete Massnahmen \u00fcbersetzen, die im Laufe der Zeit wirtschaftliche Auswirkungen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch selbst wenn der Massnahmenkatalog konkreter wird, sind die Handlungsableitungen aus Sicht einer US-Notenbank nicht immer eindeutig. So w\u00fcrden h\u00f6here US-Z\u00f6lle das Preisniveau in den USA zun\u00e4chst weiter ansteigen lassen, denn sie verteuern importierte Waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzfristig w\u00fcrden h\u00f6here Z\u00f6lle also inflation\u00e4r wirken. Gleichzeitig k\u00f6nnen Handelsstreitigkeiten aber auch das Wirtschaftsklima belasten, sodass Investitionen zur\u00fcckgehalten werden und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage leidet. Mittelfristig liesse sich daher auch argumentieren, dass Z\u00f6lle eine disinflation\u00e4re Wirkung entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Beispiel der Z\u00f6lle veranschaulicht, wie schwer es bereits sein kann, die geldpolitischen Implikationen einer einzelnen fiskalpolitischen Massnahme zu beurteilen. Zusammen mit unz\u00e4hligen weiteren, oftmals gegenl\u00e4ufigen Faktoren, macht dies Inflations- und Wirtschaftsprognosen zu einem undankbaren Unterfangen. Die Fed weiss das nur zu gut, wie Powell in der Vergangenheit wiederholt betonte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine neue Normalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sich EZB und Fed derzeit vor allem mit ihrer Zinspolitik besch\u00e4ftigen, ist eine andere Notenbank bereits einen Schritt weiter. Toni Gravelle, Ratsmitglied der Bank of Canada (BoC), liess Mitte Januar verlauten, dass die kanadische Notenbank die erste grosse Zentralbank sein k\u00f6nnte, die den Abbau ihrer pandemiebedingten Anleihek\u00e4ufe demn\u00e4chst abgeschlossen haben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kanadas Notenbanker rechnen mit einem Ende des Bilanzabbaus noch in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2025. Dass die BoC so fr\u00fch dran ist, hat verschiedene Gr\u00fcnde. Einer ist, dass Kanada in der Pandemie einen Grossteil der Anleihen mit relativ kurzen Restlaufzeiten erwarb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit erscheint die R\u00fcckkehr zur geldpolitischen Normalit\u00e4t in Kanada zum Greifen nah. Doch ist Normalit\u00e4t in diesem Fall nicht gleichbedeutend damit, dass alles wie vorher sein wird. Die wesentliche Botschaft ist vermutlich, dass die Notenbankbilanz zuk\u00fcnftig gr\u00f6sser ausfallen wird als vor der Pandemie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wird damit begr\u00fcndet, dass die BoC in Zukunft mehr liquide Verm\u00f6genswerte vorhalten m\u00f6chte, die bei unerwarteten Finanzierungs- oder Liquidit\u00e4tsschocks als Puffer dienen k\u00f6nnen. Derartige \u00dcberlegungen sind keineswegs neu und perspektivisch werden sie auch in der Eurozone oder den USA wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren. Beispielsweise verk\u00fcndete die US-Notenbank bereits im Januar 2022, dass sie auch nach dem Ende des Bilanzabbaus weiterhin umfangreiche Reserven vorhalten m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie umfangreich diese Reserven bei EZB und Fed in der Praxis ausfallen werden, werden k\u00fcnftige Diskussionen zeigen. In diesem Zusammenhang d\u00fcrfte das Jahr 2025 zahlreiche Informationen auf dem Weg in die neue Normalit\u00e4t bereithalten.<\/p>\n<p>Quelle: InvestmentWorld.ch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flossbach von Storch : Bei US Federal Reserve (Fed) und Europ\u00e4ischer Zentralbank (EZB) stehen die ersten Zinssitzungen im neuen Jahr an. 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