{"id":6142,"date":"2020-06-25T10:30:00","date_gmt":"2020-06-25T08:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/?p=6142"},"modified":"2020-06-25T17:53:40","modified_gmt":"2020-06-25T15:53:40","slug":"eurizon-interview-euro-bonds","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/eurizon-interview-euro-bonds\/","title":{"rendered":"Eurizon Interview : Euro Bonds"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Eurizon: ? Paolo, wie hat sich die Coronavirus-Krise auf das Anlagesegment europ\u00e4ischer Anleihen ausgewirkt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli, Head of Fixed Income &amp; FX bei Eurizon<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Was in der ersten Jahresh\u00e4lfte geschah, wird uns f\u00fcr immer in Erinnerung bleiben. Die verheerenden Folgen der Coronavirus-Pandemie, die vor allem mit den von vielen L\u00e4ndern beschlossenen Einschr\u00e4nkungen zusammenh\u00e4ngen, oder mit der fehlenden oder verz\u00f6gerten Umsetzung solcher Ma\u00dfnahmen, lassen sich jetzt an den globalen Wirtschaftsdaten ablesen. Weltweit ist es f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsklima steil nach unten gegangen, die Zahlen von Arbeitslosen und Subventionsantr\u00e4gen haben in den Industrie- und Schwellenl\u00e4ndern neue H\u00f6chstst\u00e4nde erreicht, und auch die Daten zur BIP-Entwicklung waren in allen L\u00e4ndern f\u00fcr das erste Quartal schrecklich und werden es wahrscheinlich auch f\u00fcr das zweite Quartal sein. Der extrem volatile Roh\u00f6lpreis, der auf die Erh\u00f6hung des Angebots gefolgt von einer drastischen K\u00fcrzung durch die OPEC zur\u00fcckzuf\u00fchren war, brachte weitere Probleme mit sich. Die Reaktionen der Zentralbanken, vor allem der Federal Reserve, waren beispiellos, wobei der Liquidit\u00e4t der M\u00e4rkte sowie der Unterst\u00fctzung von Unternehmen und Familien besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, um einen schweren Zyklus von Zahlungsausf\u00e4llen zu vermeiden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Und welche Auswirkungen hatte das auf Ihr Portfolio?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Der Epsilon Fund \u2013 Euro Bond, der im Januar 2007 aufgelegt wurde und seither von mir mit Unterst\u00fctzung meiner Kollegen vom Eurizon Fixed Income Team verwaltet wird, hat das Ziel, den JP Morgan EMU GBI zu \u00fcbertreffen, wobei das Risiko auf eine Tracking-Error-Volatilit\u00e4t von 2,5 Prozent begrenzt ist. Der Fonds begann das Jahr 2020 mit einem geringen Risiko gegen\u00fcber der Benchmark, sowohl hinsichtlich der Duration als auch der Positionierung in verschiedenen Euro-L\u00e4ndern. Das Portfolio hatte ein gro\u00dfes \u00dcbergewicht in US-Schatzpapieren und eine Untergewichtung in Anleihen aus dem Euroraum. Bei L\u00e4ndern aus der Peripherie des gemeinsamen W\u00e4hrungsgebiets war der Fonds untergewichtet bei portugiesischen und spanischen Anleihen, \u201eneutral\u201c bei italienischen Papieren. Unternehmensanleihen hatten wir zu Beginn des Jahres nicht im Portfolio, und die einzige Position in Spread-Papieren bestand aus chinesischen Renminbi-Anleihen. Dank dieser defensiven Allokation waren die Folgen der Turbulenzen und der Ausweitung der Spreads, die wir im Februar und M\u00e4rz hatten, begrenzt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Ihr Anlageschwerpunkt liegt aber doch bei europ\u00e4ischen Staatsanleihen?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Wir vergessen nie, dass die Benchmark des Fonds \u201eEuro Government\u201c ist. Engagements in Nichteurop\u00e4ische-Staatsanleihen gehen wir nur opportunistisch ein, wenn wir fest davon \u00fcberzeugt sind, dass Positionen au\u00dferhalb der Benchmark einen hohen Wert haben. So haben wir beispielsweise von der Verringerung des Spreads zwischen US-Staatsanleihen und jenen aus dem Euroraum profitiert. Die offene Long-Position in Dollar-Anleihen haben wir mittlerweile geschlossen und in eine \u201eInflation Break Even\u201c-Position umgewandelt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Welche \u00c4nderungen aufgrund der Coronavirus-Krise haben Sie noch vorgenommen?