{"id":6633,"date":"2020-09-14T09:25:38","date_gmt":"2020-09-14T07:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/?p=6633"},"modified":"2020-09-14T09:58:45","modified_gmt":"2020-09-14T07:58:45","slug":"eurizon-interview-der-markt-beginnt-schon-jetzt-auf-ein-mittel-bis-langfristig-hoeheres-inflationsniveau-zu-wetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/eurizon-interview-der-markt-beginnt-schon-jetzt-auf-ein-mittel-bis-langfristig-hoeheres-inflationsniveau-zu-wetten\/","title":{"rendered":"Eurizon Interview : \u201eDer Markt beginnt schon jetzt, auf ein mittel- bis langfristig h\u00f6heres Inflationsniveau zu wetten\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Eurizon : Beim diesj\u00e4hrigen virtuellen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole hat der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, angek\u00fcndigt, dass die US-Notenbank k\u00fcnftig ein durchschnittliches statt eines festen Inflationsziels anstreben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta &#8211;  Portfoliomanager des Eurizon Fund \u2013 Bond Inflation Linked.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea, was bedeutet die neue Strategie in der Praxis f\u00fcr die Geldpolitik der US-Notenbank?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Die Federal Reserve sieht seit Jahren zwei Prozent als optimales Inflationsniveau an und versucht, dieses Ziel mit dem der Vollbesch\u00e4ftigung zu verbinden. Um die Erholung der Wirtschaft noch st\u00e4rker zu unterst\u00fctzen, hat die US-Notenbank jetzt aber einen beachtlichen Wandel in ihrem Ansatz zur Steuerung der Inflation angek\u00fcndigt. Powell sagte, die Zentralbank werde k\u00fcnftig einen flexiblen Durchschnitt von zwei Prozent Inflation anstreben, anstatt am festen Ziel von zwei Prozent festzuhalten. Gleichzeitig gibt die Federal Reserve kein numerisches Ziel zur Definition der Vollbesch\u00e4ftigung an, sondern stellt lediglich fest, dass dies \u201eein breit gef\u00e4chertes und umfassendes Ziel\u201c sei. In diese Richtung wird die US-Notenbank die Wirtschaft in den kommenden Jahren lenken: Das Besch\u00e4ftigungswachstum wird das Hauptziel der Zentralbank bleiben, die jedoch die Zinss\u00e4tze nicht erh\u00f6hen wird, um sich vor einer kommenden Inflation zu sch\u00fctzen, nur weil die Arbeitslosenquote niedrig ist. Eine h\u00f6here Inflation wird so lange toleriert, wie kein best\u00e4ndiges Risiko besteht, eine unerw\u00fcnschte Inflationsspitze zu erzeugen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Gefahren versucht die Federal Reserve so zu vermeiden?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Im gegenw\u00e4rtigen Umfeld mit niedrigem Wirtschaftswachstum, niedrigen Zinss\u00e4tzen und niedriger Inflation w\u00e4ren unerwartete Schocks f\u00fcr die Zentralbank schwierig zu handhaben. Wenn die Federal Reserve weiter ein festes Inflationsniveau von zwei Prozent anstreben w\u00fcrde, m\u00fcsste sie die Zinsen erh\u00f6hen, falls sie der Meinung ist, dass die Inflation \u00fcber dieses Niveau hinausgehen k\u00f6nnte. Dies w\u00fcrde die Kreditaufnahme f\u00fcr Verbraucher und Unternehmen verteuern. Im Gegensatz dazu wird ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel es der Federal Reserve erm\u00f6glichen, die Zinss\u00e4tze l\u00e4nger niedrig zu halten und so das Wachstum anzukurbeln, um zur Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit beizutragen, die neben der Preisstabilit\u00e4t ihr Hauptziel bleibt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Und was sind die Folgen f\u00fcr die Inflation?