{"id":6742,"date":"2020-09-25T17:16:43","date_gmt":"2020-09-25T15:16:43","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/?p=6742"},"modified":"2020-09-25T17:21:26","modified_gmt":"2020-09-25T15:21:26","slug":"eurizon-interview-das-krisenprogramm-pepp-hat-die-wahrnehmung-der-ezb-veraendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.investmentworld.eu\/ch\/eurizon-interview-das-krisenprogramm-pepp-hat-die-wahrnehmung-der-ezb-veraendert\/","title":{"rendered":"Eurizon Interview : \u201eDas Krisenprogramm PEPP hat die Wahrnehmung der EZB ver\u00e4ndert\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Eurizon : Vor fast genau sechs Monaten hat die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) am 26. M\u00e4rz das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) zur Bek\u00e4mpfung der Folgen der Coronavirus-Pandemie gestartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/bondworld.ch\/newsletter\">Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa Matarrelli, Head of Developed and Emerging Government Bonds &amp; Fx  Eurizon<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses flexible und pr\u00e4ventive Krisenprogramm habe die Wahrnehmung der Zentralbank durch die M\u00e4rkte ver\u00e4ndert, die die EZB bislang als lediglich reaktiv gegen\u00fcber systemischen Stressphasen gesehen h\u00e4tten, <strong>sagt Maria Luisa Matarrelli, Head of Developed and Emerging Government Bonds &amp; Fx beiEurizon<\/strong>, dem Verm\u00f6gensverwalter der italienischen Bankengruppe Intesa Sanpaolo.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa, welche mit dem PEPP verbundenen Ziele hat die EZB in den vergangenen sechs Monaten erreicht?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa Matarrelli:<\/strong> Das PEPP wurde im M\u00e4rz von der EZB ins Leben gerufen, um dem steigenden Risiko einer Fragmentierung zwischen den L\u00e4ndern des Euroraums und einer ungeordneten Versch\u00e4rfung der Finanzierungsbedingungen entgegenzuwirken. Im Juni kam dann ein zweites Ziel hinzu, n\u00e4mlich der Inflationsrate im Euroraum zu helfen, auf den Pfad vor der Pandemie zur\u00fcckzukehren. Der bedeutende Unterschied zwischen diesem Programm und dem traditionellen APP ist seine Flexibilit\u00e4t, da es nicht den Kapitalschl\u00fcssel erf\u00fcllen muss. Dar\u00fcber hinaus werden die PEPP-Best\u00e4nde nicht bei der Berechnung des Emittenten-Limits (33 Prozent f\u00fcr Staaten und 50 Prozent f\u00fcr supranationale Emittenten) ber\u00fccksichtigt. Dieses hohe Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t hat es der EZB erm\u00f6glicht, zu Beginn des Programms pr\u00e4ventiv zu handeln. Das hei\u00dft, dass sie Verm\u00f6genswerte nicht in einem vorgegebenen Tempo erworben hat, sondern dass sie \u00fcber alle Anlageklassen hinweg entsprechend der Bedrohung f\u00fcr das Mandat der EZB gekauft hat. Heute l\u00e4sst sich sagen, dass das erste Ziel, n\u00e4mlich die Zur\u00fcckf\u00fchrung der Fragmentierung zwischen den L\u00e4ndern des Euroraums, und das Erm\u00f6glichen eines geordneten Funktionierens des Markts erreicht wurde: das Niveau der BIP-gewichteten Renditen \u00fcber f\u00fcnf und zehn Jahre, ein Ma\u00df f\u00fcr die Finanzierungsbedingungen im Euroraum, ist nicht nur niedriger als im M\u00e4rz, sondern auch das niedrigste im G4-Raum. Die Beibehaltung lockerer Finanzierungsbedingungen hat auch dazu beigetragen, die Kreditkosten der Regierungen zu senken, so dass diese die fiskalische Unterst\u00fctzung fortsetzen konnten, die sich bisher als \u00e4u\u00dferst erfolgreich bei der Aufrechterhaltung der verf\u00fcgbaren Einkommen der privaten Haushalte w\u00e4hrend der Pandemie erwiesen hat.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Und welche Ziele hat die EZB nicht erreicht?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa Matarrelli:<\/strong> Das zweite Ziel des PEPP, das im Juni von EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde hinzugef\u00fcgt wurde, war es, der Inflationsrate im Euroraum dabei zu helfen, auf den Pfad vor der Pandemie zur\u00fcckzukehren. Der Umfang des Programms wurde mit diesem neuen Ziel konsequent von 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro erh\u00f6ht. Noch ist es aber zu fr\u00fch, um ein Urteil \u00fcber dieses zweite Ziel abzugeben: Die Pandemie hat den Inflationspfad verschlechtert, und es ist sehr schwierig, das Verhalten der Inflationsrate zu extrapolieren, ohne dass die EZB das PEPP eingef\u00fchrt h\u00e4tte. Betrachtet man aber die j\u00fcngste \u00c4nderung des geldpolitischen Rahmenwerks der Federal Reserve bei der Inflation, n\u00e4mlich das k\u00fcnftige Abzielen auf eine durchschnittliche Teuerung, so hat man den Eindruck, dass die EZB bei der Revision der geldpolitischen Strategie etwas hinterherhinkt. Mit der Einf\u00fchrung des PEPP als geldpolitisches Instrument konnte die EZB die Verz\u00f6gerung bei der Revision des geldpolitischen Rahmens aber durch einen pragmatischen Ansatz ausgleichen: Das PEPP erm\u00f6glicht es der EZB, zeitlich flexibel zu kaufen, und zwar \u00fcber Jurisdiktionen und Anlageklassen hinweg.