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Seit M\u00e4rz, nachdem die Bedeutung und Wirksamkeit der Reaktionen der Zentralbanken und Regierungen deutlich geworden war, haben wir begonnen, eine Position in Unternehmensanleihen aufzubauen, angefangen mit High Yield, dann mit Investment Grade und schlie\u00dflich mit Green Corporate Bonds. Das Engagement in Unternehmensanleihen, direkt oder \u00fcber Derivate oder andere Fonds, lag Ende Mai bei fast zehn Prozent des Portfolios. Im Juni haben wir nach einer guten Wertenwicklung mit dem Abbau dieser Position angefangen. Der Fonds weist im Vergleich zur Benchmark eine k\u00fcrzere Duration auf, mit einer \u201eBarbell\u201c-Struktur aus Kurzl\u00e4ufern und extra-langlaufenden Anleihen. Hinzu kommen ein \u00dcbergewicht in inflationsindexierten Anleihen und Staatsanleihen aus der Peripherie des Euroraums sowie ein Untergewicht in Schuldtiteln aus dem Kern und dem Semi-Kern des gemeinsamen W\u00e4hrungsgebiets. Mit Blick auf die W\u00e4hrungen halten wir eine Long-Position in chinesischen Renminbi-Wertpapieren \u00fcber einen hauseigenen Fonds sowie eine kleine Position in japanischen Yen aus Gr\u00fcnden der Risikodiversifizierung.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Was bevorzugen Sie derzeit in Bezug auf Emittenten, Ratings oder Laufzeiten und wovon w\u00fcrden Sie eher abraten?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Unsere Allokation in Unternehmensanleihen ist sowohl in Bezug auf das Rating als auch auf den Sektor gut diversifiziert, und die durchschnittliche Gr\u00f6\u00dfe von Einzelwerten liegt in der Regel unter 0,05 Prozent. Das Portfolio der Unternehmensanleihen, das jetzt haupts\u00e4chlich aus \u201egr\u00fcnen Anleihen\u201c besteht, wird aktiv von dem Team verwaltet, das auch unseren Green-Bond-Fonds betreut \u2013 einen der gr\u00f6\u00dften seiner Art in Europa mit einem verwalteten Verm\u00f6gen von 1,4 Milliarden Euro. Der verbleibende Teil des Engagements in Unternehmensanleihen erfolgt \u00fcber spezialisierte ETFs oder Fonds. Bei Staatsanleihen bevorzugen wir liquide Emittenten, beispielsweise Deutschland unter den L\u00e4ndern mit niedrigeren Renditen und Italien unter den L\u00e4ndern mit h\u00f6heren Renditen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Sehen Sie Liquidit\u00e4tsrisiken durch die verst\u00e4rkten Anleihenk\u00e4ufe der EZB?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Die EZB und die anderen Zentralbanken leisten gute Arbeit und versuchen, mit ihren K\u00e4ufen keine Liquidit\u00e4tsprobleme zu schaffen, auch wenn sie es wahrscheinlich nicht vermeiden konnten, die Preise und den relativen Wert der weniger liquiden M\u00e4rkte zu beeinflussen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Werden die angek\u00fcndigten Ma\u00dfnahmen ausreichen, um die Folgen der Corona-Krise zu heilen? Oder sehen Sie zus\u00e4tzlichen Bedarf?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Die Coronavirus-Pandemie hat das Argument gest\u00e4rkt, dass Europa einen Wandel im Umgang mit der Krise und der Wirtschaft braucht. Durch die richtige Mischung von Geld- und Fiskalpolitik k\u00f6nnen wir eine Verbesserung der Funktionsweise der W\u00e4hrungsunion erreichen. Europa muss Nationalismen \u00fcberwinden, in dieser Richtung ist ein Impuls der wichtigsten europ\u00e4ischen L\u00e4nder, vor allem Deutschlands und Frankreichs, von entscheidender Bedeutung. Die Verhandlungen mit den kleineren L\u00e4ndern werden lang und schwierig sein. Aber schlie\u00dflich werden wir Erfolg haben.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron haben vorgeschlagen, dass die EU-Kommission 750 Milliarden Euro an Krediten auf dem Kapitalmarkt aufnimmt und diese dann \u00fcber den EU-Haushalt als Hilfe f\u00fcr Krisenstaaten verteilt. Ist dies der Einstieg in die sogenannten Euro-Bonds?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Wahrscheinlich im Juli, wenn die EU-Pr\u00e4sidentschaft von Kroatien auf Deutschland \u00fcbergeht, werden wir eine Einigung \u00fcber das EU-Konjunkturprogramm haben, das k\u00fcrzlich &#8220;Next Generation EU&#8221; genannt wurde. Wenn es ohne gro\u00dfe \u00c4nderungen verabschiedet wird, w\u00e4re dies ein wichtiger Schritt in Richtung eines neuen Europas. Es wird eine gro\u00dfe Anzahl von bisher wahrgenommenen nationalen roten Linien hinter sich lassen. Und es wird die Ausgabe von Anleihen der EU implizieren, um dies zeitweilig zu finanzieren. Obwohl es sich um einen vor\u00fcbergehenden Rahmen handelt, kann er im Lauf der Zeit zu einem dauerhaften Rahmen werden. Und die neuen Anleihen der EU, die von Moody&#8217;s mit \u201eAAA\u201c bewertet werden, k\u00f6nnten durchaus zu einer neuen sicheren Anlage f\u00fcr Europa werden, mit positiven Auswirkungen auf die Euro-Finanzm\u00e4rkte.