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Unserer Meinung nach bringt die Umstellung auf die neue Strategie positive Auswirkungen auf die Inflation mit sich, da niedrigere Zinsen mittelfristig die privaten Konsumausgaben und damit die Inflation f\u00f6rdern, die nun \u00fcber zwei Prozent steigen kann, ohne dass die US-Notenbank die Zinsen erh\u00f6hen muss. Unsere Erwartung basiert sowohl auf den Wachstumsdaten als auch auf den marktdiskontierten Inflationserwartungen. Schauen wir uns das annualisierte US-Bruttoinlandsprodukt f\u00fcr das zweite Quartal an, sind die Daten besser als von den \u00d6konomen erwartet ausgefallen. Dies k\u00f6nnte die Preise \u00fcber einen relativ kurzen Zeithorizont nach oben treiben. Auf der anderen Seite zeigt der Blick auf die F\u00fcnf-Jahres-Dollar-Inflations-Swap-Rate, die ein \u00fcblicher Ma\u00dfstab f\u00fcr die \u00dcberwachung der Inflationserwartungen des Markts ist, dass sie bei \u00fcber zwei Prozent liegt und damit fast wieder bei dem in diesem Jahr bislang markierten H\u00f6chstwert. Der Markt hat also bereits damit begonnen, einen weniger rigiden Ansatz der Zentralbank und weniger negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum einzupreisen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wo steht die EZB in dieser Hinsicht? Erwarten Sie \u00c4nderungen beim Ziel \u201enahe, aber unter zwei Prozent\u201c?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, wird eine unver\u00e4ndert expansive Geldpolitik betreiben, um das erkl\u00e4rte Inflationsziel von \u201enahe, aber unter zwei Prozent\u201c zu erreichen. Mit Blick auf die Entwicklung der Verbraucherpreise sprach sie aber von einer strategischen \u00dcberpr\u00fcfung verschiedener Themen, angefangen von der quantitativen Formulierung der Preisstabilit\u00e4t bis hin zur Definition und Messung eines neuen Inflationsziels. Zu den verschiedenen Punkten, die wom\u00f6glich in diesen \u00dcberpr\u00fcfungsprozess einbezogen werden, k\u00f6nnte der Einfluss des Immobilienmarkts geh\u00f6ren, der im aktuellen Preisindex unterrepr\u00e4sentiert ist. Andere \u00dcberlegungen, wie Finanzstabilit\u00e4t, Besch\u00e4ftigung und \u00f6kologische Nachhaltigkeit, werden ebenfalls Teil der \u00dcberpr\u00fcfung sein. Wir erwarten aber keine \u00c4nderung des Ziels \u201enahe, aber unter zwei Prozent\u201c. Somit d\u00fcrften die beiden Notenbanken k\u00fcnftig eine unterschiedliche Berechnungsmethodik verwenden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Betrachten Sie diese unterschiedlichen Ans\u00e4tze als problematisch?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Auch in der Vergangenheit hat sich die Geldpolitik von Federal Reserve und EZB stark unterschieden. So hat die US-Notenbank die Leitzinsen mehrmals angehoben, bevor sie sie auf das Niveau von jetzt 0 bis 0,25 Prozent gesenkt hat. Die EZB hingegen hat den Zins ausschlie\u00dflich reduziert und den Einlagensatz in den negativen Bereich gedr\u00fcckt. Vor diesem Hintergrund kann die Federal Reserve durch die Einf\u00fchrung eines Mechanismus zur Steuerung der durchschnittlichen Inflation immer noch eine \u201etaubenhafte\u201c Geldpolitik betreiben. Andererseits wird die EZB unserer Meinung nach dem Schritt der US-Notenbank nicht folgen, da sie schon in der Vergangenheit eine \u00e4u\u00dferst \u201etaubenhafte\u201c Geldpolitik betrieben hat. Letztlich k\u00f6nnten also die Zinsen in der Eurozone fr\u00fcher steigen als in den USA. Dies wird dazu f\u00fchren, dass der Euro gegen\u00fcber dem Dollar aufwertet, was sich negativ auf die europ\u00e4ischen Exporte auswirken wird.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Um den wirtschaftlichen und sozialen Schaden durch die Coronavirus-Pandemie zu d\u00e4mpfen, drucken die Zentralbanken Geld, als g\u00e4be es kein Morgen, und die Regierungen haben riesige Konjunkturprogramme gestartet. Das sollte der Stoff sein, aus dem die Inflation gemacht ist. Was ist Ihre Meinung auf k\u00fcrzere und l\u00e4ngere Sicht?