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Lehren kann man nach sechs Monaten PEPP ziehen?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa Matarrelli:<\/strong> Die Einf\u00fchrung des Krisenprogramms PEPP und die Vorabk\u00e4ufe mit signifikanten Abweichungen vom Kapitalschl\u00fcssel haben die Wahrnehmung der EZB ver\u00e4ndert. Die Investoren waren daran gew\u00f6hnt, eine reaktive Haltung der EZB gegen\u00fcber systemischen Stressphasen zu sehen. Die Flexibilit\u00e4t des PEPP hat es der Zentralbank jetzt erm\u00f6glicht, pr\u00e4ventiver zu wirken, indem sie Teile des Kaufprogramms in die kritischsten Phasen vorgezogen und das Tempo in den letzten Wochen, in denen es weniger dringlich war, verlangsamt hat. Dieses Flexibilit\u00e4tselement ist f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit einer Zentralbank von wesentlicher Bedeutung, um die \u00dcbertragung der Geldpolitik sicherzustellen und so Wachstum und Inflation anzutreiben.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie gro\u00df ist die Gefahr, dass durch das PEPP auch Unternehmen am Leben gehalten werden, die am Markt ansonsten nicht bestehen w\u00fcrden?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa Matarrelli:<\/strong> Das PEPP war bislang eher auf Staatsanleihen ausgerichtet, weshalb Unternehmensanleihen auch nur einen sehr kleinen Teil der Best\u00e4nde in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von vier Prozent ausmachen. Die EZB kann nur Unternehmensanleihen von Nicht-Banken mit einem Mindest-Rating von \u201eBBB-\u201c bei S&amp;P, Fitch, Moody&#8217;s und DBRS kaufen, wobei aber auch der Erwerb von Hochzinsanleihen erlaubt werden kann, wenn eine der Rating-Agenturen ein Unternehmen mit Investment-Grade-Bonit\u00e4t bewertet hat. Die Ank\u00fcndigung der Ma\u00dfnahmen bei Unternehmensanleihen sowohl im PEPP als auch im traditionellen APP war sehr n\u00fctzlich, um die Kreditkosten der Unternehmen zu senken und eine Kreditklemme zu vermeiden, die zu einem dramatischen Einbruch der Wirtschaftst\u00e4tigkeit h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen, wie es nach der gro\u00dfen Finanzkrise der Fall war. Die Coronavirus-Pandemie ist ein exogener Schock, der Finanzierungsdruck ausl\u00f6sen kann, der die allgemeine Situation wom\u00f6glich durch einen Anstieg der Ausfallraten weiter verschlechtern w\u00fcrde. Die EZB hat daher beschlossen, im Rahmen einer allgemeinen Strategie eine Reihe von Instrumenten zur Lockerung der Finanzierungsbedingungen einzusetzen: die Abweichung des PEPP vom Kapitalschl\u00fcssel, die g\u00fcnstigen Konditionen bei TLTRO und die Programme f\u00fcr Unternehmensanleihen. All diese Instrumente haben sich bei der Stabilisierung der Finanzierungsbedingungen als sehr n\u00fctzlich erwiesen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Das PEPP soll mindestens bis Juni 2021 laufen. Wird die EZB das Programm verl\u00e4ngern m\u00fcssen?<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maria Luisa Matarrelli:<\/strong> Der allgemeine Kontext eines niedrigen Potenzialwachstums und einer niedrigen Inflation stellt sicher, dass die wichtigsten Zentralbanken der Welt eine Strategie verfolgen werden, um Schwankungen der Zinsen zu unterdr\u00fccken und die Liquidit\u00e4tsbedingungen sehr locker zu halten. Die quantitativen Lockerungsstrategien sind ein wesentlicher Bestandteil des Instrumentariums der Zentralbanken und werden massiv eingesetzt werden, da die Zentralbankzinsen weltweit am unteren Rand liegen. Die EZB hat bereits so etwas wie Zur\u00fcckhaltung bei der Senkung des Einlagensatzes in noch tiefer negatives Terrain gezeigt, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das PEPP verl\u00e4ngert werden wird, wenn die Inflationsrate im Juni 2021 weit vom vor der Pandemie herrschenden Pfad entfernt sein wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: BondWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eurizon : Vor fast genau sechs Monaten hat die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) am 26. 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