{"id":28173,"date":"2025-03-31T17:12:43","date_gmt":"2025-03-31T15:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/?p=28173"},"modified":"2025-03-31T17:22:04","modified_gmt":"2025-03-31T15:22:04","slug":"flossbach-von-storch-was-hinter-trumps-zoellen-steckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/flossbach-von-storch-was-hinter-trumps-zoellen-steckt\/","title":{"rendered":"Flossbach von Storch : Was hinter Trumps Z\u00f6llen steckt"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><strong>Flossbach von Storch<\/strong><b><sup> :\u00a0<\/sup><\/b><strong>Autos, Stahl und Champagner \u2013 immer neue Zollandrohungen aus den USA bedrohen den Welthandel. Was plant Donald Trump?<\/strong><\/h5>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong><a href=\"\/ch\/newsletter\" rel=\"nofollow\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><b><strong>Von\u00a0<\/strong><\/b><b><strong>Gunther Schnabl, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute<\/strong><\/b><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Wahl von Donald Trump zum 45. und 47. Pr\u00e4sidenten der USA haben Z\u00f6lle Hochkonjunktur. Das friedliche Kanada, das aufstrebende Mexiko, das arme Kolumbien, die tr\u00e4ge EU oder das rivalisierende China: Kein Land scheint vor den Zolldrohungen des poltrigen Pr\u00e4sidenten sicher zu sein. Zuletzt eskalierte der Streit mit Kanada. Das Land solle die &#8220;unversch\u00e4mten&#8221; antiamerikanischen Z\u00f6lle von 250 bis 390 Prozent auf US-Milchprodukte fallen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonst w\u00fcrde Trump die kanadische Automobilproduktion vernichten. Wenig sp\u00e4ter drohte der Pr\u00e4sident der EU mit 200 Prozent Z\u00f6llen auf Wein und Champagner. Nun geht es um Autos, die mit einem Zoll von 25 Prozent versehen werden sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach starken Einbr\u00fcchen auf den Weltfinanzm\u00e4rkten sehen viele durch Trumps Zollpolitik die Weltkonjunktur bedroht. Trump versuchte daraufhin zu beschwichtigen. Doch was will er mit den Z\u00f6llen eigentlich? Die USA wieder gross machen? Unfaire Handelspraktiken bestrafen? Oder endlich das immense Leistungsbilanzdefizit der USA kurieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trump hat wiederholt betont, dass er mit den Z\u00f6llen &#8220;gestohlenen Wohlstand&#8221; zur\u00fcckholen will. Dieser Gedanke geht auf den Merkantilismus zur\u00fcck, der Handel als Nullsummenspiel sah: Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren! Der f\u00fchrende Vertreter dieser Denkschule Jean-Baptiste Colbert (1619-1683) glaubte, dass Wohlstand durch Handels\u00fcbersch\u00fcsse entst\u00fcnde, weil diese Gold ins Land bringen. Das passt zu &#8220;Make America Great Again&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Von Handel profitieren beide Seiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hingegen haben der Schotte Adam Smith (1723-1790) und der Brite David Ricardo (1772-1823) gezeigt, dass von Handel beide Seiten profitieren. Denn Handel kommt nur zustande, wenn zwei das wollen. Da sich beide Seiten spezialisieren, kommt es zu Produktivit\u00e4ts- und damit Wohlstandsgewinnen. Entsprechend hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Liberalisierung des Welthandels allen Beteiligten riesige Wohlstandsgewinne gebracht. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte hingegen ausgehend von den USA ein Zollwettlauf die Weltwirtschaft instabil gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings sagt Ricardos Theorie auch, dass einzelne Sektoren von Z\u00f6llen profitieren k\u00f6nnen. Die US-amerikanische Industrie leidet seit vielen Jahrzehnten unter der ostasiatischen und europ\u00e4ischen Konkurrenz. Z\u00f6lle k\u00f6nnen Industriearbeiter sch\u00fctzen, unter denen viele Trump-Anh\u00e4nger sind. Die Menschen in anderen Sektoren w\u00fcrden hingegen nur unter steigenden Preisen leiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch letztes Jahr hatten die USA eines der geringsten Zollniveaus unter den Industriel\u00e4ndern. Die Welthandelsorganisation WTO gibt f\u00fcr 2024 ein durchschnittliches Niveau von 3,4 Prozent an. Dem stehen 3,9 Prozent in Japan und 5,1 Prozent in der EU entgegen. Die USA erheben auf die meisten Autoimporte einen Zoll von 2,5 Prozent, w\u00e4hrend die EU 10 Prozent kassiert. Trumps Forderung nach Reziprozit\u00e4t scheint aus dieser Sicht durchaus berechtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das durchschnittliche Zollniveau von China lag 2024 nach WTO sogar bei rund 7,5 Prozent. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4lt der Industriegigant mit Exportsubventionen und mit einer Abwertung des Yuan seine \u00fcberdimensionierte Industrie \u00fcber Wasser. Auch Trumps Klagen \u00fcber Verletzungen von Patenten, Marken- und Urheberrechten haben bei China ihre Berechtigung.