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Unserer Meinung nach zielen die akkommodierenden Ma\u00dfnahmen der Zentralbanken und die von den Regierungen eingeleiteten Konjunkturprogramme kurzfristig darauf ab, die negativen Auswirkungen der Covid-19-Krise zu stabilisieren und eine eher strukturelle wirtschaftliche Erholung herbeizuf\u00fchren. Erst langfristig werden sich diese Ma\u00dfnahmen auf die Inflation auswirken k\u00f6nnen. Insbesondere glauben wir, dass die beeindruckende Menge an gedrucktem Geld in den n\u00e4chsten Jahren einen positiven Einfluss auf die privaten Konsumausgaben haben wird, auch unterst\u00fctzt durch eine Situation, in der die Zinsen f\u00fcr einen langen Zeitraum niedrig bleiben werden. Der Anstieg der privaten Konsumausgaben wird die Inflation mittel- bis langfristig in die H\u00f6he treiben. Blickt man auf die 5-Jahres-5-Jahres-Euro-Inflations-Swap-Rate, so kann man feststellen, dass sie sich mit 1,25 Prozent dem Vorkrisenniveau und dem Jahresh\u00f6chststand von 1,35 Prozent n\u00e4hert. Dies bedeutet, dass der Markt bereits jetzt beginnt, auf ein mittel- bis langfristig h\u00f6heres Inflationsniveau zu wetten.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sollten Investoren in dieser Situation reagieren? Welchen Mehrwert kann ein aktiv verwaltetes Portfolio aus inflationsgebundenen Anleihen bieten?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Mit einer positiven Sicht auf die Inflation kann ein aktiv verwaltetes Portfolio durch eine entsprechende Positionierung den Markt \u00fcbertreffen. Insbesondere sind wir der Meinung, dass die Renditekurve in der Mitte und am langen Ende im Vergleich zum kurzen Ende bis zu f\u00fcnf Jahren relativ g\u00fcnstig ist. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass inflationsgebundene Anleihen es den Anlegern langfristig erm\u00f6glichen, die Kaufkraft zu erhalten, selbst wenn die Inflation hoch ist und die Verbraucherpreise zu steigen beginnen. Unserer Meinung nach stellt der Mehrwert eines Portfolios von inflationsgebundenen Anleihen zus\u00e4tzlich zur Outperformance eines Portfolios von nominalen Anleihen einen wichtigen Schutz dar, falls der Preisanstieg eintreten sollte.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sind Sie derzeit mit Ihrem Portfolio positioniert? Welche Wertpapiere halten Sie f\u00fcr attraktiv, welche meiden Sie?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Andrea Giannotta:<\/strong> Im aktuellen makro\u00f6konomischen Kontext halten wir an der \u00dcbergewichtung franz\u00f6sischer Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren (indikativer Break-even bei 0,93 Prozent) gegen\u00fcber l\u00e4ngeren Laufzeiten fest, die bereits vergleichsweise hoch bewertet sind. In Bezug auf die Peripheriel\u00e4nder gewichten wir weiter italienische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit (indikativer Break-even bei 0,60 Prozent) \u00fcber, w\u00e4hrend wir spanische Anleihen mit l\u00e4ngeren Laufzeiten untergewichten. Positiv sehen wir auch die an die Inflation in Italien gebundenen Anleihen im Vergleich zu den traditionellen, an die europ\u00e4ische Teuerung gekoppelten Papieren. Wir denken, dass das gegenw\u00e4rtige \u00d6lpreisniveau eine gute Kaufgelegenheit f\u00fcr inflationsgebundene Anleihen darstellen k\u00f6nnte, um mittel- bis langfristig von einem m\u00f6glichen Inflationsszenario zu profitieren. Denn eine wirtschaftliche Erholung und deren anschlie\u00dfende Stabilisierung w\u00fcrde den \u00d6lpreis in die H\u00f6he schnellen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eurizon : Beim diesj\u00e4hrigen virtuellen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole hat der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, angek\u00fcndigt, dass die US-Notenbank k\u00fcnftig ein durchschnittliches statt eines festen Inflationsziels anstreben wird.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":6643,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[74],"tags":[132],"class_list":["post-6633","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","tag-eurizon"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6633"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6642,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6633\/revisions\/6642"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6643"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}