{"id":6648,"date":"2020-09-16T09:10:20","date_gmt":"2020-09-16T07:10:20","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/?p=6648"},"modified":"2020-09-16T10:35:07","modified_gmt":"2020-09-16T08:35:07","slug":"decalia-plaedoyer-fuer-eine-inflation-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/decalia-plaedoyer-fuer-eine-inflation-2-0\/","title":{"rendered":"Decalia: Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Inflation 2.0"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\"><span lang=\"en-GB\"><span lang=\"EN-GB\">Decalia: \u00dcber Inflation l\u00e4sst sich gut debattieren. Vor allem, ob es einen Methodenwechsel zur Messung der Teuerung n\u00f6tig ist, damit sie die wirtschaftliche Realit\u00e4t besser widerspiegelt.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><strong>Von Fabrizio Quirighetti, Chief Investment Officer, Decalia<\/strong><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"> Schon immer war die Wirtschaft Gegenstand manch reger \u2013 und bisweilen sehr heftiger \u2013 Debatten, die den rein wirtschaftlichen Rahmen sprengten. Denn es ging nicht nur um das Befinden der Welt, sondern auch darum, wie ihre Ressourcen genutzt werden. Bei einer der ber\u00fchmtesten Debatten standen sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Koryph\u00e4en gegen\u00fcber: der englische \u00d6konom John Maynard Keynes und sein \u00f6sterreichischer Kollege Friedrich August Hayek. Keynes, renommierter Verfasser des \u201eA Treatise on Money\u201c (Deutsch: \u201eVom Gelde\u201c), pl\u00e4dierte f\u00fcr ein aktives Eingreifen des Staates in die Wirtschaft. Hayek z\u00e4hlte dagegen zu den wichtigsten Denkern des Liberalismus. Ihr Wortgefecht, aus dem im \u00dcbrigen niemand siegreich hervorging, war lange Zeit f\u00fcr die Wirtschaft \u00e4hnlich wichtig wie der Kampf zwischen Ali und Foreman f\u00fcr den Boxsport oder die Matches zwischen Federer und Nadal im Tennis.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Grosser Einfluss auf die M\u00e4rkte<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">In letzter Zeit haben diese Debatten angesichts einer Welt, deren Entschl\u00fcsselung immer schwerer wird, eine Neuauflage erfahren: Wachstumsdiktat, Schuldenlast, W\u00e4hrungskrieg, die Regulierung der Finanzm\u00e4rkte, die Rolle der Zentralbanken \u2013 an Kontroversen mangelt es in der Tat nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber bei einem Thema scheiden sich derzeit die Gem\u00fcter \u2013 an der Inflation und den Perspektiven, die sich daraus f\u00fcr die kommenden Jahren ergeben. Ihr Anstieg wird das Verhalten der Finanzm\u00e4rkte in hohem Mass beeinflussen. So k\u00f6nnte ihre abrupte R\u00fcckkehr beispielsweise eine Straffung der seit langem expansiven Geldpolitik der Notenbanken bedeuten.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Gef\u00e4hrliche Krankheit<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Momentan stehen sich zwei Denkrichtungen gegen\u00fcber: Die Monetaristen vertreten als Anh\u00e4nger von Milton Friedman, Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften des Jahres 1976, den Standpunkt, dass Inflation \u201eimmer und \u00fcberall ein monet\u00e4res Ph\u00e4nomen\u201c ist. Friedman selbst hatte mit seinem Sinn f\u00fcr Bonmots erkl\u00e4rt, dass Inflation eine gef\u00e4hrliche und manchmal t\u00f6dliche Krankheit sei. Den Monetaristen widersprechen die Neo-Keynesianer, die \u00fcberzeugt sind, dass eine expansive Geldpolitik die Konjunktur in einer Rezession zwangsl\u00e4ufig stimulieren m\u00fcsse, denn die Diskrepanz zwischen schwacher Nachfrage und potenziellem Angebot verhindere den Aufbau zus\u00e4tzlicher Inflation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entscheidung zwischen diesen beiden Lagern ist umso schwieriger, als die Inflationsdaten selbst keine eindeutige Lesart erlauben. Die Verfahren und Daten zur Berechnung der Inflationsrate scheinen inzwischen \u00fcberholt zu sein. Die Benchmark zur Messung der Preisentwicklung vereinfacht die Gesamtheit der Datenreihen extrem, die inzwischen schlicht zu volumin\u00f6s geworden sind und sich mit den alten, seit mehreren Jahrzehnten noch vor der Globalisierung eingesetzten Tools nicht mehr verarbeiten lassen. Das heutige Datenvolumen m\u00fcsste mit auf K\u00fcnstlicher Intelligenz beruhenden Algorithmen analysiert werden, um aussagekr\u00e4ftige und pr\u00e4zisere Analyseergebnisse zu erhalten.