<\/p>\n<p><strong>Exportsubventionen sind teuer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch China d\u00fcrfte mit seiner Handelspolitik in erster Linie sich selbst schaden. Denn Exportsubventionen sind teuer. Der arme chinesische Steuerzahler \u2013 das BIP pro Kopf liegt dort bei ca. 13&#8217;000 Dollar \u2013 subventioniert die reichen US-amerikanischen Konsumenten (BIP pro Kopf: ca. 83&#8217;000 Dollar). Die Abwertung des Yuan gegen\u00fcber dem Dollar macht chinesische Waren in den USA g\u00fcnstiger, w\u00e4hrend sie US-amerikanische Waren f\u00fcr Chinas Konsumenten teurer macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch das dauerhafte Leistungsbilanzdefizit der USA kann Trump mit Z\u00f6llen nicht wie versprochen korrigieren. Dieses geht auf die fr\u00fchen 1980er-Jahre zur\u00fcck, als wachsende Kapitalzufl\u00fcsse aus Japan in den USA den massenhaften Kauf von japanischen Autos, Elektroartikeln und Maschinen finanzierten. Weder Aufwertungen des Yen, noch (angedrohte) Strafz\u00f6lle, noch die Verlagerung japanischer Automobilproduktion in die USA konnten das Ungleichgewicht beseitigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von den USA eingeforderte immense Yen-Aufwertung ab September 1985 im Zuge des ber\u00fchmten Plaza-Abkommens liess nicht nur die japanischen Exporte zur\u00fcckgehen. Japan st\u00fcrzte auch in eine Krise, was die Importe sinken liess. Die erhoffte Auswirkung auf die Handelsbilanz als wichtigster Teilgr\u00f6sse der Leistungsbilanz blieb aus. Ein \u00e4hnlicher Effekt ist denkbar, wenn die USA pl\u00f6tzlich auf breiter Front hohe Z\u00f6lle erheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn die Triebgr\u00f6sse von Leistungsbilanzsalden sind die Nettokapitalfl\u00fcsse. Da die hoch entwickelten Kapitalm\u00e4rkte der USA mehr Kapital anziehen als abfliesst, kann das Land auch mehr G\u00fcter und Dienstleistungen importieren. Und die Kredite aus dem Ausland m\u00fcssen die USA nicht einmal zwingend zur\u00fcckzahlen. Da der US-Dollar die internationale Leitw\u00e4hrung ist, k\u00f6nnen sich die USA in eigener W\u00e4hrung im Ausland verschulden. Und die Verbindlichkeiten durch Inflation abschmelzen. Es macht also wenig Sinn, dass Trump die USA dieses &#8220;exorbitanten Privilegs&#8221; beraubt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Aber was soll der Zollwahn dann eigentlich?<\/b> Zwar erwarten viele seiner W\u00e4hler, dass er ihre Arbeitspl\u00e4tze sch\u00fctzt. Doch Trump hat ihnen auch eine h\u00f6here Kaufkraft versprochen. Z\u00f6lle w\u00fcrden die Preise von Konsumg\u00fctern nach oben treiben. Da der Konsum rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung der USA ausmacht, w\u00fcrden sie das Wachstum und die Lohnsteigerungen ausbremsen. Die daraus resultierende schlechte Stimmung an den B\u00f6rsen k\u00e4me vielen Unterst\u00fctzern Trumps einschliesslich Elon Musk wohl nicht zupass.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Z\u00f6lle als Druckmittel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass Trump Z\u00f6lle als Druckmittel sieht, um Zugest\u00e4ndnisse zu erzwingen, beispielsweise beim Schutz gegen Migration und Drogenimporte oder sogar beim Abbau von Z\u00f6llen. Auch der Wohlstand der USA basiert auf der Globalisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die USA d\u00fcrften kaum riskieren, dass verstimmte Handelspartner Kapital aus den USA abziehen, wie dies China bereits tut. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass \u2013 wie schon in der ersten Amtszeit von Trump \u2013 die handelspolitische Suppe nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: InvestmentWorld.ch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flossbach von Storch :\u00a0Autos, Stahl und Champagner \u2013 immer neue Zollandrohungen aus den USA bedrohen den Welthandel. Was plant Donald Trump?<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":28175,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":null,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"default","_twitter_share_type":"default","_linkedin_share_type":"default","_pinterest_share_type":"default","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"default","_medium_share_type":"default","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":null,"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[37],"tags":[308],"class_list":["post-28173","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-marktanalyse","tag-flossbach-von-storch"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28173"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28173\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28176,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28173\/revisions\/28176"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}