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Wenn sich die wirtschaftliche Lage zunehmend entspannt, welche Anleihen w\u00fcrden davon besonders profitieren?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Den gr\u00f6\u00dften Vorteil werden Unternehmensanleihen haben, wenn sich dank der Zunahme der wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t das Herabstufungs- und Ausfallrisiko verringert. Bei Staatsanleihen werden wahrscheinlich die Renditen etwas steigen und die Spreads zwischen den Emittenten werden sich verringern. Wir glauben, dass sich die Inflation auf die Ziele der Zentralbanken zubewegen wird, die in der Eurozone viel h\u00f6her sind als das derzeit von den M\u00e4rkten implizierte Niveau. Daher d\u00fcrften inflationsindexierte Anleihen eine gute Perspektive in Bezug auf Rendite und Volatilit\u00e4t bieten.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Welche Kredit-Ratings bevorzugen Sie und bis zu welcher Quote des Portfolios?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> In den vergangenen Monaten haben wir bei Emittenten von Unternehmensanleihen eine starke Herabstufung von Investment-Grade- auf High-Yield-Ratings erlebt. Wahrscheinlich sind diese \u201eFallen Angels\u201c diejenigen, die von der Verbesserung der Wirtschaftslage am meisten profitieren k\u00f6nnen. Im gegenw\u00e4rtigen Kontext bevorzugen wir die Anleihen zwischen \u201eBBB\u201c und \u201eBB\u201c \u2013 das Portfolio h\u00e4lt etwa vier Prozent der Investments in \u201eBBB\u201c- und ein Prozent in \u201eBB\u201c-Ratings.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Wie sch\u00e4tzen Sie die Entwicklung der Ausfallraten ein?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Die Ausfallraten steigen! Im Juni liegt die Ausfallrate zurzeit bei 4,7 Prozent, h\u00f6her als die 4,1 Prozent, die wir im vergangenen Monat hatten, was auch dem langfristigen Durchschnitt entspricht. Andererseits verbessern sich die Erwartungen f\u00fcr die k\u00fcnftigen Ausfallraten schon wieder \u2013 von zehn Prozent auf neun Prozent, dank der Lockerung der Kreditbedingungen und der Verbesserung der Marktstimmung, die eine problemlose Refinanzierung der Unternehmen erm\u00f6glichen. Und die Verbesserung der Aussichten z\u00e4hlt st\u00e4rker als die vorherige Verschlechterung der Lage.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Wie k\u00f6nnen sich die Anleger gegen Zahlungsausf\u00e4lle wappnen? Welche anderen Instrumente k\u00f6nnen zur Diversifizierung der Anleihenportfolios oder zur Risikobegrenzung eingesetzt werden?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Die beste M\u00f6glichkeit f\u00fcr Anleger, sich vor unerwarteten Ausf\u00e4llen zu sch\u00fctzen, ist die Diversifizierung. Der Fonds ist in seinem Engagement in Unternehmensanleihen extrem diversifiziert. Der beste Weg zur Risikobegrenzung f\u00fchrt wiederum \u00fcber unkorrelierte Instrumente oder Derivate. Unser bereits erw\u00e4hntes Engagement im chinesischen Renminbi-Fonds ist ein klares Beispiel f\u00fcr solch ein unkorreliertes Instrument, das in der Regel eine Outperformance liefern kann, wenn andere Anlageklassen negativ tendieren. Auch W\u00e4hrungen bieten Unterst\u00fctzung zur Verringerung des Gesamtportfoliorisikos. Im Lauf des Jahres hatten wir wichtige Positionen im Dollar, und derzeit haben wir eine kleine Position im japanischen Yen, um das Risiko zu reduzieren.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>? Abschlie\u00dfend gefragt, was ist Ihre mittelfristige Erwartung f\u00fcr die Zins- und Inflationsentwicklung in Europa?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paolo Bernardelli:<\/strong> Wir glauben, dass sich die Situation in Bezug auf die wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten normalisieren wird, mit potenziellen Risiken durch eine m\u00f6gliche zweite Pandemiewelle gegen Ende des Jahres. Ich glaube auch, dass der Zinsanstieg langsam erfolgen wird, mit m\u00f6glichen Phasen der Volatilit\u00e4t. Und mit der Normalisierung der angespannten Situation werden sich die Inflationsraten auf die Ziele der Zentralbanken zubewegen, mit dem durchaus \u201eerw\u00fcnschten\u201c Risiko, noch h\u00f6her zu gehen. Aus diesem Grund ist der Fonds in Bezug auf die Duration untergewichtet und inflationsindexierte Anleihen sind \u00fcbergewichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eurizon: ? 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