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00e4zise Messung \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fest steht, dass sich die Komponenten bez\u00fcglich der Ausgaben der Haushalte in nur zwei Generationen grundlegend ge\u00e4ndert haben. So wie sie derzeit dargestellt werden &#8211; d.h. mit zu alten Methoden &#8211; spiegeln die Inflationsdaten diese Entwicklung nur schlecht oder nur sehr ungenau wider. Wenn das Bundesamt f\u00fcr Statistik angibt, dass die Lebenshaltungskosten in der Schweiz im August stabil geblieben und im zur\u00fcckliegenden Jahr um 0,9% gesunken sind, kann man sich mit Fug und Recht fragen, ob das auch stimmt. So kann man sich nur schwer vorstellen, dass eine derart komplexe Preisvariable pr\u00e4zise gemessen werden kann. Angesichts der \u00c4ra eines extremen Individualismus, die wir derzeit erleben, liegt es auf der Hand, dass die Gruppe des \u201eHomo economicus\u201c immer heterogener wird, so dass die klassische Preisstatistik eine immer geringere Repr\u00e4sentativit\u00e4t besitzt als in der Vergangenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt ein fundamentaler Parameter, den es in dieser Gleichung zu ber\u00fccksichtigen gilt: die hedonistische Anpassung. Dabei fliesst mittels einer \u201eneuen\u201c Preisstruktur auch die Qualit\u00e4tsverbesserung eines Produkts in die Inflationsberechnung ein. Besonders eindrucksvoll ist dieser Effekt im Bereich Unterhaltungselektronik: Ein ultraflacher, gebogener 57-Zoll-Zentimeter-TV-Bildschirm kostet heutzutage genauso viel wie ein Farbfernseher in den 1980er Jahren. Computer sind m\u00f6glicherweise etwas teurer als vor 20 oder 30 Jahren, doch ihre Leistung hat sich seither bis ins Unendliche vervielfacht. Und was sagt die Preisstatistik des Bundesamtes f\u00fcr Statistik dazu? Ein Fernseher, der 1990 stolze 1.000 Franken kostete, ist heute f\u00fcr 85 Franken zu haben. Und der Preis eines PCs ist in den letzten 25 Jahren auf ein Dreissigstel gesunken. Das ist nat\u00fcrlich ein reines Gedankenspiel.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Inflations-Benchmark beeinflussen unser Leben<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Statistiken \u2013 so verzerrt sie auch sein m\u00f6gen \u2013 bilden den \u201eRohstoff\u201c und das Fundament, auf das die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungstr\u00e4ger ihre Entscheidungen st\u00fctzen. Qualit\u00e4t oder Aussagekraft der Daten sind egal, Hauptsache, man kann sich an etwas halten. Genau dies am\u00fcsierte auch den polnischen \u00d6konom Michal Kalecki, der sagte: \u201eEin \u00d6konom kann zwei Fehler machen: Der erste besteht darin, nicht zu rechnen, und der zweite, zu glauben, was er berechnet hat.\u201c Fakt ist jedoch, dass die Inflations-Benchmark unweigerlich unser t\u00e4gliches Leben beeinflusst, denn sie bestimmt die Indexierung der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter, der Renten, Steuern und allerhand weiterer Geldstr\u00f6me.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss sich letztendlich fragen, inwieweit die aktuelle Geldpolitik die Inflation, in der Form, wie sie derzeit berechnet wird, unter dem Strich beeinflusst. Fest steht, dass der aktuelle geldpolitische Kurs die Miet-, Nahrungsmittel- und Energiepreise aufgrund ihrer mehr oder weniger direkten Auswirkung auf die Hypothekenzinsen oder Wechselkurse beeinflusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Feststellung ist ziemlich besorgniserregend. Die Zentralbanken richten ihre Geldpolitik an einer eher umstrittenen Zahl aus, \u00fcber die sie letztendlich wenig Kontrolle aus\u00fcben. Es sei denn, dass sie die Diskrepanzen in der Preisentwicklung noch verschlimmern. Da die Notenbanker auf Betreiben der US Federal Reserve den Rahmen ihrer Geldpolitik momentan auf den Pr\u00fcfstand stellen, w\u00e4re es vielleicht an der Zeit, einen Methodenwechsel zur Messung der Inflation zu erw\u00e4gen, um die wirtschaftliche Realit\u00e4t von Otto Normalverbraucher besser widerzuspiegeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld<\/p>\n<div class=\"row col-sm-12 nospace\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"nospace\"><\/div>\n<article class=\"article\"><\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Decalia: \u00dcber Inflation l\u00e4sst sich gut debattieren. 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